Forscher vom Hahn-Meitner-Institut in Berlin erweitern das bisherige Verständnis über das Verhalten von Elektronen bei chemischen Reaktionen. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" berichten die Physiko-Chemiker Helmut Tributsch und Ludwig Pohlmann, daß sich Elektronen bei bestimmten chemischen Prozessen gegenseitig "helfen", Energiebarrieren zu überwinden. Seit längerem weiß man, daß Elektronen sich ähnlich verhalten, wenn in Transistoren Strom fließt. Elektronen sind negativ geladene Teilchen. Reagieren Stoffe miteinander, kommt es zu sogenannten Elektronenübergängen, bei denen die negativ geladenen Teilchen die Positionen wechseln: Sie setzen sich über eine Energiebarriere hinweg und erreichen dadurch ein anderes Energieniveau. Bislang war man davon ausgegangen, daß jedes Elektron eine solche Barriere "alleine" überwinden muß. Wie die Berliner Forscher nun jedoch festgestellt haben, besitzen Elektronen in bestimmten Molekülen die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Die neuen Erkenntnisse könnten zum besseren Verständnis wichtiger Vorgänge in der Natur beitragen, etwa der Photosynthese oder dem Rosten von Metallen. Auch bei Katalysatoren das sind Substanzen, die den Ablauf chemischer Reaktionen beschleunigen spielen Elektronenübergänge eine wichtige Rolle. Die Arbeiten der Berliner Wissenschaftler könnten daher zur Entwicklung besserer Katalysatoren führen etwa für die Brennstoffzelle, bei der Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser reagieren. Bei dieser Reaktion wird elektrische Energie erzeugt. (ptr.)