Paris - Marine Le Pen wird nicht einlenken. Aus der Reibung mit Volksparteien und Institutionen bezieht die Französin ihre politische Kraft. Äußerst erfolgreich empfiehlt sie sich als Anwältin des sogenannten kleinen Mannes, der sich in der Krise von Frankreichs regierenden Sozialisten und rechtsbürgerlicher Opposition sowie auch der EU im Stich gelassen fühlt. Die Europaparlamentarier haben nun der Kollegin die Immunität entzogen. Nun muss sich die Vorsitzende der Nationalen Front (FN) voraussichtlich vor Gericht wegen muslimfeindlicher Aussagen verantworten.

Das Votum des EU-Parlaments zeuge „von der schreckliche Angst einer Kaste vor einer Politikerin, die den Mut hat, den Bürgern die Wahrheit zu sagen“, reagierte Le Pen. Ihre Wahlerfolge ließen die „Machthaber zittern,“ ließ sie in einem Kommu- niqué verbreiten.

Am Tag zuvor hatte sie noch einmal bekräftigt, was die Staatsanwaltschaft von Lyon als „Anstiftung zum Rassenhass“ bezeichnet: auf der Straße betende Muslime in Frankreich erinnerten an die Zeit der Besatzung.

Die FN-Chefin strotzt zurzeit vor Selbstbewusstsein. Die Arbeitslosigkeit steigt, Frankreichs Staatschef Francois Hollande fällt in der Gunst der Bevölkerung. Le Pen aber kann spektakuläre Umfrage- und Nachwahlerfolge verzeichnen. Bei Präsidentschaftswahlen dürfte sie laut Erhebung des Instituts Ifop mit mehr als 20 Prozent der Stimmen rechnen. Bei einer Nachwahl im Departement Lot-et-Garonne, kam der Kandidat des Front National in der Stichwahl Ende Juni auf 46 Prozent.

Zuversichtlich stimmt die 44-jährige Juristin auch, dass die gegen ihren Vater und Parteigründer geschmiedete „republikanische Front“ Risse zeigt. Bei Kommunalwahlen sind Gespräche über Wahlbündnisse mit dem FN kein Tabu mehr. Ihre Krisenrezepte – Euro-Ausstieg und Errichtung von Zollschranken an den Grenzen – würden zwar das Land in den Ruin stürzen würden. Aber das wird offenbar nicht zur Kenntnis genommen.