Berliner Zeitung: Unionspolitiker plädieren für einen flexiblen Umgang mit der PDS. Fürchten Sie, die Konservativen könnten Sie überholen? Harald Ringstorff: Diese Sorge ist nicht ganz unberechtigt. Inzwischen wirbt ja selbst der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern um die PDS. Ich freue mich, daß eine Reihe von Stimmen im konservativen Lager die gleiche Auffassung wie ich vertritt. Welche Auffassung? Ich halte nichts von pauschalen Ausgrenzungen. Die Behauptung, die PDS wäre die alte SED, greift einfach zu kurz. Sicher hat die PDS mit einer ganzen Reihe von Nostalgikern auch Elemente der alten SED fortgeführt. Aber es gibt in ihr auch viele Sozialreformer, die sozialdemokratisches Gedankengut vertreten. Wer die PDS pauschal ausgrenzt, stärkt sie. Halten Sie eine Regierungsbeteiligung der PDS oberhalb der kommunalen Ebene für denkbar? Gräfin Dönhoff hat ja schon zu Koalitionen mit der PDS aufgerufen. In der Politik ist doch nichts statisch: Man kann heute keine Aussagen für eine Zeit in vier, fünf Jahren tun. Sie sehen an den Diskussionen in der PDS, daß sie sich weiterentwickelt, keine homogene Partei ist. Auf jeden Fall geht es nicht an, daß die CDU mit 35 Prozent der Wählerstimmen automatisch in einigen Ländern die Mehrheit hat, obwohl eine Mehrheit der Wähler eine andere Politik will. Was folgt für Sie daraus? Es ist wichtig, mit der PDS zu sprechen und die Kräfte zu stärken, die dem alten DDR-Denken abschwören und der PDS zu einer modernen Programmatik helfen wollen. Vielleicht 90 Prozent oder mehr der SED-Mitglieder sind nicht anders zu beurteilen als jeder andere Bürger der DDR auch. Lieber wäre es mir natürlich, wenn diejenigen, die sozialdemokratisches Gedankengut vertreten, Mitglieder der SPD würden. +++