Noch ist es nur eine Baustelle mit viel Beton und einem entkernten Altbau, und doch wurde gestern gefeiert: Am Stralauer Platz 33-34, gegenüber dem Ostbahnhof, wurde der Richtkranz für das Internationale Solarzentrum, Energieforum Berlin, aufgezogen. Sogar Umweltminister Jürgen Trittin war gekommen. Er lobte kurz das Projekt als "prima Werbung für Berlin", um dann ausführlich seine grüne Energiepolitik zu preisen. Am Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen war es dann, näher auf das neue Projekt einzugehen. Schließlich steckt das Land gemeinsam mit der EU 40 Millionen Mark Fördermittel in den Bau. Der kostet insgesamt über 100 Millionen Mark und besteht aus einem denkmalgeschützten Industriegebäude sowie einem gläsernen Neubau am Spreeufer. Ab Mitte nächsten Jahres sollen dort Energie sparende Technologien ausgetüftelt werden. Damit wird auch das Haus selbst ausgestattet: Es verbraucht nur 20 Prozent dessen, was ein "normales Bürohaus" an Energie benötigt. Für gutes Raumklima sorgt Wasser, das aus 190 Pfählen im Boden nach oben gepumpt wird und dort im Sommer kühlt. Diepgen lobte denn auch die Idee und forderte eine ganze "Spree-Akademie" für Berlin, in der ähnlich Nützliches entsteht.Ortsunkundiger BürgermeisterBei der Beschreibung erwies sich der Regierende allerdings als nicht sehr ortskundig: Sein Blick gehe "über die Spree hinweg zum Ostbahnhof". Doch er stand mit dem Rücken zum Bahnhof - ein Blick weg vom Manuskript hätte ihm ganz nah das Kreuzberger Spreeufer gezeigt. Dass es beim Bau des viel gepriesenen Solarzentrums auch Probleme gibt, erfuhren die Richtfest-Besucher nicht. Zum Beispiel, dass das finanzklamme Berlin bei den Fördermitteln gestrichen hat, so dass jetzt die Finanzierung der 900 Quadratmeter großen Fotovoltaikanlage in Frage steht. Über eine Million Mark fehlen. Der Investor, die HPE Hanseatica Property GmbH, ist jetzt darüber mit der Bewag im Gespräch. Für Heiterkeit sorgte der Polier, der in Gedichtform das neue Haus pries: "Der Umwelt zuliebe, der Menschheit zum Glück, immer vorwärts, niemals zurück", endete seine lyrische Ansprache. "Vorwärts immer, rückwärts nimmer", echoten darauf unüberhörbar amüsierte Gäste, die sich an eben diese Worte des greisen Erich Honecker erinnert fühlten. Der Regierende Bürgermeister, dem der Polier eine große runde Kerze in Sonnenform überreichte, blieb nicht lange. Bei seinem Abgang drückte er seine Sonnenfackel einem jungen Mann in die Hand. Der verdutzt blickende Beschenkte, ein Architekt, meinte schließlich, vielleicht wolle Diepgen nicht als "Sonnenkönig" gesehen werden.Holz, Gas, Solar // Die Adresse: Der Platz am Spreeufer gegenüber dem Ostbahnhof gehörte einst zum Berliner Holzmarkt. Von 1850 stand dort Berlins erstes städtisches Gaswerk. Nach der Jahrhundertwende hatte das Unternehmen sein Zentralmagazin. Zu DDR-Zeiten als Werkzeugmaschinenfabrik genutzt, stand der Komplex seit Anfang der 90er-Jahre leer.Das Zentrum: Im Juni 2000 begann der Bau des Internationalen Solarzentrums, auch Energieforum Berlin genannt. Auf 18 500 Quadratmetern sollen dort Firmen arbeiten, die im Bereich erneuerbare Energien forschen oder beraten. Der Altbau entlang der Stralauer Allee wird saniert, zur Spree hin entsteht ein gläserner Neubau mit öffentlichem Atrium.Die Finanzierung: Das Projekt kostet rund 100 Millionen Mark. 40 Millionen davon kommen aus Fördermitteln des Landes und der EU. 60 Prozent bezahlt die Hanseatica Property GmbH.

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