In Schwerin mehren sich die Anzeichen dafür, daß die Landes-SPD ihren Absprung aus der Koalition mit der CDU vorbereitet.Harald Ringstorff ist verschnupft. Nicht politisch - nur eine Grippe plagt den SPD-Landeschef und Wirtschaftsminister. Ansonsten geht es ihm prächtig wie seit langem nicht.Gerade erst hat seine Partei ihrem größeren Koalitionspartner ein Schulgesetz abgehandelt, das der Union überhaupt nicht schmeckt. "Von vielen CDU-Mitgliedern war das Gesetz als ,Sollbruchstelle` der Koalition bezeichnet worden. Nun ist man offenbar einsichtiger geworden", konstatiert Ringstorff zufrieden. Wie diese Einsicht zustande kam, dafür mag er "das Wort Erpressung nicht gern verwenden". In der Sache aber trifft es durchaus zu.Das Druckmittel der SPD im Nordosten heißt PDS. Schon nach der verkorksten Landtagswahl im Oktober 1994 hatte die Schweriner SPD-Spitze Sondierungen bei der linken Konkurrenz aufgenommen, auf massiven Druck aus der Bonner "Baracke" aber nicht fortgeführt. Statt dessen stieg man als kleiner Partner in die Große Koalition ein. "Keine Liebesheirat", bekennt Ringstorff. Geeint gegen die CDU Wie öffentlich aber in dieser "Vernunftehe" gelegentlich der Familienstreit ausgetragen wird, überrascht doch. Bereits dreimal pfiff die SPD-Fraktion auf die Koalitionsdisziplin und stimmte im Landtag mit der PDS-Opposition gegen die CDU. Diese Möglichkeit hält sich Ringstorff auch für die Zukunft offen: Wann immer die CDU versuchen sollte, Abmachungen aus dem Koalitionsvertrag von 1994 zu unterlaufen, wolle er "nicht ausschließen", mit der PDS und gegen die Union auch Gesetze zu verabschieden.Im übrigen bekennt sich der SPD-Landesvorsitzende mit treuem Augenaufschlag zur bestehenden Koalition. Recht einsilbig wird er allerdings, wenn er die Gemeinsamkeiten zwischen den Regierungspartnern aufzählen soll. Um so leichter fließt sein Lob für die von der PDS tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt: Gerade erst hätten im Gespräch mit ihm Wirtschaftsvertreter das dortige Investitionsklima gewürdigt. Streitfall Küstenautobahn "Magdeburger Verhältnisse" demnächst auch in Schwerin? "In der SPD wird natürlich über andere Möglichkeiten einer Regierung für Mecklenburg-Vorpommern diskutiert", sagt Ringstorff und erwähnt "gute Gedanken, die in Debattierzirkeln entwickelt" würden. Diese Zirkel haben Namen und Adresse: An der Basis zirkulieren gleich zwei Strategiepapiere der Parteilinken - eines vom "Warener Kreis", ein zweites vom Landtagsabgeordneten Siegfried Friese -, die beide einer Verständigung mit der PDS das Wort reden. Welche Hindernisse stehen einer Allianz zwischen den beiden Linksparteien im Lande denn noch entgegen? Ringstorff nennt zunächst die Kommunistische Plattform innerhalb der PDS, kommt dann aber sehr schnell auf weniger ideologische als praktische Fragen zu sprechen: "Keinen Konsens gibt es bei der Autobahn A 20, größtes Infrastruktur-Vorhaben des Landes, das die PDS immer noch ablehnt. Obwohl ich auch da Bewegung in der PDS sehe", fügt er hinzu. Wichtig sei vor allen Dingen, "daß das Gespräch mit der PDS nicht abgebrochen wird".Vernunftehen werden gelegentlich auch wieder geschieden. Glaubt Ringstorff, daß jene in Schwerin bis zum Ende der Legislaturperiode halten wird? Die Antwort fällt vage aus: "Eine Garantie dafür kann ich Ihnen nicht geben. Ich sage aber auch nicht, daß die Koalition mit Sicherheit nicht bis 1998 hält." +++