Es klingt verlockend, und jede Höhenflug-Meldung lässt einen nachdenken: Sollte man in Bitcoins investieren? Wie geht das überhaupt? Und ist das eine sichere Geldanlage? Das Arbeiten mit virtuellem Geld hat seine Tücken, aber es gibt eben auch viele Menschen, die damit reich geworden sind und sich deshalb im wahren Leben viel Luxus gönnen. Zur Wahrheit gehört aber auch: „Bitcoins sind eine extrem spekulative Geldanlage“, sagt Jochim Selzer, Diplommathematiker, IT-Spezialist und Mitglied beim Chaos Computer Club (CCC).

Wenn man über Kryptowährung spricht, muss man auch einmal über die Definition von Geld sprechen. Was ist das überhaupt? „Geld dient in erster Linie als Tausch- oder Zahlungsmittel“, schreibt die Bundesbank auf ihrer Website. „Mit Geld als Recheneinheit lässt sich der Wert der unterschiedlichen Waren und Dienstleistungen gut vergleichen, insbesondere wenn das Geld gut teilbar ist, zum Beispiel in Euro und Eurocent.“ Laut Duden ist Geld ein „in staatlichem Auftrag aus Metall geprägtes oder auf Papier gedrucktes Zahlungsmittel“.

Vor allem aber sei Geld, so Jochim Selzer, ein limitiertes Gut, das zudem nur an einem Ort existieren könne: Wenn ich einen Euro habe, kannst du ihn nicht gleichzeitig haben. Das klingt banal, ist aber vor allem in der virtuellen Welt wichtig, wo sich jedes Foto und jede Mail beliebig oft kopieren und weiterschicken lässt. Damit das mit dem Online-Geld nicht passiert, haben sich viele schlaue Menschen viele komplizierte Hürden und Verfahren ausgedacht, sodass man Bitcoins nicht einfach copypasten kann.

Ein Bitcoin ist kein Wert, den man anfassen kann, so wie es laut Definition eigentlich für Geld zutrifft. „Letztlich sind es nur Bits“, so Jochim Selzer. „Aber es gibt, genau wie beim realen Geld, eine stillschweigende Übereinkunft, bestimmte Kryptowährungen als wertvoll anzusehen und als vertrauenswürdiges Zahlungsmittel anzuerkennen.“ Damit das so bleibt und das Geld nicht einfach so und von jedem vervielfältigt werden kann, wurde die Blockchain entwickelt. „Diese funktioniert im Prinzip wie ein Kassenbuch, bei dem jede Seite eindeutig auf die vorherige verweist. Bei der Bitcoin-Blockchain ist jedoch das Besondere, dass jeder sie einsehen und zurückverfolgen kann. Sie ist sozusagen ein offenes Buch, bei dem unter anderem auch Transaktionen von jedem, der es möchte, überprüft werden können“, erklärt der Experte.

Wie funktioniert die Kryptowährung?

Bitcoins sind einen pseudonyme, aber keine anonyme Währung. Eine eindeutige Zuordnung von Person und virtuellem Bankkonto ist möglich, aber nicht öffentlich und auch nicht transparent. Wenn Sie Bitcoins oder auch nur Bruchteile davon erwerben wollen, kontaktieren Sie zunächst einen sogenannten Exchange-Dienst, wo Sie unter anderem Ihre Kreditkartendaten hinterlegen müssen oder den Gegenwert überweisen – Ihr virtuelles Konto ist so also mit Ihrem realen Geld verknüpft.

Danach können Sie sich eine Wallet erzeugen, also eine virtuelle Brieftasche. Diese erhält eine Kontonummer. Die Wallet können Sie von anderen verwalten lassen, ähnlich einem Aktienfonds, oder aber Sie machen das selbst. „Letztlich ist das eine einfach zu steuernde Software, bei der man die für Transaktionen benötigten Codes selbst erzeugt“, weiß Jochim Selzer. „Das Gute dabei ist: Ihr Computer ist nur der Rechenknecht. Wenn der kaputt ist, sind trotzdem alle Codes noch vorhanden und Sie können darauf zugreifen, sofern Sie Ihre Zugangsdaten noch im Kopf haben.“

Ebenso können Sie direkt ein Konto bei einer Handelsplattform einrichten. In diesem Fall sind die Bitcoins dort gespeichert; mit einer Wallet ist das Online-Geld über Ihren Rechner gesichert, weshalb Sie ihn gut schützen sollten, beispielsweise vor Hackern. Egal welchen Weg Sie wählen: Die Kontonummer ist Ihr Schlüssel. Und auch wenn er öffentlich einsehbar ist, weiß doch niemand, wozu der Schlüssel gehört. Das ist wie im wahren Leben: Wenn Sie einen Schlüssel finden, wissen Sie auch nicht, wozu er gehört und wofür er wichtig ist.

Sowohl zur Wallet als auch zum Plattform-Konto erhalten Sie einen Geheimcode, den Sie zum Signieren verwenden, ähnlich einer Pin oder einer Tan. Diese Geheimzahl nutzen Sie, um Ihre persönliche elektronische Unterschrift zu erzeugen. Indem Sie Ihre Geheimzahl verwenden, wird ein Zahlencode generiert, der wiederum – im Gegensatz zu Ihrer eingetippten Zahl – sichtbar ist und der zu Ihrer Kontonummer passt. Dieser neu generierte Code landet samt Kontonummer auf einer international einsehbaren Blockchain-Seite: Kontonummer 123 hat an Kontonummer 456 am heutigen Tage um 12 Uhr exakt zwei Bitcoins überwiesen. In der Blockchain tauchen keine Namen, keine Geheimzahlen auf.

Die Grundidee hinter dem Bitcoin ist quasi basisdemokratisch: Alle können mitmachen, die Währung wird von der Community verwaltet. Anders eben als beim gedruckten Geld, wo Banken und Staaten im Wesentlichen über die Hoheit über das Geld haben. Als der Bitcoin vor rund zwölf Jahren aktiviert wurde, musste man 100 Online-Taler in die Hand nehmen, um sich eine Cola kaufen zu können. Heute hingegen hat ein Bitcoin einen Gegenwert von mehr als 20.000 Euro. Natürlich schwankt der Wert, teils sogar dramatisch und erratisch, aber die Tendenz ist seit Jahren stark steigend.

Die Erfinder des Bitcoins haben auch – mehr oder weniger willkürlich – festgelegt, dass es nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben wird, in der Hoffnung, dass eine limitierte Geldmenge einer Inflation entgegenwirkt. Es sind derzeit aber längst nicht alle im Umlauf, weil die Macher weiterhin entschieden haben, dass die Zahl auszugebender Bitcoins alle vier Jahre halbiert wird. Der Grund besteht darin, einen langsamen Übergang vom Bitcoin-Mining, welches Geld aus dem Nichts erzeugt (siehe unten), hin zu einem transaktionsgebührbasierten System zu schaffen, in dem die sogenannten Miner sich dafür bezahlen lassen, dass sie eine Überweisung überhaupt ins Kassenbuch aufnehmen.

Mit Bitcoins reich werden? Das Mining ist nicht für jeden geeignet

Wer mit Bitcoins richtig zu Geld kommen will, muss eine hohe Rechnerkapazität haben und nicht zu wenig Zeit. Das Ding ist nämlich, dass die Blockchains überwacht und gepflegt werden müssen – genau wie beim Kassenbuch, wo am Ende der Seite Bilanz gezogen wird. Diejenigen, die das online machen, nennt man Miner. Sie gehen also dem ‚Mining‘ nach, dem Schürfen: Sie schürfen Bitcoins. Manche machen das nebenher als Hobby, andere hauptberuflich. Es ist ihre Aufgabe, die Transaktionen zu buchen, zu prüfen, ob die Auftrag gebende Kontonummer tatsächlich über genügend Bitcoins verfügt und anschließend eine künstlich komplexe Rechenaufgabe zu lösen, deren Schwierigkeitsgrad im Lauf der Zeit weiter steigt. Verknüpfungen müssen angelegt und Datensätze gecheckt werden und alles muss dokumentiert werden.

Diese Seiten stehen sozusagen jedem zur Verfügung, der Zeit, Lust und Power hat, die Rechnerei anzugehen. Am Ende einer jeden virtuellen Kassenbuchseite gibt es den letzten Eintrag namens „Proof of work“. Das bedeutet, dass die Person, die alles nachgerechnet hat, einen Lohn dafür erhält. Der Betrag wurde im Vorfeld in der Community verabredet, weshalb dann also dort sinngemäß so etwas steht wie: „Für meine Arbeit schreibe ich mir folgen Bitcoin-Betrag gut.“ Oftmals arbeiten mehrere Miner gleichzeitig an einer Seite, und wer zuerst fertig ist, bekommt das Geld, alle anderen gehen leer aus. Die zu bearbeitende Rechenaufgabe ist dabei so aufwendig gestaltet, dass die gesamte im Bitcoin-System verfügbare Rechenleistung gerade einmal ausreicht, um alle zehn Minuten eine Lösung zu finden.

Mittlerweile kann man das Blockchain-Mining nicht mehr mit der heimischen Rechnerkapazität bewältigen. „Das schafft ein normaler Computer nicht, man bräuchte mindestens eine gute Grafikkarte, eher einen ganzen Stapel davon“, weiß Jochim Selzer. Und das frisst Energie: „Mit den Anforderungen an die Technik steigt auch der Energieverbrauch. Die Bundes­bank wies schon vor Jahren in einem Interview mit dem Handels­blatt auf Berechnungen hin, nach denen eine einzige Bitcoin-Trans­aktion dem monatlichen Strom­verbrauch eines Einfamilien­haus­halts in Deutsch­land entspricht. Umwelt­freundlich ist anders“, fasst Stiftung Warentest zusammen.

Fazit: „Wer als normaler Durchschnittsverbraucher Bitcoins als Wertanlage kauft, kann das guten Gewissens tun, sollte im Zweifel aber einen langen Atem haben. Man muss den Kurs im Blick haben wie bei Aktien und den richtigen Zeitpunkt vom Kaufen und Verkaufen abpassen“, sagt IT-Experte Jochim Selzer. „Das Mining ist allerdings nicht für jeden geeignet, weil es wirklich viele Ressourcen bindet. Da muss man sich schon sehr gut in der Materie auskennen, um davon leben zu können.“