Trockenshampoo, Duschseife, DIY-Peeling, Haaröl: Ist das gut für Haut und Haare?

Heutzutage gibt es viele neuartige Pflegeprodukte. Aber sind sie auch wirklich gut? Wann sind sie sinnvoll? Wer darf sie nicht anwenden? Das sagt ein Hautarzt.

Haaröle oder Leave-in-Conditioner werden nach dem Waschen ins Haar gegeben, bleiben ohne Ausspülen drin.
Haaröle oder Leave-in-Conditioner werden nach dem Waschen ins Haar gegeben, bleiben ohne Ausspülen drin.dpa/Christin Klose

Trockene Haut, fettige Haare, Pickel, juckende Kopfhaut: Viele Menschen leiden unter allerhand Haut- und Haarproblemen, für die es viele Spezialprodukte in Drogerien und Apotheken gibt. Aber auch vergleichsweise neue Pflegeprodukte wie feste Duschseifen erobern den Markt. Sind die gut? Für wen sind sie geeignet? Ist ein selbst gemachtes Peeling besser als ein gekauftes?

Der Dermatologe Dr. Max Tischler vom digitalen Arztportal onlinedoctor.de weiß Rat. Grundsätzlich sei es zunächst wichtig, herauszufinden, welcher Hauttyp man sei, sagt der Mediziner: „Es gibt drei verschiedene Hauttypen: trockene, fettige und normale beziehungsweise Mischhaut, bei der Stirn und Wangen eher fettig sind und glänzen.“

Je nachdem, welcher Hauttyp man ist, sollte man seine Pflege wählen. Das gilt auch für die Haare: „Der Haartyp hängt mit dem Hauttyp zusammen. Das heißt: Wer tendenziell trockene Haut hat, hat auch mit großer Wahrscheinlichkeit eine trockene Kopfhaut, und wer fettige Gesichtshaut hat, wird auch schneller fettige Ansätze an den Haaren feststellen“, erklärt Dr. Max Tischler.

Hilft Trockenshampoo bei fettigen Haaren?

In Beauty-Zeitschriften, in der Werbung und in den sozialen Medien werden Trockenshampoos als ultimative Lösung für fettige Ansätze beworben. Menschen mit fettigen Haaren waschen sich häufiger die Haare, damit diese gepflegt aussehen. „Eine Haarwäsche sorgt dafür, dass die Poren der Kopfhaut gereinigt werden. Die Poren produzieren zu viel Talg, der sich in die Haare setzt. Durch das Waschen mit einem Shampoo werden sie davon befreit.“

Ein Trockenshampoo hingegen besteht aus einer Kombination verschiedener Stoffe, die das Fett und den Talg binden. „Dadurch sehen die Haare wieder frischer und auch voluminöser aus“, sagt Dr. Max Tischler. „Jedoch setzt man auf die ohnehin schon verstopften Poren sozusagen noch eine weitere Schicht drauf.“ Deshalb rät der Hautarzt dazu, Trockenshampoo weder regelmäßig noch dauerhaft zu verwenden.

„Dadurch, dass die Poren nicht gereinigt, sondern durch das Trockenshampoo zusätzlich verschlossen werden, können sich darunter Bakterien vermehren“, so der Experte. „Das kann zu Juckreiz und Schuppen führen.“ Um mal einen „Bad Hair Day“ zu überbrücken oder wenn es schnell gehen muss, sei es aber in Ordnung, ein Trockenshampoo zu verwenden.

Diese sind in der Regel in Pulver- oder Puderform beziehungsweise als Aerosol aus der Sprühflasche erhältlich. „Diese Stäube sollte man nicht zu stark und vor allem nicht immer wieder einatmen, weil nicht ganz klar ist, wie sich das auswirkt. Vor allem Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten vorsichtig sein“, warnt Tischler und ergänzt: „Das Bundesamt für Risikobewertung hat die Gefahr prinzipiell als gering eingeschätzt.“

Auch die Zeitschrift Ökotest hat sich mit Trockenshampoos beschäftigt (Magazin Januar 2022) und zitiert einen Pneumologen, der Menschen mit Vorbelastung (COPD, Allergien, Asthma) von einem Gebrauch generell abrät. Überhaupt sei die Auswirkung von eingeatmeten Trockenshampoo-Stäuben nicht ausreichend erforscht, so Ökotest. Ansonsten seien die „allermeisten Trockenshampoos (…) in Ordnung, um damit ab und zu einen Schnellwaschgang einzuschieben“. An den Inhaltsstoffen gebe es „wenig zu meckern“.

Duschseife, feste Shampoos: So gut wie Flüssigprodukte?

Seit ein paar Jahren gibt es Dusch- und Haarwaschprodukte in fester Form. Sie sehen (mehr oder weniger) aus wie die altbekannte Seife und sind in Pappe verpackt, nicht in Plastikflaschen – aus ökologischer Sicht ein entscheidender Vorteil. Zudem nehmen feste Produkte beispielsweise auch auf Reisen oder in der Sporttasche weniger Platz weg, können nicht auslaufen.

Jedoch: „Herkömmliche Seifen wirken im Normalfall stärker austrocknend als flüssige Pflegeprodukte. Wird die Haut zu trocken, können Rötungen und Ekzeme entstehen“, sagt Tischler. „Daher eignen sie sich gut für Menschen, die zu fettiger Haut und fettigen Haaren neigen.“

In den festen Produkten seien aufgrund ihrer Beschaffenheit weniger Pflegestoffe enthalten im Vergleich zu den Emulsionen aus der Flasche, so der Dermatologe. Zugleich gibt es aber auch Duschseifen und feste Shampoos, die pflegend sein können. Hier muss man probieren, was individuell gut zu einem passt.

Bei trockener Haut sollte man auf Inhaltsstoffe wie Aloe Vera, Sheabutter, Avocado, Oliven- oder Mandelöl achten. Diese wirken rückfettend. Es gibt auch Seifen mit Schafsmilch, die ebenso pflegen und dem Austrocknen entgegenwirken. „Klassische Seifen entfetten die Hautschicht radikal“, warnt Tischler. „So verbleibt so gut wie nichts von der natürlichen Talgproduktion auf der Haut, und das ist ein Problem.“

Wer trockene Haut hat, dem rät der Hautarzt zu seifenfreien Reinigungsmitteln aus der Apotheke. In jedem Fall und unabhängig von der Duschpflege sollte man das Eincremen nicht vergessen. Darüber hinaus empfiehlt Dr. Max Tischler in puncto Hautreinigung: „Weniger ist mehr. Der Non-bathing-Trend ist für die Haut durchaus vorteilhaft. Man muss es ja nicht übertreiben.“

Heißt: Im Prinzip reicht es, den Körper etwa zweimal pro Woche zu duschen – oder eben einen Waschlappen zu benutzen. Im Gesicht, an Händen und Füßen sowie in den Achselhöhlen und im Intimbereich ist eine tägliche (gegebenenfalls sogar häufigere) Reinigung empfehlenswert. Die Katzenwäsche kannten ja schon unsere Großeltern.

Sind DIY-Peelings schädlich für die Haut?

„Peelings sind an sich erst einmal eine gute Sache für die Haut, weil die oberen Hautschuppen abgetragen werden, was gut für die Regeneration ist. So kann die Haut besser Schweiß und Talg abgeben, es kommt weniger schnell zu verstopften Poren“, fasst Tischler zusammen. „Das ist besonders bei fettiger und Mischhaut sinnvoll.“

Auch Menschen mit trockener Haut können ein Peeling verwenden, allerdings nur mit sanften Produkten und höchstens einmal pro Woche. Und danach gilt: Eincremen nicht vergessen! Alle anderen dürfen zwei- bis dreimal pro Woche peelen. Angebote hierzu gibt es mehr als genug in den Drogerien und Apotheken.

Im Sommer 2021 hat Ökotest fertige Peelings getestet. Von 24 Produkten schnitten sieben im Test nur mittelmäßig ab. Mikroplastik ist ein seit Jahren bekanntes Problem. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, sollte beim Kauf auf das Ökotest-Urteil „sehr gut“ achten. Es ist auf der Verpackung aufgedruckt.

Ökotest empfiehlt, sich mit Kaffeesatz einfach selbst ein Peeling zu Hause herzustellen. Das sei ökologischer. Und auch im Netz findet man entsprechende Empfehlungen oder Abwandlungen davon, etwa ein Peeling-Gemisch aus Zucker und Honig. „Bei empfindlichen Hauttypen oder Menschen, die zu allergischen Reaktionen neigen, rate ich zur Vorsicht“, sagt der Hautarzt. „Ein selbst gemachtes Peeling kann im Zweifel eher reizen oder hat allergisches Potenzial, wie zum Beispiel bei der Kamille.“

Honig hingegen ist bei fettiger Haut problematisch, weil er porenverschließend wirkt. „Für robustere Hauttypen sind Kaffee, Salz oder Zucker als Reibepartikel aber in Ordnung“, resümiert der Fachmann. „Falls Sie das erstmalig ausprobieren möchten, würde ich einen Vorab-Test empfehlen. Probieren Sie beispielsweise am Unterarm, ob Sie auf Ihr selbst gemachtes Peeling reagieren.“ Wenn die Haut nach 24 Stunden keine Reaktion zeigt, ist alles okay und Sie können Ihr DIY-Produkt anwenden. Andernfalls sollten Sie davon absehen.

Macht ein Haaröl die Haare wieder gesund?

Ganz klar: Wenn die Haare gebrochen sind, Spliss haben, kann kein Pflegeprodukt sie wieder „zusammenkleben“ und reparieren. Ein Haaröl kann jedoch das Haar mit Nährstoffen und Pflege versorgen – aber das leistet auch ein gutes Shampoo oder eine Spülung beziehungsweise Haarkur. „Außerdem kann ein Haaröl helfen, dass das Haar leichter kämmbar wird“, sagt Max Tischler.

Denn auch das kräftige Durchbürsten kann die Haarstruktur schädigen, das Haar brechen lassen. Insofern ist es sinnvoll, die Haare entweder mit einem Haaröl zwischendurch oder eben beim Waschen mit extra Pflege geschmeidiger zu machen. Es gibt auch Anti-Ziep-Sprays (für Kinder) zu kaufen, die das Durchkämmen spürbar erleichtern.

„Ein Haaröl kann helfen, das Haar vor Schäden zu bewahren“, weiß der Hautarzt. „Aber es lässt die Haare auch schnell fettig aussehen, weshalb man es nur tröpfchenweise und sehr sparsam anwenden sollte. Vielleicht auch eher an einem Tag, an dem man das Haus nicht mehr verlassen möchte.“

Wichtig: Verteilen Sie bei langem Haar zwei, drei Tropfen zunächst in den Handflächen und arbeiten Sie das Öl dann in die Längen beziehungsweise an den Spitzen ein. Geben Sie es nicht direkt auf die Kopfhaut, weil es dort die Poren verstopfen könnte.

Fazit

Moderne Haar- und Hautpflegeprodukte können sinnvoll und hilfreich sein. Dennoch sollte man bei jedem Gebrauch schauen, inwiefern man sie verträgt. Wenn Sie feststellen, dass Ihnen beispielsweise das selbst gemachte Kaffeesatz-Peeling guttut, ist das eine super Sache – und Sie sparen dabei viel Geld.

Falls Ihnen feste Shampoos und Duschseifen vom Handling her zusagen und Ihre Haut die Produkte verträgt: nur zu! Nachhaltiger als Emulsionen in Plastikverpackungen sind sie allemal. Trockenshampoos und Haaröle hingegen sollten eher sparsam eingesetzt werden, haben aber durchaus auch ihre Daseinsberechtigung. Für eine Zwischendurch-Anwendung sind sie beide geeignet, ersetzen jedoch keine echte pflegende Haarwäsche. Achten Sie stets darauf, welcher Haut- und Haartyp Sie sind, und wenden Sie die für Sie passenden Produkte an.