GROSSZIETHEN. Auf dem Grundstück ist es ruhig. Nur zwei prächtige Gänse watscheln schnatternd umher. Winteridylle beherrscht das Grundstück zwei Kilometer südlich von Berlin. Wenn aber Rita Ohnhäuser die Tür zum kleinen Nebenhaus öffnet, ist es vorbei mit der Stille. Vogellaute in allen erdenklichen Tonlagen ertönen. Es pfeift, zwitschert, fiept und tiriliert. Überall stehen Käfige. Das Haus in Großziethen (Dahme-Spreewald) war einst eine Pension für Menschen. Jetzt ist es eine für Vögel. Rita Ohnhäuser betreibt seit vier Jahren ein einmaliges Hobby in Brandenburg: eine Partnervermittlung für Papageien.Derzeit leben 150 Vögel bei ihr. Im Obergeschoss wohnen 70 Agaporniden, eine Gattung der afrikanischen Papageien. So wie die kleinen bunten Vögel heißen, sehen sie auch aus: Rosen-, Pfirsich- oder Schwarzköpfchen. Sie sitzen auf den Ästen und lärmen. Für Laien sieht alles ganz normal aus: Tiere, die sich ihres Lebens freuen. "Die Vögel werden auch Liebesvögel oder Unzertrennliche genannt", erklärt Rita Ohnhäuser. "Der Name sagt alles: Sie gehen feste Paarbeziehungen ein. Doch oft kaufen die Leute sie einzeln oder einfach zwei Vögel, die farblich gut zusammenpassen", sagt die 45-jährige Buchhalterin. Solche Zwangsheiraten helfen nicht, denn die Vögel sind sehr wählerisch: Ihre "Ehe" hält meist ein Leben lang. Wenn sich die Paare nicht vertragen oder die Vögel gar einzeln gehalten werden, passiert immer dasselbe: Sie vereinsamen, reißen sich die Federn aus und werden so zu potenziellen Selbstmördern.In den Käfigen sitzen kleine Vögel, die auf der Brust keine Feder mehr haben, einige tragen Halsbänder über der nackten Haut, um sich nicht weiter zu schädigen. Manche hacken sich auch in die Haut, wenn keine Federn mehr da sind. In Ohnhäusers Käfigen sind die Vögel, die in Freiheit in Schwärmen leben, unter ihres gleichen und suchen sich Partner. "Manchmal dauert es vier Wochen, manchmal funkt es gleich", sagt sie. In einer kleinen Schlafbox sitzen zwei Rosenköpfchen und kuscheln. Sie haben sich gefunden.Dreiviertel der Vögel bei Rita Ohnhäuser sind Papageien, die von ihren genervten Besitzern abgegeben wurden, weil sie den ganzen Tag schrien oder aggressive "Rupfer" geworden sind. Die Anderen wurden zwecks Partnervermittlung gebracht. "Die Vögel kommen zu ihren Artgenossen, bis sie einen Partner gefunden haben", sagt sie. Dann holt der Besitzer seinen einstmals verstörten Liebling ab und nimmt auch dessen Partner mit. "Dafür zahlt er eine Spende", sagt Ohnhäuser. "Das Geld reicht für Futter, Käfige und eine Tierpflegerin, die mir hilft."Die Frau, die aus der Umgebung von München stammt, öffnet einen Käfig. Ein Dutzend Aras sitzt darin auf den Ästen. Die großen Vögel sind sehr zutraulich. Ernie hüpft auf den linken Arm von Rita Ohnhäuser, Chantee auf den rechten. Die Vögel laufen auf einander zu. "Gleich küssen sie sich", sagt die Papageien-Flüsterin. Sie tun es wirklich.Ohnhäuser freut sich, wird aber gleich wieder ernst. "Kommen Sie mit", sagt sie und geht ins Haupthaus. Sie öffnet eine Tür, hinter der auch Vögel lärmen. Zutraulich hangelt sich ein Graupapagei zu ihr und ruft "Bruno". "So nennen wir ihn, obwohl er ein Weibchen ist und Lisbeth heißt", sagt sie. Bruno ist das eindruckvollste Beispiel, wie sehr sich vereinsamte Papageien malträtieren können. Bruno hat keine Federn mehr am Körper und sieht aus wie eine frisch gerupfte Taube. "Er hat zu lange gerupft, da wächst nichts mehr nach", sagt Ohnhäuser. Die Vogelschützerin hat nur einen Rat für Leute, die sich einen Papagei anschaffen wollen. "Kaufen Sie sich zwei oder keinen. Alles Andere geht schief." Sie selbst wurde auch erst zur Vermittlerin, als sie merkte, wie ihr erster Papagei Blümchen vereinsamte.Vogelhalter aus ganz Deutschland bringen ihre Papageien nach Großziethen oder lassen sie abholen. So wird Rita Ohnhäuser gleich nach Berlin fahren. Dort ist eine alte Dame gestorben. Sie hinterließ einen 30-jährigen Vogel. Die Tochter will, dass es ihm gut geht. Rita Ohnhäuser wird ihn zu sich nehmen.------------------------------Teure TiereAlter: Die besonders sprachbegabten Graupapageien können über 40 Jahre alt werden und kosten bis zu 1 000 Euro. Bunte Aras werden doppelt so alt, sie kosten auch das Doppelte.Verhaltensgestört: Da oftmals nur ein Papagei gekauft wird, vereinsamen die Schwarmvögel zusehends und werden verhaltensgestört. Unter anderem reißen sie sich die Federn aus - wie Bruno (Foto).Vermittelt: Bei Rita Ohnhäuser fanden bisher 1 300 "Liebesvögel" und 600 Großpapageien einen Partner.Finanziert: Ohnhäuser arbeitet als Buchhalterin und finanziert ihr Hobby aus Spenden der Vogelbesitzer.Weitere Infos im Internet unter:www.papageien-partnervermittlung.de------------------------------Foto: Rita Ohnhäuser redet gern mit Ernie (l.) und Chantee. Die beiden farbenprächtigen Aras sollen an andere alleinstehende Artgenossen vermittelt werden.