Viele Ostdeutsche beklagen, dass es außer dem Ampelmännchen nichts aus der DDR gebe, was Eingang in das wiedervereinigte Deutschland gefunden habe. Dabei übersehen sie allerdings den Gesundheitssektor. Die Blaupause für die gerade bundesweit eingeführte elektronische Gesundheitskarte ist schließlich der grüne Sozialversicherungsausweis, den jeder DDR-Bürger besaß. Und die immer beliebter werdenden Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind nichts anderes als die früheren Polikliniken.

Nun stellte sich heraus, dass die Ossis in Sachen Gesundheit selbst etwas in die neue Zeit gerettet haben: Sie achten nach wie vor sehr auf ihre Zähne und gehen daher regelmäßig zum Zahnarzt. Die Wessis zeigen sich hingegen eher als Vorsorgemuffel. Das zeigt der am Mittwoch vorgestellte „Zahnreport“ der Krankenkasse Barmer GEK. Danach gibt es hinsichtlich der Zahnarztbesuche ein regelrechtes Ost-West-Gefälle. Während in den neuen Ländern im Durchschnitt rund 60 Prozent der Einwohner zur Prophylaxe oder zur Zahnsteinentfernung gehen, sind es in den alten Ländern teilweise nur 44 Prozent wie etwa in Bremen. Spitzenreiter sind die Thüringer und die Sachsen mit einer Rate von 62 Prozent, Berlin liegt mit 52 Prozent ungefähr im Mittelfeld.

Stärkeres Pflegebewusstsein in der DDR

Menschen aus der ehemaligen DDR kümmerten sich mehr um ihre Zähne, weil dort in Kindertagesstätten und Horten viel Wert auf Zahnpflege gelegt worden sei, vermutet der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Er hofft, dass die Westdeutschen von ihren Brüdern und Schwestern aus dem Osten lernen. Denn die regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt rechnet sich langfristig nicht nur für die Patienten, sondern finanziell auch für die Kassen.

Tatsächlich sind die Gesamtausgaben der Krankenkassen für Kronen und anderen Zahnersatz in den neuen Ländern deutlich niedriger als im Westen. Zudem zeigen die Zahlen der Barmer GEK, dass die Ostdeutschen im Fall der Fälle weniger aus der eigenen Tasche zuzahlen. Während der Eigenanteil beispielsweise in Baden-Württemberg im Schnitt für jeden Zahnersatz 937 Euro beträgt, sind es in Berlin 620 Euro und in Sachsen-Anhalt gar nur 500 Euro.

Die geringeren Zuzahlungen haben allerdings weniger mit der fleißigen Vorsorge zu tun. An der Höhe des Eigenanteils lässt sich vielmehr ablesen, wie hochwertig der Zahnersatz ist. Die Ostdeutschen wählen lediglich den preiswerten Standard, weil sie sich nicht mehr leisten wollen oder können. Kassen-Vorstand Schlenker tippt auf Letzteres: „Hier zeigt sich ein Wohlstandsgefälle.“