Es ist immer wieder dasselbe mit der sogenannten Banana-Ware. Grün ausgeliefert, reifen solche Programme beim Anwender. Dieser darf sich als unfreiwilliger Beta-Tester Stunden und schlaflose Nächte um die Ohren hauen, weil der eben noch reibungslos funktionierende Computer plötzlich an allen Ecken und Enden klemmt oder überhaupt nichts mehr klappt. Die frei Haus gelieferten Fehlerberichte entnervter Nutzer dienen dann den Softwareherstellern zur kostensparenden Nachbesserung. Besonders der Branchenriese Microsoft treibt seine Klientel mit unfertig ausgelieferten, aber zu satten Preisen verkauften Produkten regelmäßig in den Wahnsinn. Statt Preisnachlässen oder Entschuldigungen für brandneuen Softwareschrott gibt es nach Monaten der Ungewißheit schließlich sogenannte Updates, mit denen zumindest die schlimmsten Fehler behoben werden. Dabei wird der Kunde dann auch noch zur Kasse gebeten, weil beim Download solcher Reparatur- Dateien der Provider für den Internetzugang und die Telefongesellschaft zu zahlen sind. Digitaler FettkloßMicrosofts neuer Internet Explorer (IE) mit der Versionsnummer 5.0 setzt die Reihe nervenaufreibender Software fort. Angekündigt als das beste Surfbrett aller Zeiten mit vielen neuen, großartigen Features, haut es den Anwender direkt bei der Installation von selbigem. Mehr als 100 Megabyte (MB) beansprucht der digitale Fettkloß auf der Festplatte, wenn zum eigentlichen Explorer noch weitere Anwendungen aus dem beigepackten Programmpaket installiert werden, etwa das E-Mail-Programm Outlook Express 5.0 oder Frontpage Express 2.0 zum Bauen von Webseiten. Doch selbst bei einer Konfiguration, die auf solche Werkzeuge verzichtet, belegt der IE noch 45 MB. Nichts ist es also mit der Ankündigung des Softwarekonzerns, daß die neue Version schlanker sei als der Vorgänger. Statt dessen scheint man es stillschweigend mit dem geflügelten Wort Adenauers zu halten, der gern zum Besten gab, daß ihn sein "Jeschwätz von jestern" nichts anginge. Nach dem obligatorischen Neustart des Computers und der Aktualisierung des Betriebssystems hat sich der IE richtig breitgemacht. Was das heißt, wird beim Test mit einem akkurat eingerichteten Windows-98-PC sofort klar. Der Versuch, Outlook 98 bei geöffnetem Explorer zu starten, endet mit dem Absturz der Nachrichtenzentrale. Wegen eines "ungültigen Vorgangs" geht bei Outlook der Rolladen runter. Kurz darauf steht das gesamte System, es hilft nur noch ein neuerlicher Neustart.Die nächsten Unannehmlichkeiten stehen beim Öffnen mehrerer Browser-Fenster ins Haus, weil der IE nicht sonderlich pfleglich mit den Ressourcen des Arbeitsspeichers umgeht. Unvermittelt reagiert das System nicht mehr auf die rechte Maustaste, um beispielsweise den gesamten Inhalt einer Webseite zu markieren oder sich deren Quelltext anzeigen zu lassen. Damit aber nicht genug: Die temporäre Leichenstarre des IE wirkt sich auf die Funktionalität anderer geöffneter Programme aus. Im Windows-Explorer können plötzlich keine Dateien mehr verschoben werden und Word verabschiedet sich wie zuvor Outlook per "ungültigem Vorgang". Kein TempogewinnIn Anbetracht der massiven Ruhestörung, die der IE 5.0 auf dem Testrechner verursacht, fällt eine Kleinigkeit beinahe nicht ins Gewicht: Obwohl in den Voreinstellungen unter dem Menüpunkt "Internetoptionen" das Benachrichtigen über Updates ausgeschaltet wurde, meldet sich der Explorer regelmäßig mit der "wichtigen Information" über Programmaktualisierungen, die im Web zum Download auf den Microsoft-Seiten bereitstünden. Von diesen weiß er selbst dann zu berichten, wenn überhaupt keine Verbindung zum Internet besteht. Ein Bauerntrick, der nur dem Zweck dient, Anwender auf die Internetseiten von Microsoft zu locken. Plump verhielt sich der Konzern auch bei der jüngsten Erfolgsmeldung zum IE 5.0. Fünf Tage nach der Freigabe des Explorers habe es mehr als eine Million Downloads gegeben, dreimal mehr als bei der Premiere des IE 4.0. Seltsam nur, daß der Konzern im Oktober 1997 erklärte, innerhalb von zwei Tagen hätten eine Million Downloads der Browser-Version 4.0 stattgefunden. Neben reichlich Schatten gibt es auch etwas Licht. Bei der Installation werden bestehende Einstellungen beibehalten, das früher übliche Neukonfigurieren der Internetverbindung entfällt. Das Surfen selbst wird einfacher durch die stark verbesserte, automatische Vervollständigung von Web-Adressen sowie eine Korrekturfunktion, falls sich Tippfehler eingeschlichen haben. Mit der Version 5.0 kann nun auch der IE, was der Navigator vom Konkurrenten Netscape längst bietet: die Suche nach Web-Sites mit themenverwandten Inhalten. Wie von Suchmaschinen bekannt, genügt die Eingabe des Schlüsselwortes. Verbessert wurde zudem die Verwaltung der Bookmarks unter "Favoriten", die nicht mehr umständlich über die Menüleiste organisiert werden müssen, sondern per Drag & Drop direkt im Browserfenster. Vom versprochenen Tempogewinn von rund 20 Prozent gegenüber der Vorgängerversion ist im Test jedoch nichts zu spüren.