Herr Calmund, Sie sind Manager von Bayer Leverkusen, in Ihrer Mannschaft stehen vier gebürtige Brasilianer der Emerson, der Ponte, der Zé Roberto und der Rink, obwohl der inzwischen ja Deutscher ist.Hertha hat sich jetzt auch einen Brasilianer gegönnt, Alex Alves, 15 Millionen Mark teuer. Gut gespielt hat er bislang nicht. Haben Sie da einen Tipp?Na, erstmal das Positive sehen: Die Brasilianer haben von sich aus eine super Fußball-Mentalität. Der Emerson und der Zé Roberto, die waren diese Woche mit ihrer Nationalmannschaft in Thailand. Erst sind die 10 000 Kilometer nach Bangkok geflogen, dann haben die da bei 35 Grad gespielt, dann sind sie die 10 000 Kilometer wieder zurückgeflogen, dann ist der Zé Vater geworden und jetzt haben sie auch noch Hertha abgeflitscht.Heile Welt bei Bayer.Natürlich wussten wir, dass es Integrationsprobleme geben kann, wenn wir Südamerikaner verpflichten. Wir hatten doch schon viele: zuerst den Tita, dann Jorginho, dann Sergio, jetzt unsere vier. Aber wir haben ja auch Heinz Prellwitz.Heinz wie?Sie kennen den Prellwitz nicht?! Der ist unser Brasilien-Beauftragter. Wenn ein Klub Millionen für Transfers ausgibt, muss er auch 50 000 für einen Betreuer übrig haben. Und der Prellwitz hat 40 Jahre in Brasilien gelebt, der kennt das Land, die Sprache und der kennt eben auch unsere Südamerikaner.Und was macht er?Der geht mit denen zum Arzt, der meldet denen das Telefon an Also verwöhnt er sie.Nee, nicht, wie die Deutschen immer sagen: Die blasen denen Zucker in den Hintern. Das sind junge Menschen, die kommen in eine fremde Welt. Und die spielen nur gut, wenn sie sich wohl fühlen. Also gehen wir mit den Frauen in den Supermarkt nicht, dass die Chappi statt Gulasch kaufen.Na, na.Das ist nicht bös gemeint. Wenn einer von uns plötzlich in Asien ist ich nicht, ich war schon da aber da wissen selbst ganz intelligente Leute nicht mehr, wo links und rechts ist und wo sie abbiegen müssen.Ihr Spieler Emerson hingegen findet sich in Leverkusen gut zurecht.Er ist der überragende Spieler in der Bundesliga.Italienische Vereine bieten deshalb 50 Millionen Mark für ihn.Aber wir lassen den nicht gehen. Wenn wir Emerson für 50, 60 Millionen verkaufen und den Scheck auf der Anzeigetafel einblenden, klatschen alle Fans Beifall, weil er uns ja nur acht Millionen gekostet hat. Das sind aber dieselben, die später pfeifen. Weil der Erfolg ausbleibt.Herthas Alves muss sich jetzt schon Pfiffe anhören. Wie würden Sie ihn in dieser Woche trösten?Ich würd den zu Hause besuchen und ihm die Nummer von unserem Emerson geben, damit die beiden mal über Startschwierigkeiten in der Bundesliga reden können. So ein Brasilianer kommt ja mit dem Wissen hierher: ,Die Deutschen sind im Fußball nicht so gut trotzdem will der Trainer, dass ich jetzt deutsch spiele, mit dieser ganzen Defensivarbeit. Nicht leicht.Wahrscheinlich sprechen Sie längst fließend Portugiesisch, weil Sie das jedem Neuen erklären.Ich kann ein paar Worte.Welche?Och, nein.Doch.Gut: Ich kann ,entendeu sagen.Und was heißt das?Ob sie auch alles verstanden haben, was ich da wieder erzählt habe.