Renée Zellweger durchkämmt das Amerika der Fifties nach einem Mann fürs Überleben: Unsere liebe Rabenmutter

Himmlisches Gold!" So will der vermeintliche Erbe einer Kette von Heimwerkergeschäften einen Farbton nennen, als Hommage an Ann Devereaux' adrett gelegte, strahlend blonde Locken. Und sie würde gerne einen Lack nach dem "Gentleman-Blau" seiner Augen kreieren, haucht Ann ihm entgegen, derweil von so viel Verführungskunst verwirrte Handwerker nicht bedient werden. Ann (Renée Zellweger) sucht nämlich weniger Brotarbeit wie die als Verkäuferin denn einen neuen Mann, der den gehobenen Lebensstandard von ihr und den beiden halberwachsenen Söhnen sichert. Ihre Ehe betrachtet sie als beendet; der Gatte Dan (Ken Bacon), ein Bandleader, ist einmal zu oft herumgestreunt und von ihr erwischt worden.Nur leider entpuppt sich der eroberte Farbenmann als enterbt aufgrund geistiger Verwirrtheit und ist auch bereits verheiratet. Das war also mal wieder nichts. Schon wirft Ann die Koffer sowie ihre Sprösslinge George und Robbie in den himmelblauen Cadillac und muss weiterziehen, quer durch das Amerika der Fifties - auf der Suche nach dem Glück der Goldgräberin, die sie in einer moderneren Version des landestypischen Mythos gewissermaßen symbolisiert."My One And Only" greift allerdings nicht nur eine große Tradition des Hollywood-Kinos auf, in dem der Treck ja immer westwärts geht - hier endet er in Los Angeles -, sondern der Film fügt sich außerdem noch ein in den einzigen thematischen Schwerpunkt des Berlinale-Wettbewerbs, der sich einigermaßen klar abzeichnet: dass die Zeit keinen Respekt kennt vor der Schönheit der Frauen und sich weigert, diese in Frischhaltefolie zu erhalten; siehe dazu auch "The Duchess" und "Chéri". Irgendwann wird die tapfere Behauptung ihrer Anziehungskraft für sie zur größten Herausfordertung des Tages, und sie werden das erste Mal hören müssen, dass jemand sie ungerührt als zu alt bezeichnet. Ob man darauf letztendlich mit Einsicht reagiert wie die Figuren von Renée Zellweger und Michelle Pfeiffer ("Chéri") oder völlig durchdreht wie Julie Delpy als Blutgräfin, das entscheidet dann darüber, wie kommod der Rest des jeweiligen Lebens verbracht werden kann."My One And Only" ist jedoch nicht in erster Linie ein in Reklamebildern und Landschaftsaufnahmen schwelgendes Roadmovie oder eine besinnliche Studie des Älterwerdens, sondern vor allem eine mit unzähligen Sottisen gespickte Hommage an die Screwball-Comedy der Dreißigerjahre, die übrigens vage auf den Erinnerungen des Schauspielers George Hamilton an seine eigene Mutter beruht (Drehbuch: Charlie Peters). "Eine Frau wirkt immer dann am intelligentesten, wenn sie gerade einem Mann zuhört", sagt beispielsweise Ann, als sie sich für eine Verabredung rüstet, misstrauisch beäugt von ihren beiden Söhnen, die das komfortable Dasein in New York vermissen und den Familienernährer schon auch ein bisschen. Als das Geld knapper wird und Ann ihnen eins dieser grässlichen TV-Dinner in Aluminium-Schalen mit den Worten "Kocht sich fast von selbst!" serviert, da antworten die beiden: "Dann soll es sich auch selbst essen!" Wirklich prächtige Schlagabtäusche sind das, und das Publikum, gegen Ende der Berlinale doch allmählich ermattet, wusste sie zu goutieren. Nur einen noch: Irgendwann verdingt sich Ann als Statistin bei einem Monumentalschinken und zerrt Steinblöcke zum Pyramidenbau durch die Gegend. Der von ihrem ungebrochenen Charme betörte Produzentin bescheidet ihr, so jemand wie sie sei nun wirklich nicht zur Sklavin geboren - woraufhin sie ihm entgegnet, diesen Satz höre wirklich jede Frau sehr gern.Der britische Regisseur Richard Loncraine ("Richard III.", "Wimbledon") hat in Renée Zellweger eine Protagonistin gefunden, die über die richtige Quecksilbrigkeit, verfügt, um die liebe Rabenmutter zu spielen - eine, die sich die Schuhgröße ihrer Söhne nicht merken kann, weil sie immer so sehr mit der Männersuche beschäftigt ist, und sich doch "Der Fänger im Roggen" besorgt, weil es Georges Lieblingsbuch ist. Sogar Robbies Stickarbeit - ein Hemd-Rücken mit allen Stationen ihrer Reise - führt sie heimlich ein wenig mehr der Vollendung entgegen. Zellwegers Mischung aus Dame und Realo, ihr flirrend kokettes, amüsiertes Wispern und Schäkern rettet "My One And Only" vor fast jeder Sentimentalität. Und zugleich verstärkt sich dadurch die Gewissheit, dass eine zu allem entschlossene Frau es in den Vereinigten Staaten der Fünfzigerjahre nicht gerade leicht hatte: Als Ann einen Mann in einer Hotelbar anspricht, verhaftet er sie als Prostituierte. Nach einer Nacht Arrest verlässt sie das Gefängnis mit tadelloser Haltung. Hauptsache, die Handschuhe sitzen.My One And Only 13. 2.: 12 Uhr, Friedrichstadtpalast, 22.30 Uhr, Urania; 15. 2.: 10 Uhr, Friedrichstadtpalast.------------------------------Foto: Ann (Renée Zellweger) ist stets bereit für den eleganten Auftritt.