Videotheken in Berlin: Hier können Sie noch Filme auf DVD ausleihen

Ein aussterbendes Geschäft: Es gibt immer weniger Videotheken in Berlin. Übrig bleiben ganz besondere Perlen in den Kiezen. Wir stellen sie Ihnen vor. 

Hier gibt es sogar noch VHS-Kassetten: das Videodrom in Kreuzberg.
Hier gibt es sogar noch VHS-Kassetten: das Videodrom in Kreuzberg.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Man sieht es im Stadtbild, man liest und hört davon: Videotheken sterben aus. Laut den Erhebungen des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) gab es zuletzt noch 341 Videotheken in Deutschland, davon 22 in Berlin. Die Zahlen stammen aus 2019 und sind die aktuellsten, die die Verbandswebsite listet. 2008 gab es in Deutschland noch um die 3500 Videotheken.

„Das Stammgeschäft der Videothek ist und bleibt der Verleih von Filmen auf DVD oder Blu-ray. Dabei trägt die Blu-ray in 2019 durchschnittlich zu 31,4 Prozent des Verleih-Umsatzes bei“, schreibt der IVD auf seiner Website. Geld verdienen die Videotheken aber auch mit dem Verkauf von Getränken, Lebensmitteln, Knabbereien und Eis, ebenso mit Postern, Tabakwaren oder Zeitschriften.

„Etwa drei Viertel aller Videotheken führen Spiele für mindestens eine Konsolenform. Dabei ist die PS 4 die am häufigsten vertretene Konsolenart. PC-Spiele hat kein einziges Geschäft gemeldet“, so der IVD weiter. „Auch die Vermietung von Abspielgeräten bzw. Konsolen ist in vielen Videotheken Bestandteil des Angebotes: 30 Prozent der Geschäfte verleihen Spielekonsolen, zehn Prozent bieten DVD-Player an, und in 20 Prozent der Videotheken können Blu-ray-Abspielgeräte angemietet werden.“

Einzig: Zum Überleben reicht das kaum. Zu groß und zu verlockend sind die vielen Streamingportale, die ständige, anstrengungslose Verfügbarkeit nahezu aller Filme, Serien und Dokus. Ein paar Videotheken schaffen es jedoch, sich diesem Trend zu widersetzen. Sie sind wie kleine gallische Dörfer, die sich trotzig gegen die moderne TV-Übermacht stemmen. Wir möchten Ihnen ein paar davon vorstellen.


Friedrichshain: Filmkunst Cinethek

Angefangen hat alles 2005 gegenüber vom RAW-Gelände: Hier, an der Revaler Straße, eröffnete die Filmanlaufstelle im Hain. Schon damals war die Videothek eine Perle mit Wohlfühlatmosphäre: charmant-abgerocktes Interieur, guter Kaffee, karierte Tapeten und eine fantastische Filmauswahl.

Ihre Expertise haben sich die Jungs und Mädels hinter der Theke bis heute erhalten, dem coolen Look konnte auch der Umzug 2010 in die Gärtnerstraße nichts anhaben. Hinzu kamen jedoch zwei Kinosäle, in denen gefühlt rund um die Uhr die feinsten Filme laufen.

Der DVD-Verleih heißt mittlerweile schlicht Filmkunst und hat mehr als 16.000 Streifen im Angebot, auch ganz nischige und kuriose Werke – Filme, die man sonst kaum irgendwo findet. „Einige rare Filme, die wir haben, findet ihr auch im Internet nicht“, verspricht die Website. Aber natürlich gibt es auch die großen Blockbuster, die schönsten Kinderfilme und bekanntesten Serien.

Die Filmkunst-Videothek befindet sich unter einem Dach mit dem B-ware Ladenkino in der Gärtnerstraße 19 in 10245 Friedrichshain, in der Nähe vom Boxhagener Platz. Der DVD-Verleih hat täglich zwischen 11.30 Uhr und Mitternacht geöffnet, am Wochenende bis 1 Uhr. Die Anmeldung kostet einen Euro, bezahlt wird pro Film und Tag. Es gibt aber auch Monatsflatrates.


Mitte: Filmgalerie

„Mit 35-jähriger Tradition und über 28.000 Titeln auf DVD, VHS & Blu-ray im Verleih präsentieren wir hier eines der größten Filmarchive Deutschlands. Die vorliegende, täglich aktualisierte Datenbank, das Filmlexikon ‚VideoLEX‘ und ein Gang durch die Ausstellung vor Ort laden dazu ein, von der umfassenden Auswahl und cineastischen Kompetenz zu profitieren“, steht auf der Homepage. Dazu eine Liste aller möglichen Menschen mit Filmbezug, die heute vor soundso vielen Jahren geboren oder gestorben sind.

Die Website ist schlicht, hat es aber in sich: Mit einer ordentlichen Suchmaske kann man im Filmrepertoire nach bestimmten Titeln, Schauspielern oder Regisseurinnen suchen, ebenso kann man via Filter nach Vorschlägen stöbern, sortiert beispielsweise nach Genre, Land, Sprachen oder auch Awards.

Auf Google überbieten sich die Rezensierenden mit Lob, sodass die Videothek 4,8 von fünf möglichen Sternen bei insgesamt mehr als 60 Bewertungen hat. Freundlichkeit, Auswahl, Beratung, Kompetenz – alles top, kurzum: „Ein Juwel“, schreibt ein Harald.

Die Filmgalerie finden Sie in der Invalidenstraße 148 in 10115 Mitte, Straßenbahnhaltestelle Pappelplatz (Tram 12, M8). Der Verleih ist täglich von 15 bis 21 Uhr geöffnet, außerhalb der Öffnungszeiten gibt es für die Abgabe einen DVD-Einwurf.


Kreuzberg: Videodrom

Hier gibt es sogar noch VHS-Kassetten. Neben einer beeindrucken Auswahl an DVDs und Blu-rays bietet das Videodrom auch einen Online-Verleih, sodass man Filme streamen kann. Hierfür muss man volljährig sein und sich registrieren.

Das Videodrom hat sich auf Originaltitel spezialisiert, weshalb man hier viele Streifen in nicht synchronisierter Fassung findet, zumal solche, die es bislang nicht auf den deutschen Markt geschafft haben. Mit der Suchmaske auf der Homepage kann man ganz bequem nach bestimmten Filmen suchen. Hat man etwas entdeckt, das man gern kaufen möchte, versuchen die Macher, den Film zu besorgen.

Das Videodrom ist in der Friesenstraße 11 in 10965 Kreuzberg, das ist im Bergmannkiez und nur eine Fußminute von der Bushaltestelle Jüterboger Straße (Bus 248) entfernt. Geöffnet ist montags bis freitags von 15 bis 22 Uhr, sonnabends von 13 bis 23 Uhr sowie sonntags von 15 bis 22 Uhr. Der Verleih kostet in der Regel 3,60 Euro pro Tag und Film, Sonn- und Feiertage werden nicht extra berechnet. Tipp: Es gibt einen Mengenrabatt sowie Ausleihflatrates.


Mitte: Video Service

Gefühlt in Prenzlauer Berg, de facto jedoch in Mitte: Video Service ist nicht nur Videothek, sondern auch Späti und nachbarschaftliche Paketannahmestelle, absoluter Kiez-Kult mit vielen Stammkundinnen und -kunden, die nicht zuletzt das riesige Eissortiment und die Coolness des Chefs schätzen.

Hier kriegen Sie neben Tausenden Filmen und Serien, von brandneu bis kultig, eben auch Eis von allen Anbietern, in allen Größen und Formen. Man merkt einfach, dass der Inhaber Spaß an seinem Geschäft hat, dass er den Laden mit viel Engagement betreibt.

Video Service befindet sich in der Kastanienallee 67 in 10119 Mitte. Von der Straßenbahnhaltestelle Zionskirchplatz (Tram 12, M1) braucht man nur eine Minute zu Fuß. Pro Film zahlt man hier nur 1,50 Euro, man kann ihn bis zum Abend des nächsten Tages behalten. Geöffnet ist täglich von 11 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags bis 23 Uhr.


Marzahn/Hohenschönhausen: Video Inn

Auch die großen Ketten hatten und haben es nicht leicht. Doch zwei Filialen von Video Inn haben im Osten überlebt. Mitbewerber Video World hat im Sommer 2021 seinen letzten Laden geschlossen, einstmals hatte es 40 gegeben.

Bei Video Inn können Sie noch klassische Videothekenluft schnuppern, sich von all den Blockbustern, All-time Favourites und den neuesten Filmen begeistern lassen. Zudem bieten die Filialen ein großes Späti-Sortiment, das einen Videoabend schöner macht: Süßigkeiten, Chips, Eis, Popcorn. Und für den einen oder die andere auch ein bisschen Alkohol.

Die beiden Video Inns befinden sich in der Havemannstraße 12a (Havemanncenter) in 12689 Marzahn sowie in der Ribnitzer Straße 24 in 13051 Neu-Hohenschönhausen. Zum Havemanncenter brauchen Sie vom S-Bahnhof Ahrensfelde etwa sechs Minuten zu Fuß (S7, RB25, auch Bus 197, 390, 901), in die Hohenschönhausener Filiale kommen Sie in wenigen Schritten von der Straßenbahnhaltestelle Zingster Straße/Ribnitzer Straße (Tram M4, M5).

Der Verleih kostet pro DVD oder Blu-ray drei Euro, drei Filme kosten zehn Euro. Video Inn in Marzahn hat täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet, die Niederlassung in Hohenschönhausen bis 23 Uhr.