Die geplante direkte Bahnverbindung zwischen der Berliner Innenstadt und dem neuen Schönefelder Flughafen wird erst viele Jahre nach der für 2012 geplanten Airport-Eröffnung fertig. Das teilte die Deutsche Bahn (DB) am Freitag mit. Bis dahin müssen Reisende im Airport-Express Umwege fahren und Reisezeitverlängerungen in Kauf nehmen.

Der Wiederaufbau der Dresdner Bahn, auf der die Züge unter anderem durch Berlin-Lichtenrade und Mahlow fahren sollen, werde bei „regulärem Bauablauf“ erst 2020 abgeschlossen sein, sagte der Chefplaner Peter Schulze von DB Netz. „Mit den Hauptbauleistungen werden wir nicht vor Ende 2014 anfangen können“, teilte der Ingenieur mit. Noch immer gebe es für die drei Bauabschnitte noch keine Planfeststellungsbeschlüsse, die Voraussetzung für die Aufnahme von Bauarbeiten sind. Zwar werde die Genehmigung für das Teilstück in Lichtenrade noch für dieses Jahr vom Eisenbahn-Bundesamt erwartet. Doch die DB rechnet damit, dass Anwohner vor dem Bundesverwaltungsgericht dagegen klagen werden. Das dürfte den Baubeginn um rund zwei Jahre verzögern, sagte Schulze. Er erwartet, dass in diesem Zeitraum auch die Genehmigungen für die beiden anderen Abschnitte vorliegen wird.

Die Bauzeit werde rund fünf Jahre betragen, teilte der DB-Planer mit. Allerdings könnte es auch in diesem Fall möglich sein, das Verfahren etwas zu straffen und das Projekt zu beschleunigen.

Bei der östlichen Anbindung des Flughafens hatten der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg eingewilligt, dass die DB schon vor dem Planfeststellungbeschluss Bauleistungen ausgeschrieben hat – und sie haben zugesichert, dass sie das finanzielle Risiko übernehmen würden, falls die Genehmigung nicht oder nur in veränderter Form erteilt wird.

Bis die 1952 stillgelegte Dresdner Bahn wiederaufgebaut ist, müssen Züge zwischen dem Berliner Hauptbahnhof und dem neuen Flughafenbahnhof Umwege fahren, was dazu führt, dass sie rund eine halbe Stunde unterwegs sind. Könnte der Airport Express über die direkte Strecke der Dresdner Bahn rollen, würde diese Fahrt nur 20 Minuten dauern.

Zu den Verzögerungen hat auch die Tatsache beigetragen, dass das Land Berlin das Planfeststellungsverfahren in den 1990er-Jahren unterbrochen hatte, um im Interesse von Lichtenrader Streckenanwohnern einen Tunnel durchzusetzen. Dabei stellte sich damals auch der heutige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der in Lichtenrade wohnte, auf die Seite der Betroffenen.





Berliner Zeitung, 26.08.2011