Kalte Hände, kalte Füße: So kriegen Sie das Frieren in den Griff

Eine Medizinerin erklärt, weshalb man häufig an Händen und Füßen friert, wie man Abhilfe schafft und wann man medizinischen Rat einholen sollte.

Kalte Hände und Füße gehören irgendwie zum Winter dazu. Doch manchmal steckt eine ernste Erkrankung dahinter.
Kalte Hände und Füße gehören irgendwie zum Winter dazu. Doch manchmal steckt eine ernste Erkrankung dahinter.Bernd Friedel

Wenn man an einem kalten Wintertag lange draußen ist, kriegt man fast zwangsläufig kalte Hände und kalte Füße. Viele Menschen jedoch haben auch drinnen Probleme mit dem permanenten Gefühl, dass Hände oder Füße kalt sind. Und das wirkt sich aufs gesamte Wohlbefinden aus. Die Allgemeinmedizinerin Dr. Silja Schäfer kennt das Phänomen und weiß Rat.

Grundsätzlich sollten Sie, wenn Sie vor die Tür gehen, dafür sorgen, dass Sie gut eingepackt sind. Falls Ihre Schuhe nicht wintertauglich sind, kaufen Sie sich entsprechende wärmende Einlegesohlen. Es gibt auch beheizbare Einlegesohlen.

Für die Hände eignen sich klassischerweise Handschuhe oder Handwärmer. Falls Sie einen Kinderwagen oder einen Rollator vor sich herschieben, wird Ihnen ein Muff sicher gute Dienste leisten.

Was hilft gegen kalte Hände und kalte Füße?

Falls Sie zu Hause unter kalten Händen oder Füßen leiden – vielleicht, weil Sie Energie sparen –, sollten Sie aktiv werden, wie die Ärztin Dr. Silja Schäfer weiß: „Bewegung fördert die Durchblutung. Damit wird auch der Stoffwechsel angeregt, und das wiederum sorgt dafür, dass auch Wärme produziert wird.“

Je nachdem, was Ihnen möglich ist, könnten Sie über einen Spaziergang nachdenken oder in der Wohnung ein paar Gymnastikübungen machen. Auch ein Hampelmann oder Hula-Hoop sind gut, wenn Ihnen das Spaß macht. Für eine Erwärmung sorgen solche Übungen mit Sicherheit.

Andererseits sollten Sie sich kränklich und schlapp fühlen, ist eine Verausgabung keine gute Idee. Wenn Ihnen also eher nach Wärmflasche, Kuscheldecke und Sofa zumute ist, ist das vollkommen in Ordnung. Für die Füße gibt es spezielle Hauspuschen, die beispielsweise mit Dinkel gefüllt sind und die man kurz in der Mikrowelle erwärmen kann. Ebenso kann ein warmes Fußbad Wunder wirken. Hände kann man mit einer kleinen Massage und beherztem Reiben wieder erwärmen.

Und überlegen Sie einmal kurz: Trinken Sie genug? Wann haben Sie zuletzt getrunken und was? „Damit die Blutzirkulation erhalten bleibt, sollte man nicht nur ausreichend, sondern vor allem kontinuierlich trinken, aber bitte möglichst nur Wasser oder ungezuckerte Tees“, so die Ärztin. Blut, das nicht mit genügend Wasser angereichert ist, fließt langsamer.

Die Süße aus Säften (auch den hundertprozentigen!), Mixgetränken oder gesüßten Tees hingegen sorgt für einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels, den der Körper rasch regulieren will. Das tut er, indem er Insulin ausschüttet. Das Hormon bewirkt, dass der Zucker schnell verstoffwechselt wird.

Da der Körper derart viel Zucker aber gar nicht nutzen kann, wird der Überschuss in Fett umgewandelt und eingespeichert. Kurzum: Sie setzen an! Und das wiederum erhöht Ihr Risiko, Diabetes oder Bluthochdruck zu bekommen, mögliche Ursachen für kalte Hände und Füße.

Warum kriegt man kalte Hände und kalte Füße?

Sobald unser Körper friert oder schwer krank ist, konzentriert er sich auf die wichtigen Sachen und versorgt in erster Linie die lebenswichtigen Organe, also alles im Bauchraum und Oberkörper sowie das Gehirn. „Arme, Beine, Hände und Füße sind dann eben nicht so wichtig“, weiß Dr. Silja Schäfer.

In der Medizin nennt man das Phänomen „zentralisieren“. Der Körper zentralisiert die Wärme, was – logischerweise – zur Folge hat, dass die sogenannte Peripherie nicht mehr so stark durchblutet wird. Und ohne Durchblutung kein Stoffwechsel, ohne Stoffwechsel keine Wärme.

Außerdem kann ein niedriger Blutdruck ursächlich für eine schlechte Durchblutung und somit ein Kältegefühl sein. Der Druck in den Adern reicht dann eben nicht mehr aus, um bis in die kleinsten Kapillare in den Fingerspitzen vorzudringen.

Wann sollte man wegen kalter Hände, kalter Füße zum Arzt?

Falls Sie dauerhaft unter kalten Extremitäten leiden, ist der Gang zur Hausärztin oder zum Hausarzt angeraten. „Es könnte eine Durchblutungsstörung vorliegen“, sagt Dr. Silja Schäfer. „Diese wird anhand eines speziellen Ultraschalls diagnostiziert.“ Danach werden Sie wahrscheinlich an eine Fachpraxis für Gefäße überwiesen, wo man mit Ihnen die weitere Therapie bespricht.

Als Risikofaktor für eine Durchblutungsstörung gilt vor allem das Rauchen, weshalb auch häufig junge Männer betroffen sind und über kalte Hände oder Füße klagen. Ebenso können Bluthochdruck, Diabetes oder ein gestörter Fettstoffwechsel ursächlich für das Frieren sein. All das wird vom Hausarzt oder der Hausärztin abgeklärt, etwa durch eine Blutuntersuchung. Die Kosten tragen in der Regel die Krankenkassen.

„Darüber hinaus muss man schauen, ob eine hormonelle Ursache infrage kommt“, weiß Dr. Silja Schäfer. „Betroffene einer Schilddrüsenunterfunktion – wie zum Beispiel Hashimoto – klagen häufig über kalte Hände und Füße.“ Bei Frauen kann bei ständigem Frösteln auch ein Eisenmangel vorliegen. Durch die Regelblutung verlieren Sie regelmäßig Blut und damit auch Eisen, welches für die Bildung des roten Blutes wichtig ist.

Hinzu kommt, dass eine vegetarische oder gar vegane Ernährung ein beträchtliches Risiko für einen Eisenmangel birgt, wie die Medizinerin erklärt: „In tierischen Produkten steckt viel Eisen, das in der Qualität, wie wir es benötigen, mit pflanzlicher Kost nur erschwert gedeckt werden kann.“

Und noch etwas sollten Veganer und Vegetarier bedenken: All unsere Zellstrukturen, aber auch unsere Hormone bestehen aus Aminosäuren, den Bausteinen der Eiweiße. Da unser Körper einen Großteil seiner Zellen regelmäßig austauscht und ersetzt, braucht er für den Erneuerungsprozess Eiweiß.

Pflanzliches Eiweiß kann hierfür unter Umständen nicht ausreichen, weshalb man schnell in einen Mangel geraten kann. In der Folge kann man schnell kalte Hände und kalte Füße bekommen.