BERLIN. Der Mann könnte sehr gut einen amerikanischen Sicherheitsberater in einem Politthriller spielen. Er wirkt gerade so seriös wie nötig. Er ist so beredt wie verschwiegen. Er spricht über katastrophale Bedrohungen für den Weltfrieden und bleibt dabei doch ganz kühl und ist ab und an sogar verschmitzt. Er weiß ganz bestimmt mehr als er offenbart, und er weiß auch um die Schwächen der Mächtigen. Es passt alles. Und es passt deshalb so gut, weil Richard Clarke, ein Mann Mitte fünfzig, jahrzehntelang Sicherheitsberater für vier verschiedene amerikanische Präsidenten war.Nun sitzt er ziemlich entspannt in einem bequemen Sessel im Salon der American Academy am Berliner Wannsee und lässt das Grauen ein wenig wirken, das aus seinem Roman "The Scorpion's Gate" dringt. Eigentlich veranstaltet die Academy keine Lesungen, aber Richard Clarke ist eben mehr als ein Romanautor. Er ist einer der kenntnisreichsten Kritiker der aggressiven Sicherheitspolitik von Präsident George W. Bush, und nach seinem dokumentarischen Bestseller "Against All Enemies" hat er diese Kritik nun in einen Roman fließen lassen. Weil er damit viel mehr Leute erreicht, sagt Clarke. Wer würde im Flugzeug oder am Strand auch schon gern ein Fachbuch über internationale Sicherheitspolitik zur Hand nehmen?Von der Qualität des Romans ist zumindest John Kornblum im Sessel neben Richard Clarke recht beeindruckt. Kornblum ist auch ein Insider amerikanischer Regierungsgeschäfte, er gehörte sein Berufsleben lang dem Auswärtigen Dienst an und war amerikanischer Botschafter in Deutschland. Noch etwas verbindet die beiden: die strikte Ablehnung der Politik des Präsidenten Bush. Das ist ohnehin eine Sichtweise, die an der liberal ausgerichteten American Academy recht verbreitet ist.Anschläge auf HotelsAlso spielt Kornblum Clarke die Bälle zu an diesem Abend, und der kokettiert gern mit seiner Rolle zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Manchmal möge er seine Fantasien gar nicht niederschreiben, sagt er, weil sie dann vielleicht Wirklichkeit würden - wie die Anschläge auf Hotels in Jordanien, die er in seinem Buch sozusagen vorempfunden habe. Die Botschaft ist jedenfalls klar: Eine Fortsetzung der von Bush betriebenen Politik, einer Mischung aus Ignoranz gegenüber den Ländern der moslemischen Welt und fatalem Vertrauen auf Waffengewalt, werde die Vereinigten Staaten in die Katastrophe führen."Unausweichlich?", fragt der sozialdemokratische Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose aus dem Publikum in der Akademie. Aber nicht doch, sagt Richard Clarke und lächelt. "Ich bin ja kein Pessimist." Bald soll sein Buch übrigens verfilmt werden. Nach einem geeigneten Darsteller für einen Präsidentenberater müsste man nicht lange suchen.