In der Türkei retteten sie Erdbebenopfer, nach der Bombenexplosion in der Pettenkoferstraße suchten sie nach Verschütteten, von der Kripo werden sie zur Suche nach Vermißten gerufen. Am Sonnabend traten die Rettungshunde des ASB auf dem Übungsgelände der Polizei "Fighting City" in Ruhleben zu einem fiktiven Einsatz an: Bombenanschlag auf das Europacenter.Eine schwere Explosion hat das Europacenter erschüttert. Es ist stark zerstört. Das Werk von Terroristen. Rauch quillt aus einem BVG-Bus, der von herumfliegenden Betonbrocken getroffen wurde. Das Dach ist eingedrückt, Fahrgäste wurden verschüttet, liegen eingeklemmt unter den Trümmern. "Ein Szenarium, das wir uns für Berlin nicht wünschen, auf das wir aber vorbereitet sein müssen", sagt Detlef Kühn, Chef der Rettungshundestaffel des ASB. Der 44jährige erinnert an die Bombenanschläge auf das New Yorker World Trade Center oder in Oklahoma-City. "Die Hunde riechen die Angst der Verschütteten durch dickste Trümmer durch", erzählt Einsatzleiter Kühn. In Todesangst setzen Menschen große Mengen Adrenalin frei. Dieser Stoff riecht wie Buttersäure, die der Hund wittert. Rucksack stets gepackt Auch Marcel, ein erfahrener, zehn Jahre alter französischer Hirtenhund, sucht an diesem Tag am angenommenen Unglücksort nach verschütteten Personen. Der stattliche Vierbeiner hat den Ernstfall erlebt. Zusammen mit seinem "Frauchen" Ugina Wolff fand er nach einem schweren Erdbeben in der Türkei drei Überlebende in den Trümmern. Nachts um ein Uhr war die 64jährige, die als Verkäuferin in einem Schmuckwarenladen arbeitet, geweckt worden. "Der Rucksack steht ja immer gepackt im Keller", sagt sie. Ugina Wolff gehört zur zwölfköpfigen schnellen Einsatzgruppe der Staffel. Jeder Hundeführer ist für seine Ausrüstung selbst verantwortlich. Er muß in der Lage sein, sich selbst und sein Tier vier Tage lang ohne fremde Hilfe versorgen zu können. Unabhängig vom Wetter. Als Ugina Wolff im Erdbebengebiet eintraf, verbrachte sie die Nacht zusammen mit ihrem Hund, mit anderen Helfern und türkischen Soldaten in einem kleinem Raum. Sozusagen als Anreiz: "Die größte Belohnung für den Hund ist es, Tag und Nacht auf engstem Raum mit seinem Führer zu verbringen", erzählt Detlef Kühn. Nach der erfolgreichen Suche wurden Marcel und Ugina Wolff in einer großen türkischen Zeitung auf drei Seiten als Helden gefeiert. Mutprobe auf der LeiterJüngstes Mitglied der 40köpfigen ASB-Rettungshundestaffel ist Simba. Der erst neun Monate alte Mischlingshund gilt als großes Talent unter den Dienstjüngsten. "Größe und Rasse spielen dabei keine Rolle", erzählt sein Besitzer Peter Lippert. Nur gesund und verträglich müssen die Tiere sein, um später einmal ein zuverlässiger Rettungshund zu werden. "Bei dem Begriff Rettungshund", so Detlef Kühn, "denken viele noch immer automatisch an Skiläufer, Lawinen und an einen Bernhardiner mit dem berühmten Rum-Faß am Halsband."Doch auch kleine Dackel gehören ebenso zur Staffel wie Schäferhund und Labrador. Und sie vertragen sich. Mehr noch. In den Übungspausen kommt es auch hin und wieder zu harmlosen Flirts zwischen Rüden und Hündinnen, begleitet von lautstarkem Gebell. Mittlerweile ist in "Fighting City" die Suche nach Verletzten in dem Bus erfolgreich gewesen. Eine weitere schwierige Aufgabe steht nun den Hunden bevor. Sie müssen auf einer Leiter in den ersten Stock des zerstörten Gebäudes klettern. Für einige Tiere ist es das erste Mal. Sie haben offenbar noch Angst. Etwas tolpatschig nehmen sie Sprosse für Sprosse. Anders die schon erfahrenen Hunde. Ruck, zuck erklimmen sie die Leiter und springen durchs Fenster ins Haus. +++