Reparieren, ohne dass es jemand sieht: Klara Li arbeitet alte Klamotten zu neuen Kollektionen um: Die Aufhübscherin

Gäbe es eine Feenkönigin in Berlin, sie lebte in der Oderberger Straße und hieße Klara Li. So ist der Künstlername von Klara Linthe, die im Prenzlauer Berg ihr kleines Wohnatelier hat. Wenn sie einen begrüßt, fällt erst ihre zarte Stimme und das glucksende Lachen auf. Klara Li scheint nicht von dieser Welt zu sein und macht doch die Welt der Berliner schöner. Sie pimpt Klamotten, das heißt sie hübscht sie auf: "Das kann die Lieblingshose sein, die abgewetzt ist oder ein Rock, der irgendein Symbol hat, das man nicht mag", erklärt Klara Li. Dann beginnt sie mit einem Stofffetzen und einer Hand voll Perlen zu sticken, oder mit einer ihrer sechs verschiedenen Nähmaschinen neue Musterkombinationen zu schaffen. Das Ergebnis ist ein neues Kleidungsstück, ein Unikat. "Es geht darum, zu reparieren, aber das so schön zu machen, dass es nicht nach Reparatur aussieht." Zum Beispiel durch einen Lederstreifen über dem löchrigen Hosenbein. "Oder durch aufwändige Applikationen aus Perlen und Blumen - wie zum Beispiel bei einer von Motten zerfressenen Bluse", sagt sie.Die Idee dazu kam ihr bei einem Workshop, den sie gab. "Ich bot verschiedene Nähkurse an und unter anderem einen, den ich damals 'tune your clothes' nannte. Da merkte ich, wie gut ich nicht nur anderen Tipps dazu geben kann, wie man die Kleider verschönert, sondern dass ich dafür selbst Talent habe."Klara Li macht alles Handwerkliche Spaß: Nach einer Lehre als Maßschuhmacherin studierte sie Mode, Schmuckgestaltung, Malerei und Bühnenbild - jedoch nichts davon zu Ende. Ursprünglich aus Dessau kam sie 1987 nach Ost-Berlin und reiste kurz vor der Maueröffnung in den Westen aus. "Ich war eine derjenigen, die nicht geglaubt haben, dass die Mauer irgendwann fällt", sagt sie. Nach einiger Zeit im Westen wohnt und arbeitet sie heute in Prenzlauer Berg.Betritt man ihr Atelier, sind die beiden Türen nach links privat. Rechts geht es zur Küche und zum Ankleide-, Probe- und Ausstellungszimmer. "Die Kleider sind zum Teil aber nicht verkäuflich. Sie sind dafür da, dass man sich einen Eindruck davon verschaffen kann, wie das eigene Stück gepimpt werden könnte." Und was kostet einmal Pimpen? "Das kommt ganz darauf an, welche Materialien ich verwende und wie groß der Aufwand ist", sagt Klara Li. "Ich berechne einen Stundenlohn von 26 Euro."In der Wohnung finden auch Lesungen, Konzerte und Ausstellungen statt. "Ich will meinen Gästen Salonkultur bieten", sagt sie. Sie trägt Gedichte vor, singt und tritt mit einer Cello-Partnerin auf. Wenn sie nicht gerade mit Kundinnen spontane Modenschauen auf dem Bürgersteig macht, betreut sie noch eine chinesische Drachentanzgruppe und hilft bei der Organisation des Welt-Chi-Gong-Kongresses.Und zieht ihr Sohn auch von Mama gepimpte Klamotten an? "Nein, der trägt Skater-Sachen und hauptsächlich schwarz", sagt Klara Li. Aber das wird die Berliner Feenkönigin bestimmt noch ändern.Klara Li: Oderberger Str. 12, 44 73 12 94.Im Internet unter www.klaralinthe.de------------------------------Foto: Klara Li in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg, die gleichzeitig ihr Atelier ist