An israelischen Schulen ist Vaadat Kishut der Name für ein Dekorationskomittee: eine Gruppe von Schülerinnen, die die Aufgabe hat, das Klassenzimmer zu schmücken. Von allen Schülergruppen bekommen diese Komittees, wie nicht anders zu erwarten, die geringste Anerkennung. Dass sich Vaadat Kishut aus Tel Aviv, eine der raren israelischen Girl-Punk-Bands, gerade diesen Namen gewählt haben, hat denn auch zweierlei Bedeutung: einerseits spielt die Band auf die allgemeine Geringschätzung an, mit der man von Frauen verrichteter Arbeit begegnet; andererseits auf den Umstand, dass Mädchen - auch in Israel - in der Punkszene nur ein dekoratives Mauerblümchendasein ohne eigenen Einfluss fristen.Angefangen haben Vaadat Kishut denn auch als Selbstbemächtigungsaktion. Ihre Sängerin Jackie Levy, die in einem der beiden linken Info-Läden in Tel Aviv arbeitet, beschwerte sich zuerst in einem Flyer darüber, dass Punkmädchen sich nicht trauen, Pogo zu tanzen und meist nur dekorativ am Rand herumstehen. Damit dass anders wird, gründete sie dann mit zwei Freundinnen und einem Freund ihre Band; der Flyer-Text wurde zu ihrem ersten Song: "Hardcore Doll".Die erste Europatournee, in deren Rahmen Vaadat Kishut heute Abend auch in Berlin auftreten werden, hätten sie beinahe absagen müssen: Jackie Levy war angeklagt, einen Polizisten angegriffen zu haben, als es bei einer Razzia des schwul-lesbischen Festes "Queerintifada" Ende Juni in Tel Aviv zu Ausschreitungen kam. Die Veranstalter, die unter anderem auch bei den "Anarchists against the wall" mitarbeiten, behaupteten, dass die Polizei die Gewalt eskalieren ließ, weil das Fest einen anarchistischen und queeren Hintergrund hatte. Die Aggression zwischen beiden Seiten ist jedenfalls sehr groß.Die Hochzeit des Riot-Grrlsm in der Neunzigerjahren konnte man in Israel nur von Ferne erleben, keine der stilprägenden Bands gab dort ein Konzert. Dennoch ist der Einfluss der Girl-Punks nicht zu überhören. In ihren hebräischen Songtexten besingen Vaadat Kishut ihre Brüste; auf der Bühne spielen sie auch gern mit ihnen herum - um deutlich zu machen: "Das sind meine, ich kann mit ihnen machen und sie benennen, wie ich will; von einer pornografischen Gesellschaft lass ich mir nicht vorschreiben, was für ein Verhältnis ich zu ihnen haben soll. " Dazu springt die Band mal in normalen Klamotten, mal in selbstdesignten Tutu-Röckchen umher, eine Mischung aus Hardcorepunk und Kitsch-Glamour. Mit ihrer Fähigkeit, mit Ambivalenzen zu spielen, stehen Vaadat Kishut ihren amerikanischen und europäischen Vorbildern jedenfalls nicht nach.------------------------------ Vaadat Kishut spielen heute um 21 Uhr im Tommy-Weissbecker-Haus