Was erhalten werden kann, muss gerettet werden, fordern Denkmalpfleger. Nach diesem Grundsatz wird jetzt das ehemalige Gärtnerhaus am Rande des Bellevueparks restauriert. An der Nordfassade des um 1715 errichteten Gebäudes wurden in den vergangenen Wochen alle Holzbalken freigelegt, morsche Stücke ersetzt und die Dachkonstruktion verstärkt. Noch vor dem Wintereinbruch soll die nördliche Hälfte des Daches wieder nach historischem Vorbild eingedeckt werden, um das Fachwerkhaus vor dem weiteren Verfall zu schützen."Wenn wir das Haus nicht übernommen hätten, könnten wir es jetzt zusammenschieben", sagt Matthias Vondung, Chef des Vereins Restaurierung Zentrum Berlin. Der Verband betreibt Aus- und Weiterbildung von Restauratoren. Das Köpenicker Häuschen, erzählt Vondung, ist stark vom Schwamm befallen, viele Balken sind durchgefault. Vor einem Jahr begann die Rekonstruktion des gut 20 Meter langen und zehn Meter breiten Fachwerkhauses, das eines der ältesten im Bezirk ist. Der Verein will dort sein Seminargebäude mit Vortragssaal, Seminarräumen, Gästezimmern, einer kleinen Küche und einer Hausmeisterwohnung einrichten. Rund zwei Millionen Mark bringt der Verband für die Sanierung auf. Die Arbeiten werden überwiegend von Umschülern des Stattbauhofes ausgeführt, die dabei auch Techniken der alten Zimmermanns- und Maurerkunst anwenden. Während der Arbeiten haben die Restauratoren interessante Entdeckungen gemacht. Zum Beispiel war vor der Nordfassade etwa 60 Zentimeter tief im Boden eine Drainage gemauert, damit das Fundament nicht feucht wird. Im Dachgeschoss wurden Deckenmalereien aus der Bauzeit des Hauses gefunden, andere Verzierungen ordnen die Denkmalpfleger dem Jugendstil zu. "Jeder Fund und jeder Schritt der Rekonstruktion wird von uns dokumentiert", sagt Polier Wilfried Bergeler vom Restaurierungs Zentrum Berlin. Zum Beispiel die alten Steine der Ziegelei in Rathenow sowie Holztüren und Fensterläden, die wieder eingebaut werden sollen. Bis Ende kommenden Jahres werden die Restauratoren noch zu tun haben, um das Fachwerk originalgetreu auszubessern und die Wände neu zu mauern. Dann erst beginnt der Innenausbau. Das Gärtnerhaus soll Ende 2002 fertig gestellt sein.Leer seit der Wende // Das Schloss: Das Gärtnerhaus wurde um 1715 im Bellevuepark erbaut. Erst 1766 entstand dort auch das Schloss Bellevue, das im Zweiten Weltkrieg zerstört und Anfang der 50er-Jahre abgerissen wurde. Das angrenzende Gut mit Wiesen und Äckern wurde von Hugenotten bewirtschaftet.Nutzung: Das Gärtnerhaus wurde immer als Wohnhaus genutzt. Es blieb von Kriegsschäden verschont. Zwischen 1945 und 1957 waren in dem Haus Flüchtlingsfamilien untergebracht. Anschließend wurde das Gebäude vom Bezirk Köpenick übernommen und diente bis 1990 überwiegend als Lager.Leerstand: Das Fachwerkhaus steht seit 1990 leer und wird seit 1999 saniert. Direkt daneben steht auf dem alten Gutsgelände seit wenigen Jahren ein Einkaufszentrum.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM (2) Die Zimmerleute Henry Freigang (l. ) und Jens Wiedemann bessern das Fachwerk des Gärtnerhauses aus.Das Gärtnerhaus gehört zu den ältesten Fachwerkhäusern im Bezirk. Plastikfolie schützt das Innere.

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