Die rechtspopulistische Bewegung "Pro Deutschland" setzt in Berlin auf einen Schweden: Der Unternehmer Patrik Brinkmann soll heute Abend im Rathaus Zehlendorf zum Berliner Landesvorsitzenden gewählt werden und der Bewegung "den nötigen Schwung geben", wie Pro-Deutschland-Chef Manfred Rouhs sagt. Damit meint er wohl vor allem finanziellen Schwung - im Buhlen um die Millionen des Unternehmers hat Pro Deutschland die NPD ausgestochen.Die Mitgliederversammlung der in Berlin noch recht schwachbrüstigen Bewegung findet ab 19 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf statt. Dabei sollen auch ein Kreisverband für Steglitz-Zehlendorf gegründet und die Kandidatenliste für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung am 18. September aufgestellt werden. Erklärtes Ziel der Rechtspopulisten ist es, in allen Bezirken anzutreten und damit eine "Veränderung des Parteiengefüges" herbeizuführen.Ihre politischen Schwerpunkte setzt die Pro-Bewegung auf eine Wiederbelebung Preußens und der preußischen Traditionen sowie auf die Bekämpfung der aus ihrer Sicht zunehmenden Islamisierung Deutschlands. Für das Frühjahr planen die Rechtspopulisten in Berlin deshalb einen Anti-Islamisierungskongress mit ausländischen Gästen. Einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Besucher dort erwarten könnte, soll der designierte Pro-Berlin-Chef Brinkmann heute Abend liefern. Dort will der Schwede eine "Grundsatzrede" zur angeblichen Islamisierung Berlins halten und aus dem Buch "Inch' Allah? Die Islamisierung Europas" lesen, das er mit dem belgischen Rechtsextremisten Filip Dewinter von der Partei Vlaams Belang verfasst hat.Brinkmann, der eigenen Angaben zufolge einen schwedischen Vater hat und eine deutsche Mutter, war im Sommer 2007 nach Berlin gekommen und hatte in Zehlendorf für 3,3 Millionen Euro eine Villa erworben. Schon in Schweden bewegte sich der heute 45-Jährige in rechtsextremen Kreisen und galt als intellektueller Vordenker der Szene. 2004 gründete er die "Kontinental-Europa-Stiftung" , die - schaut man auf die Mitgliederliste - ein Sammelbecken rechtsradikaler Intellektueller aus ganz Europa ist. Nach Einschätzung von Experten will die Stiftung zur ideologischen Dachorganisation für rechtsextreme Parteien und für unabhängige "nationale Kräfte" aus Europa werden. Ihr selbstformuliertes Ziel ist die Schaffung einer "großeuropäischen Zivilisation, mit der dem physischen Tod durch Einwanderung und dem politischen Tod durch Amerikanisierung entgegengewirkt" werden solle. Brinkmann, der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, warnte schon mal in einem Interview vor der Türkei, in der er "eine große Gefahr" sieht. Auch wirbt er oft für eine deutsch-russische Achse als Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten.Nach seinem Umzug nach Berlin hatte sich Brinkmann 2008 zuerst der NPD angenähert. Doch mit seiner Vision von einer europäisch ausgerichteten Partei, die eher auf rechten Populismus und intellektuellen Diskurs setzt als auf dumpfe Parolen für Neonazi-Kameradschaften, stieß er bei der NPD-Führung auf wenig Gegenliebe - dort war man eher an seinen Millionen interessiert. 2009 schloss sich der Schwede der DVU an. Aber auch diese Liaison war nur von kurzer Dauer - DVU und NPD fusionierten.Bei der 2005 gegründeten Bewegung Pro Deutschland scheint der erklärte Islam-Feind nun seine politische Heimat gefunden zu haben. Die nordrhein-westfälische Pro-Bewegung unterstützte er 2010 im Wahlkampf mit Spenden und Krediten. Im Gegenzug hat ihn Pro Deutschland jetzt zum Wahlkampfchef für Berlin berufen und ihm die Zusammenarbeit mit ausländischen rechtsextremen Parteien und Organisationen übertragen.Bei ihrem Treffen heute Abend werden die Rechtspopulisten lautstarke Gesellschaft bekommen: Gleich vier Demonstrationen sind angemeldet. Die größte, zu der 500 Teilnehmer angemeldet wurden, ist ein breites Bündnis aus Politikern, Geschäftsleuten, Gewerkschaftern und Künstlern. Auch Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) gehört zu den Erstunterzeichnern des Demo-Aufrufs. "Wir haben uns schwer getan, den Rechtspopulisten den Ratssaal zu vermieten", sagt er. Die Rechtsprechung sei aber eindeutig. Demonstrieren gegen Pro-Berlin wollen vor dem Rathaus auch das Bündnis "Rechtspopulismus stoppen" sowie die Grüne Jugend.------------------------------Foto: Der Schwede Patrik Brinkmann lebt seit 2007 in Berlin.