Herr Rubenbauer, wissen Sie noch, welches Länderspiel Sie zuletzt kommentiert haben?Das war im September 2001 die 1:5-Niederlage Deutschlands gegen England in der WM-Qualifikation.Kein besonders erhebendes Ereignis.Nein, wirklich nicht. Aber mein Ausscheiden zu diesem Zeitpunkt stand ja lange fest. Ich dachte mir vorher, Deutschland gegen England im Olympiastadion könnte ein schöner Schlusspunkt werden.Warum haben Sie damals als Länderspielkommentator aufgehört?Es wurde mir damals alles zu viel. Ski-Weltcup, Skispringen, Uefa-Cup, Länderspiele - in manchen Wochen sah das so aus, dass ich dienstags zum Uefa-Cup etwa nach Dnjepropetrowsk abkommandiert wurde, am Donnerstag zurückflog, um am Wochenende irgendwo ein Ski-Weltcuprennen zu kommentieren. Gesundheitlich ging es mir damals auch nicht so gut. Ich fand, ich müsste kürzer treten.Und wieso haben Sie ausgerechnet den Fußball sausen lassen?Um ehrlich zu sein, weil ich damals auf Fußball am wenigsten Bock hatte. Die Länderspiele waren grottenschlecht. Eine schwache Partie reihte sich an die nächste. Man wusste ja gar nicht mehr, was man den Zuschauern erzählen sollte. Am Ende litt die eigene Konzen-tration darunter. Ich habe mich dann für meine Lieblingssportarten entschieden: Ski Alpin, Skispringen und im Sommer Leichtathletik.Es hieß damals, es gebe Differenzen mit dem ARD-Experten Günter Netzer. Sind die inzwischen bereinigt?Es gab eine einzige Szene, die wir unterschiedlich beurteilt haben. Das ist dann ziemlich aufgebauscht worden. Netzer war im November bei mir in der Sendung "Blickpunkt Sport". Hinterher hat er mich zum Essen und zu einer guten Flasche Rotwein eingeladen und von sich aus gesagt, ich solle wieder Länderspiele kommentieren. Das hat für mich den letzten Anstoß gegeben.Außerdem spielt die Mannschaft ja wieder besser. Hat Sie auch das Klinsmann-Virus gepackt?Ich finde super, was er leistet. Man kann über die Methoden streiten, aber die Spieler reagieren darauf. Man spürt Leben auf dem Platz. Auch uns Reportern macht die Arbeit wieder richtig Spaß.Sie kommentieren heute die Partie Argentinien gegen Tunesien in Köln - eine seltene Paarung. Wie haben Sie sich auf Ihren ersten Länderspieleinsatz nach der Pause vorbereitet?So selten ist das gar nicht. Erst bei Olympia in Athen sind die Mannschaften aufeinander getroffen. Ich habe das Spiel im Stadion verfolgt. Die Argentinier waren sehr stark und haben 2:0 gewonnen. Das tunesische Team habe ich beim Finalsieg im Afrika-Cup gegen Marokko gesehen. Die Tunesier können am Ball eine Menge und haben taktisch unter ihrem französischen Trainer Roger Lemerre dazu gelernt.Für die Nationalmannschaft gilt der Confed-Cup als Testlauf für die WM 2006. Für die Fernsehteams auch?Logisch. Das fängt schon damit an, dass wir Reporter in den umgebauten Stadien bisher noch nicht live kommentiert haben. Das bringt ganz neue Eindrücke. Bei der Eröffnung der Allianz-Arena war ich Reporter des Spiels 1860 gegen Nürnberg. Ich dachte, das darf doch nicht wahr sein. Ich saß ganz oben im Rund und schaute den Spielern direkt auf den Scheitel. Du siehst keine Rückennummer, du erkennst kein Gesicht und musst komplett vom Monitor kommentieren. Wir TV-Reporter haben uns schon beschwert. Das kann's jedenfalls nicht sein. In Köln ist es angeblich besser. Das werde ich als erstes kontrollieren, wenn ich ins Stadion komme.Gehen die Reporter vor der WM denn noch ins Trainingslager.Die Crew besteht aus so vielen alten Hasen, die schon bei Welt- und Europameisterschaften dabei waren, dass ein Trainingslager wohl nicht nötig ist.Aber etwas Besonderes ist die WM im eigenen Land schon.Ja, natürlich. Jeder spürt die Begeisterung. Als Fußballreporter ist es bei der kommenden WM am wichtigsten, die Atmosphäre rüberzubringen. Analysen, Fachgespräche, Detailberichte - alles schön und gut. Bei dieser WM sollte aber die Stimmung den Schwerpunkt bilden. Wir Fernsehleute müssen den Zuschauern vor allem das Gefühl vermitteln, dass sie unmittelbar dabei sind, dass sie dazu gehören. Besonders, weil so wenige Fans Eintrittskarten für die Spiele bekommen.Im Internet werden Sie als Kommentator des WM-Finales gehandelt. Dann klappt es wie 1990 auch mit dem Titel, heißt es. Interesse?Natürlich ist ein WM-Finale ein Highlight. Aber wir haben über die Weltmeisterschaft noch gar nicht geredet. Jetzt bringen wir erstmal den Confederations Cup gut über die Bühne. Danach bereiten wir uns in aller Ruhe auf die WM vor.Das Interview führte Ralf Mielke.--------------------------------.Drei Spiele beim Confederations Cup // Gerd Rubenbauer war erstmals 1982 bei einer WM als Kommentator dabei. Karriere-Höhepunkt war das Finale 1990, als Deutschland 1:0 gegen Argentinien gewann. 2001 kommentierte er sein bisher letztes Länderspiel.Beim Confed-Cup komentiert er für die ARD die Spiele Argentinien-Tunesien (heute, 18 Uhr), Deutschland-Argentinien (21. 6. , 20. 15 Uhr) und das Finale (29. 6. , 20. 15 Uhr).Die deutsche Mannschaft spielt heute gegen Australien (Frankfurt; 21 Uhr, ARD). Am Sonnabend (18 Uhr) zeigt das ZDF die Partie gegen Tunesien. Die Halbfinalspiele am 25. Juni und 26. Juni (jeweils 18 Uhr) werden ebenfalls vom ZDF übertragen. --------------------------------.Foto: Gerd Rubenbauer: erst Confed-Cup, dann zur WM.--------------------------------.Foto: Dehnübung: Bayern-Profi Martin Demichelis beim Training der argentinischen Nationalmannschaft in Hennef.