POTSDAM. Das Potsdamer Fortunaportal trägt seit Montag 11.40 Uhr eine hölzerne Kuppel. Bei kurzzeitigem Sonnenschein verhinderten auch teilweise starke Windböen nicht, dass die 18 Tonnen schwere Konstruktion per Kran problemlos auf das Ziegelgebäude gehievt wurde. Nach dem Belegen mit Schiefer und Kupfer soll dann im Oktober auf der Kuppel wieder die Glücksgöttin Fortuna prangen.Aber auch ein Richtfest ist Grund genug, um zu feiern. Und so versammelten sich neben viel Prominenz zahlreiche Einwohner auf dem Alten Markt. Der seit 1995 in Potsdam lebende Fernsehmoderator Günther Jauch bringt durch Werbung für die Zementindustrie 3,5 Millionen der rund sechs Millionen Euro auf, die für den originalgetreuen Wiederaufbau des Fortunaportals benötigt werden. Jauch dankte denjenigen, die das Projekt verwirklichen. "Mit großem handwerklichen Können der Bauleute entsteht das Portal Stück für Stück neu." Das gilt nicht nur für die per Hand gemauerten Glindower Ziegel. Auch die Kuppel ist ein Meisterstück. Geplant war eine Stahlkonstruktion. Aber auf Initiative des Bildungsvereins Bautechnik entstand sie aus dem Holz von märkischen Kiefern und Eichen, aus dem ja auch schon die berühmten preußischen Schlösser gebaut wurden. Nach historischem Vorbild errichteten 20 Lehrlinge aus Wriezen (Märkisch-Oderland) und Berlin die Kuppel in zeitaufwendiger Handarbeit. "Wir haben gezeigt, dass Holzwirtschaft und Handwerk in Brandenburg beste Qualität liefern", sagte Klaus Pankau, der Chef des Bildungsvereins.Das rohbaufertige Fortunaportal auf dem vor kurzem noch öde wirkenden Alten Markt bringt die alte Potsdamer Mitte wieder stärker ins Gespräch. Hier befand sich bis 1945 mit dem Stadtschloss und den es umgebenden Bauten eines der schönsten Barockensembles Europas. Einiges hat sich inzwischen getan. So entstand 2001 zur Buga der Lustgarten neu, zu Jahresbeginn öffnete in einem historischen Knobelsdorffhaus die Spielbank, und die Restaurierung des Neuen Marktes nähert sich seiner Vollendung.Nicht nur Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) hofft, dass die Wiedergewinnung der Stadtmitte als belebtes urbanes Zentrum zügig voranschreitet. Und das heißt vor allem: Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses. Zwar gibt es einen breiten Konsens in der Landeshauptstadt, dass auf dem Alten Markt etwas geschehen muss. Der schließt aber Aussehen und Nutzung der künftigen Bebauung nicht ein. Die Stadt möchte, dass in das weitgehend originalgetreu wieder aufzubauende Schloss der Landtag einzieht. "Wir haben Zeit, werden noch möglichst viele davon überzeugen", sagte Platzeck mit Blick auf die jüngsten Äußerungen von Bauminister Hartmut Meyer (SPD). Der hält den Wiederaufbau des Schlosses für reine Wunschvorstellung und plädiert für einen "modernen Zweckbau mit historischen Versatzstücken". Als Landtagssitz sei der Alte Markt nicht geeignet, denn der bringe kein Leben dorthin.Potsdam allein hat kein Geld, und ein Privatinvestor für das ehemalige Schlossgelände ist nicht in Sicht. Das Land aber braucht ein neues Landtagsgebäude, für das es ohnehin Millionen ausgeben müsste. Platzeck mahnte politische Entscheidungen an - nicht zuletzt wegen der geplanten Fusion mit Berlin und Potsdams künftiger Rolle als gemeinsame Landeshauptstadt.Jauch, der sich nach sechs Jahren schon als gestandener Potsdamer fühlt, hat durch Briefe erfahren, dass sich der Wiederaufbau des Fortunaportals "bis in die hintersten Winkel Deutschlands herumgesprochen" hat. Viele ehemalige Potsdamer erinnerten sich wehmütig der einstigen Schönheit der Stadt, sagte er. Wie sie hofft auch Jauch, dass Skeptiker wie Gegner überzeugt werden können und eines Tages das Schloss wieder steht.Haupteingang ohne Schloss // Erinnerungsstück: Das Fortunaportal wurde 1701 von dem Hugenotten Jean de Bodt als Haupteingang zum Stadtschloss gebaut. Es erinnerte an die Selbstkrönung von Kurfürst Friedrich III. zum ersten Preußen-König.Verlust: Im April 1945 bei dem verheerenden alliierten Bombenangriff schwer beschädigt, wurde es 1960 zusammen mit dem Stadtschloss gesprengt.Wiederaufbau: Für den 1999 von der Stadtverordentenversammlung beschlossenen Wiederaufbau sagte Günther Jauch im Jahr 2000 eine Sieben-Millionen-Mark-Spende zu.Kopie: Verbaut wurden 150 Kubikmeter Sandstein, tausende Glindower Hanstrichziegel sowie rund 30 Kubikmeter Kiefern- und Eichenholz. Die Kuppel ist 8,25 Meter hoch und wiegt 18 Tonnen.DDP/JENS WOLF Ein Kran hebt die 18 Tonnen schwere hölzerne Kuppel auf den 16,5 Meter hohen Rohbau des Fortunaportals vor der Potsdamer Nikolaikirche.ARCHIV BERLINER VERLAG Blick vom Schlosshof auf das Fortunaportal und die Nikolaikirche