Die Ausnahme von der Regel heißt Chutnify. Der Laden liegt in der Sredzkistraße und hat erst kürzlich eröffnet. Von außen so geschmackvoll, dass er als Berliner Inder kaum durchgeht. Keine goldenen Buddhas, keine Fahnen, nicht mal Elefanten. Das Chutnify ist schlicht, an der Hauswand hängt ein Holzschild, auf dem steht: „South Indian Street Food“.

Ich wäre wohl daran vorbeigelaufen, hätte nicht ein Bekannter darauf bestanden, mit mir dort essen zu wollen. Begeistert schilderte er mir das Masala Dosa: Knusprig leicht wie ein Crêpe sei es und mit sehr frischem Chutney serviert. Alles Worte, die ich bis dato eher nicht mit indischer Küche in Berlin verband.

Also ließ ich mich überreden und bin seitdem entzückt. Das Geheimnis des Chutnify ist natürlich ganz einfach: Das Restaurant macht nur ein paar Gerichte, die allerdings gut. Keine Karte mit 980 verschiedenen Angeboten. Nur das, was man kann. Tolle Idee.

Zum Beispiel die Dosas. Sie sind das Markenzeichen und Hausgericht. Es gibt sie in sechs, sieben Varianten als Hauptspeise oder auch als Dessert.

Ein Dosa ist ein Crêpe-artiger Pfannkuchen, der in Südindien sehr beliebt ist, als Frühstück, zwischendurch oder auch abends. Der fermentierte und daher leicht säuerliche Teig wird aus Reis-, Linsen- oder Urbohnenmehl hergestellt und dann entweder einfach in ein Chutney oder eine wässrige, scharfe Soße namens Sambar getunkt. Manchmal werden Dosas aber auch gefüllt und gerollt, wie hier im Chutnify. Die bekannteste Füllung ist „Masala“, deren Grundzutat gewürzte Kartoffeln sind.

Ich habe mich für das Tandoori Chicken Dosa entschieden, und es war köstlich: Die leicht angekohlten, rot marinierten Tandoori-Huhn-Stücke hatten vom Holzkohlegrill ein wunderbares Aroma mitbekommen, bevor sie dann mit etwas gebratener grüner Paprika und karamelligen Zwiebeln in den luftig-knusprigen Pfannkuchen gewickelt wurden. Dazu serviert wurde ein Töpfchen Dal. Bisher kannte ich es oft nur als fast bis zur Unkenntlichkeit zerkochten Brei, aber tatsächlich ist diese säuerlich-süße Linsenbeilage gar nicht plump und schwer, sondern erfrischend – dank Minze, Koriander, Zitrone, diverser Kräuter, Chili und viel roher, klein gehackter Zwiebel. Aber Achtung: Das Zeug ist richtig scharf.

Chutnify-Masala-Wurst

Sehr empfehlen kann ich auch das Aloo Tikki. Wörtlich übersetzt bedeutet das wohl Kartoffelkrokette. Es ist eine platt gedrückte, optisch eher an Kartoffelpuffer erinnernde Speise, für die Süßkartoffeln, aber auch ein paar Gemüse wie zum Beispiel Erbsen gestampft und anschließend in der Pfanne gebacken wurden. Man will mehr davon, auch wenn der Mund wegen der Chili-Schärfe brennt, was an den Chutneys liegt, die es dazu gibt. Darauf zu verzichten, wäre aber schade, weil die Püree-ähnlichen Soßen hier nicht etwa eingemachte Chutney-Marmeladen sind wie zumeist sonst, sondern jeden Tag frisch hergestellt werden: einmal grün und pikant mit Minze als Basis, zum anderen fruchtig und süß mit Tomaten und Mango.

Eine hübsche Idee, wenn auch ein wenig fettig, ist die Chutnify-Masala-Wurst. Sie schmeckt nicht sehr viel anders als eine Berliner Currywurst, nur dass sie hier Scheibe für Scheibe mit grüner Paprika und viel Zwiebeln angebraten wurde. Mir ist das recht: Wenn die indische Küche so gut ist, kann sie meinetwegen auch die Currywurst zurückerobern.