Berlin - Am Sonntag, das sollte inzwischen jeder mitbekommen haben, ist Bundestagswahl. Die Stadt hängt voller Plakate, in den Briefkästen landeten Wahl-Benachrichtigungen und Kandidatenprospekte, und auch in den Medien war das Thema kaum zu übersehen. Die Bürger konnten Wahlprogramme studieren, an Infoständen Kandidaten kennenlernen und mit Freunden darüber streiten, welche Partei die beste ist. Jetzt müssen Sie nur noch eines tun: sich ein halbes Stündchen Zeit nehmen, ins Wahllokal gehen und zwei Kreuze machen. Eigentlich ganz einfach. Dennoch können noch ganz praktische Fragen auftauchen. Die wichtigsten beantworten wir hier:

Was ist, wenn ich meine Briefwahl-Unterlagen nicht abgeschickt habe?

Wählen dürfen alle deutschen Staatsbürger, die mindestens 18 Jahre alt sind. In Berlin sind diesmal gut 2,5 Millionen Menschen wahlberechtigt, mehr als ein Fünftel von ihnen haben Briefwahl beantragt. Wenn Sie den Brief bislang nicht abgeschickt und auch nicht in einer der Briefwahlstellen der Bezirksämter gewählt haben, ist es nicht zu spät – vorausgesetzt, Sie sind in der Stadt. Sie können am Sonntag in Ihr Wahllokal gehen, geöffnet ist von 8 bis 18 Uhr. Die Adressen der Wahllokale stehen im Internet unter: www.wahlen-berlin.de. Die Wahlleiterin hat auch ein Beratungstelefon eingerichtet. Sonnabend ist es von 8 bis 14 Uhr, Sonntag von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Die Nummer lautet 90212000.

Was mache ich, wenn ich meine Wahlbenachrichtigung nicht mehr finde?

Jeder Wahlberechtigte müsste in den letzten Wochen seine Wahlbenachrichtigung erhalten haben. Dort steht zum Beispiel drauf, wo sich das zuständige Wahllokal befindet und ob dieses auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Wenn Sie die Benachrichtigung verschusselt haben, müssen Sie keinen Schreck bekommen. Im Wahllokal brauchen Sie diesen Brief nicht. Um den Stimmzettel zu erhalten, müssen Sie nur Ihren Personalausweis vorzeigen – oder einen anderen amtlichen und mit einem Lichtbild versehen Ausweis. Wenn Sie keine Wahl-Benachrichtigung erhalten haben, aber denken, dass Sie wahlberechtigt sind, hätte Sie die Möglichkeit gehabt, Einspruch zu erheben. Die Frist dafür ist aber abgelaufen. Sie können aber immer noch ins Wahllokal gehen und dort klären lassen, ob ein Fehler vorliegt. Die Wahlhelfer prüfen dann das Wählerverzeichnis. Klar ist: Nur wessen Name in diesem amtlichen Dokument auftaucht, ist wahlberechtigt.

Darf mir jemand beim Wählen helfen?

Menschen, die zu krank sind, um selber zu wählen, oder eine schwere Behinderung haben, können eine Vertrauensperson bestimmen. Diese Person darf auch mit in die Wahlkabine gehen. Wer nicht selbstständig seine Kreuze setzen kann, kann auch die Wahlhelfer um Unterstützung bitten. Ansonsten gilt: Niemand darf Ihnen bei der Stimmabgabe zuschauen oder sagen, wo Sie Ihre Kreuze machen sollen. Die Bundestagswahl ist geheim. Die eigenen Kinder dürfen im Prinzip auch nicht mit in die Kabine. Bei den Jüngsten, die noch nicht lesen und schreiben können, wird aber gerne eine Ausnahme gemacht.

Darf ich den Wahlzettel mit nach Hause nehmen und dort wählen?

Daheim am Kaffeetisch wählen ist nur bei der Briefwahl möglich. Am Sonntag ist man verpflichtet, in die Wahlkabine zu gehen. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Man darf auch nicht im Wahllokal verraten, wen man gewählt hat.

Was passiert, wenn ich mit dem Stimmzettel nicht klarkomme?

Sie haben zwei Stimmen, die eine für den Direktkandidaten Ihres Wahlkreises, die andere für eine Partei. Im Prinzip ist der Stimmzettel übersichtlich gestaltet. Die „Erst-Stimme“ geben Sie mit einem Kreuz auf der linken Seite des Zettels ab, in dieser Spalte ist die Schrift schwarz. Die Namen der Kandidaten sind nach der Stärke der Partei sortiert, und zwar nach dem Ergebnis bei der letzten Bundestagswahl. Ganz oben steht der Kandidat oder die Kandidatin jener Partei, die vor vier Jahren in ganz Berlin die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte. Wer in Ihrem Wahlbezirk die meisten Erst-Stimmen bekommt, ist direkt in den Bundestag gewählt. In der blauen Spalte rechts geben Sie Ihre „Zweit-Stimme“ ab. Je mehr Stimmen eine Partei bekommt, desto mehr Abgeordnete hat sie im Bundestag. Unter dem Namen jeder Partei stehen noch einige Namen ihrer Kandidaten in Berlin. Wichtig ist: Sie dürfen nur ein Kreuz in der linken und ein Kreuz in der rechten Spalte machen. Mehr nicht. Sonst ist der Stimmzettel ungültig.

Müssen zwingend beide Stimmen abgegeben werden?

Nein, dazu besteht keine Pflicht. Ist auf einem Stimmzettel nur ein Kreuz gemacht worden, wird nur diese Stimme gezählt. Ungültig wird der Stimmzettel dadurch nicht.

Soll ich meinen Stimmzettel unterschreiben?

Auf keinen Fall! Die Wahl soll ja geheim bleiben. Wer es dennoch tut, macht seinen Wahlzettel ungültig.

Was geschieht, wenn ich mein Kreuz aus Versehen an der falschen Stelle mache?

Sie müssen den falsch beschrifteten Wahlzettel falten und dem Wahlvorstand übergeben. Sie bekommen anschließend einen neuen Wahlzettel und können es noch einmal versuchen. Nach der Wahl werfen Sie den gefalteten Zettel in die Wahlurne.

Darf ich beim Auszählen dabei sein?

Nach Abschluss der Wahlzeit um 18 Uhr werden in den 1 709 Wahllokalen und den 568 Briefwahlstellen der Stadt die Urnen geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt. Rund 18 000 ehrenamtliche Mitglieder der Wahlvorstände helfen mit, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Die Auszählung ist öffentlich. Interessierte können dabei sein – es sei denn, in dem Raum ist kein Platz mehr. Wer möchte, kann also mit aufpassen, dass keine Stimmzettel im Papierkorb landen.

Werden meine Daten verwendet?

Nein, nur Ihre anonymen Stimmzettel. Aber auch bei dieser Wahl wird eine repräsentative Wahlstatistik erstellt. Dabei werden die Wahlbeteiligung und die Stimmabgabe nach Geschlecht und Altersgruppe der Wähler stichprobenartig untersucht. In Berlin gehören zu dieser Stichprobe 104 Wahllokale und 29 Briefwahlbezirke. Dort werden Stimmzettel ausgegeben, die sich leicht von den anderen unterscheiden, zum Beispiel mit der Angabe „Frau, geboren 1943 und früher“. Die Ergebnisse der Statistik werden im Dezember veröffentlicht. Auch im Internet.