Christopher, 36: Meine Frau macht ständig Selfies von uns, auch von den Kindern, und schickt sie breit herum. Ich finde das narzisstisch und will das nicht. Wie kann ich sie von einer geringeren Dosierung überzeugen?

Hallo Christopher! Wie viel Menschen über die soziale Medien von sich preisgeben möchten, ist sehr unterschiedlich, und ich denke, das sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen.

Nun verstehe ich Sie so, dass Ihre Frau jedoch nicht nur von sich selbst Fotos herumschickt, sondern auch von Ihnen und Ihren Kindern. An dieser Stelle finde ich es wichtig, sich darüber auszutauschen, wie und was Sie beide als Eltern Ihren Kindern in Bezug auf den Umgang mit sozialen Medien und dem Schutz von Privatsphäre vermitteln möchten.

Facebook, Instagram & co.: Medienerziehung beginnt heute sehr früh

Medienerziehung beginnt heute schon sehr früh, und ein angemessener Umgang und ein gut entwickeltes Gefühl dafür, was ich von mir preisgeben möchte und was mit dem passiert, was ich von mir im Netz zeige, ist enorm wichtig. Das sehen wir spätestens dann, wenn wir uns mit Cybermobbing an der Schule beschäftigen. Tatsächlich ist es sogar so, dass es der Zustimmung beider Elternteile bedarf, wenn Fotos von Kindern über Facebook, Instagram usw. verbreitet werden. Nun nehme ich an, Sie möchten sich nicht in einen Rechtsstreit mit Ihrer Frau begeben. Der Hinweis, dass Sie und Ihre Kinder aber grundsätzlich das Recht haben, das Versenden von Fotos zu untersagen, finde ich an dieser Stelle dennoch erwähnenswert.

Ich gehe davon aus, Ihnen beiden ist die gesunde Entwicklung Ihrer Kinder wichtig. Dazu gehört auch, sie für bestimmte Gefahren zu sensibilisieren und auch selbst ein Bewusstsein dafür zu haben, was mit Fotos, die im Netz geteilt werden, passieren kann. Denn sind diese erst einmal online gestellt, haben Sie keine Kontrolle mehr darüber, was mit ihnen geschieht.

Sie scheinen eine Befürchtung oder Sorge bezüglich des Versendens der Fotos zu haben. Wenn Sie Ihrer Frau nun sagen, Sie empfänden ihr Verhalten als „narzisstisch“, kann es schnell passieren, dass sie sich angegriffen fühlt und eine abwehrende Haltung einnimmt. Ich könnte mir daher vorstellen, es wäre gut, wenn Sie mit Ihrer Frau Ihre Sorgen offen teilen. Welche konkreten Befürchtungen haben Sie, wenn Fotos von Ihnen und Ihren Kindern verschickt werden, was genau steckt hinter diesem unangenehmen Gefühl? Oft ist uns selbst nicht gut genug bewusst, was uns stört, welches Bedürfnis eventuell frustriert wird.

Suchen Sie das Gespräch

Vielleicht könnte es hilfreich sein, mit Ihrer Frau ein Gespräch zu initiieren, in dem es ganz allgemein darum geht, wie die Medienerziehung Ihrer Kinder aussehen soll. Hier möchte ich Ihnen empfehlen, sich beide selbst genau unter die Lupe zu nehmen: Wie gut kennen Sie sich mit den Rechten von Kindern im Netz aus? Wie ist Ihr eigenes Verhalten in den sozialen Medien? Sind Ihnen schon unangenehme Dinge widerfahren? Wie stellen Sie sich den Umgang Ihrer Kinder mit sozialen Medien vor, sobald jene frei darauf zugreifen können? Über welche Kompetenzen sollten sie dann verfügen und wie, denken Sie, wollen Sie ihnen diese vermitteln? Ich denke, es könnte ein interessantes Gespräch werden.