COTTBUS, GUBEN, 14. Februar. Mit Entsetzen und Trauer haben Brandenburgs Regierung und die Bevölkerung Gubens auf den Tod eines 28jährigen algerischen Asylbewerbers reagiert, der am Sonnabend nach einer Hetzjagd durch ausländerfeindliche Jugendliche in Guben ums Leben gekommen war. Das Amtsgericht der Stadt erließ am Sonntag Haftbefehl gegen zwei Jugendliche aus Guben. Die Staatsanwaltschaft wirft den 17jährigen fahrlässige Tötung, Landfriedensbruch, Nötigung, Beleidigung und Körperverletzung vor. Sie werden in das Jugendheim Frostenwalde bei Schwedt eingeliefert. Gegen drei weitere am Sonnabend festgenommene 18jährige habe sich der dringende Tatverdacht nicht bestätigt, teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Das Gericht lehnte deshalb die Haftanträge ab. Dagegen werden zwei weitere junge Männer aus Brandenburg, die tatverdächtig sind, von der Polizei noch gesucht.Den Ermittlungen zufolge wurden der Algerier sowie zwei weitere Ausländer Opfer eines "Rachefeldzugs" von etwa 15 der rechten Szene angehörigen Jugendlichen. Diese hatten sich zusammengerottet, nachdem es einen Streit mit Ausländern vor einer Diskothek gegeben hatte, bei der ein Jugendlicher aus Guben Schürfwunden erlitt.Die Deutschen machten sich auf die Suche nach einem daran beteiligten Ausländer und trafen an einer Tankstelle auf zwei Algerier und einen Mann aus Sierra Leone, die aus dem Asylbewerberheim Sembten bei Guben stammten. Auf diese wurde eine Treibjagd veranstaltet. Ein Algerier flüchtete vor seinen Verfolgern in panischer Angst in einen Hauseingang und trat dazu eine Scheibe ein. Dabei verletzte er sich eine Schlagader am Knie so schwer, daß er kurz darauf verblutete. Der zweite algerische Asylbewerber wurde von den Verfolgern, die für ihre Jagd Autos und Handys benutzten, verprügelt und am Auge verletzt. Die fünf zunächst festgenommenen Deutschen sind der Polizei durch Gewalt- und Propagandadelikte bekannt.Stolpe: "Ein schrecklicher Tag"Am Tatort in Guben versammelten sich am Sonntag nachmittag etwa 500 Menschen und brachten ihre Betroffenheit zum Ausdruck. Teilnehmer der Mahnwache legten Blumen vor dem Haus nieder und stellten Kerzen auf. Etwa 100 Autonome und Mitglieder linker Gruppen zogen am Nachmittag durch Guben, um gegen den "neonazistischen Mord" zu protestieren. "Es ist ein schrecklicher Tag für Guben, Brandenburg und Deutschland", sagte Ministerpräsident Manfred Stolpe. Das ganze Land sei entsetzt über die "ungeheuerliche Schrekkenstat". Justizminister Hans Otto Bräutigam sagte, der Vorfall sei nach den jüngsten Erfolgen bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus ein "schwerer Rückschlag". Gubens Bürgermeister Gottfried Hain sagte, er sei "erschüttert", daß junge Gubener einen Ausländer "in den Tod getrieben" hätten.Grüne und PDS verlangten den sofortigen Stopp der Unionskampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Die Aktion sei eine "unerträgliche Stimmungsmache" gegen Ausländer. Der evangelische Bischof in Berlin-Brandenburg, Huber, mahnte: "Wir können nicht aufhören, uns gegen nationalistisches Denken, blanken Rassismus und Gewalt zu stemmen, bis Ausländer in unserer Mitte nicht mehr um Leib und Leben fürchten müssen." (Analyse Seite 4, Seite 28)