Ob Gemüse, Obst oder Wurst: Am besten schmeckt’s doch immer, wenn man weiß, wo die leckeren Dinge herkommen. Das sehen immer mehr Stadtbewohner so, die eine Abwechslung zur Ware in Supermärkten oder Discountern suchen. Davon profitieren viele Landwirte in Brandenburg , die in ihren Hofläden selbst produzierte, frische Produkte verkaufen. Mehrere Hundert dieser modernen Tante- Emma-Läden gibt es in ganz Brandenburg.

Ein Paradebeispiel ist das Haus Lichtenhain im Boitzenburger Land. Dessen Geschichte begann vor 13 Jahren. Es war an einem Herbsttag, als Daisy Gräfin von Arnim mit ihrem Auto den kleinen Feldweg hinter ihrem
Haus entlangfuhr. Dabei konnte die 52-Jährige nicht allen Äpfeln ausweichen, die dort unbeachtet auf dem Weg lagen. Das ist in dieser Gegend nichts Ungewöhnliches, für sie allerdings war das ein äußerst einschneidendes Ereignis. „Plötzlich lag mir meine Geschäftsidee zu Füßen“, erinnert sie sich.

Lange genug hatte Daisy von Arnim zuvor vergeblich nach der zündenden Idee gesucht, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Mann fünf Jahre nach der Wende aus der Nähe von Oldenburg nach Brandenburg gekommen
war, um das enteignete Gutshaus der Familie von Arnim in Lichtenhain zurückzukaufen und wieder aufzupäppeln. Aber der Plan, sich dort selbstständig zu machen, gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Mit dem Apfel-Geschäft ging es ganz gemächlich los. Daisy von Arnim sammelte Äpfel ein und experimentierte. Sie kaufte sich kleine Maschinen für die Hobbymosterei. Weil sie nicht wirklich Ahnung von dem Handwerk hatte, saß sie tage- und nächtelang in ihrer Werkstatt und tüftelte an der richtigen Herstellungsweise, um aus Sorten wie Goldparmäne und Undine ein leckeres Getränk zu machen, das sich verkaufen lässt. Eine Gräfin, die nachts in der Werkstatt brütet, das sprach sich im Dorf schnell herum, der Begriff der Apfelgräfin war geboren. Immer mehr Leute kamen vorbei und fragten nach Arbeit. Der Saft erreichte dann bald ein hohes Maß an Perfektion. Im November, als das Mosten vorbei war, waren viele von ihren vor allem weiblichen Helfern wieder zum Nichtstun verdammt. Von Arnim sagt: „Die Uckermark ist landschaftlich ein
KussGottes, aber leider gibt es viel zuwenig Arbeit hier.“ Gerne wollte sie einen Beitrag leisten, damit es mit der strukturschwachen Region wieder aufwärtsgeht. Sie gründete ein kleines Unternehmen. Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen tüftelte sie eine ganze Reihe an leckeren Produkten aus, die man aus Äpfeln herstellen kann: Kekse, Liköre und natürlich der Verkaufsschlager nicht zu vergessen: Apfel-Caramel, ein leckerer Brotaufstrich. Dieses Produkt hat es auch schon zu höheren Weihen auf der GrünenWoche gebracht. Heute umfasst das Sortiment 25 unterschiedliche Köstlichkeiten.

Kaum noch Zeit für den Markt

Die Qualität der Ware aus dem Boitzenburger Land sprach sich schnell herum.Vor allem auf Berliner Märkten gingen die Produkte rasant weg, insbesondere der Saft. „Wenn wir Berlin nicht hätten, wäre es deutlich schwerer. Eine Großstadt im Umfeld hilft enorm“, sagt die Apfelgräfin. Dass sie inzwischen kaum noch Zeit hat, selbst auf dem Markt zu stehen, ist ein Wermutstropfen. „Ich bin vonganzem Herzen Marktfrau, aber es
geht einfach nicht mehr so oft.“

Um die immer größere Nachfrage zu befriedigen, hat eine mobile Mosterei das anfängliche Gerät ersetzt. Das Apfelimperium hat sich schnell professionalisiert. Der blühende Onlinehandel ist ein Beispiel dafür. Eine der zehn Mitarbeiterinnen ist inzwischen ausschließlich damit beschäftigt, die vielen Bestellungen sachgerecht zu verpacken.

Daisy von Arnim ist heilfroh, dass sie sich um diese Dinge nicht so intensiv kümmern muss. So bleibt wenigstens noch ein bisschen Zeit, über neue Kreationen nachzudenken und sich um den Hofladen und das neu eröffnete Apfelcafé zu kümmern. Beide haben montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.„Wir wollen unseren Gästen einen Ort bieten, wo sie die Ruhe und das Leben auf dem Land genießen können.“

Die Heimat der Apfelgräfin lässt sich von Berlin aus am besten mit der DB-Regionalbahn 12 erreichen, die zwischen Lichtenberg und Bahnhof Templin Stadt verkehrt. Von dort geht es weiter mit dem Bus 519 bis zur Haltestelle Lichtenhain, Boitzenburger Land.

Viele Produkte der Apfelgräfin finden sich auch im Uckermärker Picknickkorb, der den Tourismuspreis 2013 gewonnen hat.
Infos www.picknicken.eu; www.landlust-ausleben.de