Das Thüringer Innenministerium hat einen Bericht der Berliner Zeitung bestätigt, wonach ein wichtiges Beweismittel aus den NSU-Ermittlungen nicht mehr existiert. Eine zweiseitige Telefonliste mit Verbindungsleuten von Uwe Böhnhardt ist demnach 2005 mit anderen Asservaten vernichtet worden. Ob die Liste zuvor Ermittlern vorgelegt worden war, lässt sich einem Ministeriumssprecher zufolge nicht mehr nachvollziehen.

Die Berliner Zeitung hatte am Donnerstag über weitere Fahndungsfehler der Thüringer Behörden bei der Suche nach den 1998 untergetauchten Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt berichtet. In diesem Zusammenhang waren Polizeibeamte mit der Vermutung zitiert worden, das Trio habe in der ersten Zeit nach seiner Flucht „staatliche Unterstützung“ genossen.

Wichtige Informationen vorenthalten

Die Beamten bemängelten insbesondere, dass ihnen unter anderem vom Verfassungsschutz wichtige Informationen vorenthalten worden seien. Das habe auch auf ein Dokument zugetroffen, das kurz nach der Flucht des Trios in Böhnhardts Wohnung sichergestellt werden konnte. Laut dem Beschlagnahmeprotokoll handelt es sich dabei um ein „Telefonnummernverzeichnis relevanter Personen“. Obwohl sich auf dieser Liste möglicherweise Kontaktleute und Fluchthelfer des Trios befanden, hatten die Ermittler, die nach dem Trio fahndeten, das Papier nach eigenen Aussagen nie zu Gesicht bekommen.

Das Thüringer Innenministerium übermittelte jetzt dem NSU-Untersuchungsausschuss des Erfurter Landtages eine Stellungnahme des Landeskriminalamtes. Demnach sei die Telefonliste mit anderen Asservaten aus der damaligen Durchsuchung im November 1999 der Staatsanwaltschaft in Gera übergeben worden. Dort sei sie dann im August 2005 vernichtet worden.

Bombenwerkstatt in Garage

Dem Bericht des LKA zufolge waren der Geraer Staatsanwaltschaft im November 1999 außer der Telefonliste noch weitere 159 Asservate übergeben worden. Die Gegenstände und Unterlagen waren in den Wohnungen der drei flüchtigen Neonazis sowie in der Garage, die vom Trio als Bombenwerkstatt genutzt wurde, beschlagnahmt worden. Von diesen 160 Asservaten ist heute jedoch nur noch jedes Dritte vorhanden – laut LKA vernichtete die Staatsanwaltschaft am 15. August 2005 insgesamt 108 Asservate aus den Durchsuchungen. Über die Gründe dafür gibt der Bericht keine Auskunft.