Reinickendorf unterliegt Nürnberg knapp mit 0:2: Traum der vergebenen Chancen

BERLIN, 31. August. Als alles vorbei war, sagte Christian Backs: "Es war ein schöner Tag." Der Trainer der Reinickendorfer Füchse wirkte dabei aber nicht sonderlich glücklich. Das lag daran, dass eben doch nicht alles so schön war. 2 209 Zuschauer spülten zu den 55 000 Euro TV-Honorar zusätzlich noch viel Geld in die Vereinskasse. Nett war auch, dass der Trainer des 1. FC Nürnberg, Wolfgang Wolf, den Kollegen Backs an sich drückte, und warme Worte fand: "Ich habe keinen Klassenunterschied gesehen."Doch einem wie Backs ist das zu wenig. Sieben Mal war er in der DDR Meister, zweimal Pokalsieger - so einer verliert ungern. Also grummelte Backs: "Die Komplimente ehren uns, aber helfen uns nicht weiter." 0:2 verlor der Oberligist sein DFB-Pokalspiel der ersten Runde. Das schmerzte, weil eine Überraschung möglich war. Stürmer Karim Benyamina zum Beispiel, Kfz-Mechaniker in der Ausbildung, stand in der 43. Minute frei vor Torwart Schäfer und vergab. "Davon werde ich heute Nacht träumen", sagte Benyamina. Es war nur eine von einem halben Dutzend bester Tormöglichkeiten. Engin Okatan traf noch die Latte. "Wir waren so überrascht über diese Chancen, dass wir sie deshalb vielleicht nicht reingemacht haben", sagte Benyamina.Wolf analysierte, allein die Cleverness habe seinen Zweitligisten in die nächste Runde gebracht. Er entschuldigte die schwache Darbietung damit, dass in der Nacht zuvor der Transfer von David Jarolim zum HSV perfekt gemacht wurde. Das habe alle abgelenkt, sagte Wolf und brachte den tieferen Sinn des Pokals für Profis auf einen Nenner: "Das Weiterkommen zählt, nicht das wie." Die Tore passten zum Spielverlauf, den über weite Phasen die im Schnitt nur 21 Jahre alten Füchse bestimmten. Um jeden Meter Boden kämpften sie - nach fünf Minuten hatten sie schon zwei Gelbe Karten kassiert. Das Spiel hatten die Außenseiter weitgehend im Griff, aber bei ruhenden Bällen zeigten die Berufsfußballer ihr Können: Das 0:1 (49.) fiel nach einem Freistoß von Pavel Krzynowek aus 18 Metern, direkt in den Winkel. Das 0:2 war ein Eigentor von Oliver Allenberg, dem nach einer Freistoß-Flanke der Ball über den Kopf rutschte (88.). "Der Großteil meiner Spieler hat über hundert Prozent gegeben", sagte Backs nach der Ehrenrunde.