Die Landesverbände der eurokritischen Alternative für Deutschland debattieren, ob sie eine Unterwanderung ihrer Partei durch Rechtspopulisten unterbinden müssen. „Es lässt sich leider nicht leugnen, dass sich in mehreren Ländern systematisch rechte Gruppen formieren, die auf Inhalte und Image unserer Partei Einfluss nehmen wollen“, sagte der Hamburger AfD-Sprecher Jörn Kruse dem Spiegel. Im Verhältnis zu 16.000 AfD-Mitgliedern sei die Zahl rechter Agitatoren zwar sehr klein, diese seien dafür aber „gut vernetzt und sehr aktiv“. „Wenn wir nicht handeln“, warnt Kruse, „könnten diese Leute unbehelligt Unterstützer für die Parteitage nach der Wahl sammeln.“

Tatsächlich bestätigte sogar der Bundeschef der rechtspopulistischen und islamfeindlichen Splitterpartei, der Berliner Ex-CDU-Politiker René Stadtkewitz, die Abwanderung zur AfD. Von den 2600 Mitgliedern der „Freiheit“ seien bereits 350 Mitglieder zur Alternative für Deutschland gewechselt. Dort besetzen sie Posten in mehreren Landesvorständen und kandidieren auf Landeslisten.

Die „Freiheit“ wird von mehreren Verfassungsschutzämtern der Länder beobachtet, in Bayern ist die Splitterpartei als verfassungsfeindlich eingestuft und im Verfassungsschutzbericht erwähnt. Gleiches gilt für das rassistische Weblog Politically Incorrect, zu dessen Köpfen der Bayern-Chef der „Freiheit“, Michael Stürzenberger, zählt. Das Blog berichtet seit Parteigründung euphorisch über die „Alternative für Deutschland“ – der Zustrom aus dem Milieu war also absehbar.

In Baden-Württemberg hat die Alternative für Deutschland deshalb bereits reagiert und die Notbremse gezogen: Als erster Landesverband der AfD hatten die Schwaben beschlossen, keine Überläufer der „Freiheit“ mehr aufzunehmen. Landeschefin Elke Fein fordert, die AfD müsse sich in der Öffentlichkeit stärker von rechtsextremen Gruppen abgrenzen. „Die allermeisten AfD-Mitglieder haben keine rechten Positionen. Wir sind eine Partei der Mitte.“ Dies müsse die AfD stärker kommunizieren, ehe die Radikalen seriöse Wähler abschreckten, sagte Fein dem Spiegel.

Bernd Lucke, der Bundeschef der AfD, die sich in Umfragen zuletzt auf vier Prozent verdoppelt hatte, bestreitet ein Problem. „Extremisten jeder Art haben bei uns keine Chance“, sagte er. „Wir werden nicht von rechts unterwandert.“ Einen Aufnahmestopp für Freiheit-Mitglieder lehnte er mit der Begründung ab, dass die Überläufer zur AfD aus dem gemäßigten Teil der Partei stammten.

Auch von weiteren fragwürdigen Anhängern seiner Partei distanzierte sich Lucke am Wochenende. Nachdem Unbekannte den AfD-Vorsitzenden bei einem Wahlkampfauftritt in Bremen angegriffen hatten, richteten anonyme Autoren ein Weblog ein, das „Gewalt gegen die AfD“ dokumentieren soll. Es enthält aber auch einen Pranger, der Politiker und Journalisten mit Namen und Foto auflistet, die sich kritisch über die AfD geäußert haben und damit „Gewalt gegen die AfD begünstigt“ hätten, heißt es. Die Parteispitze distanziert sich nun in einer Presseerklärung von dem Projekt. „Gegner zu diffamieren oder gar öffentlich an den Pranger zu stellen“, gehöre nicht zum Vorgehen der AfD.