Ursprünglich wollte der Regisseur José Padilha einen Dokumentarfilm über die Spezialeinheit BOPE drehen, aber die Angehörigen dieser Anti-Drogenpolizei haben das verhindert. Also ist "Tropa de Elite" Padilhas erster Spielfilm geworden. Er fußt auf drei Jahren Recherche. Erzählt wird die Geschichte des Elitepolizisten Nascimento. Als Mitglied von BOPE kämpft er gegen den Drogenhandel in Rio de Janeiro. Diese Polizisten stürmen die Favelas und schießen meist, bevor sie Fragen stellen. Das Foltern von Verdächtigen und Zeugen gehört zum Alltag, die Gefahr auch. Nun wird Nascimento Vater und will seinen Beruf an den Nagel hängen. Parallel dazu beobachtet der Film zwei normale Polizisten, Matias und Neto. Mit ihrer Hilfe dringt "Tropa de Elite" tief in das System aus Drogenhandel und Korruption ein.Das Schwindelerregendste an diesem Film ist nicht die Härte, mit der die Spezialeinheit durchgreift, sondern die schlichte, wasserdichte Logik, nach der dieses System funktioniert. Die Drogenhändler haben Sturmgewehre, die jedes Autoblech durchschlagen. Die Polizisten haben Familien und wenig Neigung erschossen zu werden. Also begnügen sie sich mit Schmiergeldern. Das Korruptionssystem nimmt dann groteske Züge an, wenn etwa ein Abschleppunternehmer einen Polizisten dafür besticht, Falschparker aufzuschreiben, aber der Inhaber des Geschäfts, vor dem aufgeschrieben wird, wiederum einen anderen Polizisten besticht, die Autos seiner dort parkenden Kunden nicht aufzuschreiben.Der Nachwuchspolizist Matias, der außerdem Jura studiert, gerät über seine Kommilitonen in die gute brasilianische Gesellschaft, in der selbstverständlich Drogen konsumiert werden. Damit steht er vor dem Problem, dass er seine Freunde festnehmen müsste - aber sie, beglückt und bestochen von der Freundschaft, gewähren lässt. Über dieses System von Korruption wird BOPE als Orden der moralischen Aufrichtigkeit und Unbarmherzigkeit installiert. Der Film hängt die Darstellung an jenem Papstbesuch 1997 auf, bei dem Johannes Paul II. unbedingt in der Nähe einer Favela übernachten wollte, BOPE wird ausgesandt, die Gegend zu säubern.In Brasilien ist "Tropa de Elite" kontrovers diskutiert worden. Es gab Publikum, das die Bilder von den Säuberungsaktionen mit enthusiastischem Applaus begrüßte, Nascimento ist in Brasilien bereits eine Symbolfigur. Andere Stimmen werfen dem Film deswegen faschistoide Züge vor, er zeige die Polizeieinheit zu unkritisch - eine gewisse Faszination geht von deren Härte und Sauberkeit in der Tat aus. Die BOPE selbst wollte den Film vergeblich verbieten lassen und bestreitet die gezeigte Folterpraxis. Padilha betont, dass diese Einheit mittlerweile genau so korrupt sei wie der Rest der brasilianischen Polizei. Verständlich, dass die Perspektive der Betroffenen sich in dieser Weise einschränkt. Der Film balanciert meisterlich zwischen Erzählung und (Pseudo-)Dokumentation, ist spannend und originell erzählt und macht es dabei niemandem recht - damit hält er sich von ideologischen Standpunkten fern und bewegt sich nahe an der Wirklichkeit.Tropa de Elite12. 2.: 9.30 Uhr + 23.30 Uhr, Urania + 20 Uhr, International.------------------------------Foto: Meist schießen die Elite-Polizisten, bevor sie Fragen stellen.