MÜNCHEN, 30. Juli. Der Filmschauspieler Ernst Hannawald ist am Donnerstag wegen zwei Raubüberfällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der 38jährige hatte nach Überzeugung der Richter am Münchner Landgericht im Januar mit einer Gaspistole eine Sparkasse und eine Postfiliale überfallen, um mit der Beute von rund 26 000 Mark Kokain zu kaufen und Drogenschulden zurückzuzahlen. Die Richter ordneten auch eine Drogentherapie für den Schauspieler an.Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die von einem "minder schweren Fall" ausgegangen war und dem Schauspieler eine "ausweglose Situation" bescheinigte. Hannawald hatte ein Geständnis abgelegt und sich während der Verhandlung bei seinen Opfern entschuldigt. Er war nach den Überfällen anhand eines Überwachungsphotos erkannt und schon nach kurzer Zeit festgenommen worden. Hannawald hatte sich den Feststellungen des Gerichts zufolge im Januar eine Gaspistole gekauft, nachdem ihn sein Drogenhändler nicht mehr mit Kokain belieferte. Innerhalb von 24 Stunden beging der Schauspieler nur mit einer Sonnenbrille maskiert die beiden Raubüberfälle. Die Waffe war nicht geladen, weil sich Hannawald keine Munition gekauft hatte. Sein Verteidiger Roland Hasl sprach vor Gericht von einer "Verzweiflungstat" und plädierte auf eine Haftstrafe von weniger als drei Jahren. Hannawald habe sich bis zuletzt nicht von traumatischen Erlebnissen in seiner Kindheit und seiner schweren Kokain-Sucht lösen können.Desolate PersönlichkeitDie Richter bescheinigten dem Schauspieler eine "desolate Persönlichkeit" und hielten ihm sein Geständnis und seine Reue zugute. Der frühere "Tatort"-Star hatte vor Gericht von einer unglücklichen Kindheit berichtet. Zudem machte er Probleme mit Alkohol und Drogen sowie schwere Schicksalsschläge geltend. Nach Waisenhaus, Heimen und Sonderschule nahm Hannawald eigenen Angaben zufolge mit 13 Jahren zum ersten Mal die Droge LSD, nachdem seine Zwillingsschwester bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. (AFP)