Rom - „Pädophilie ist wie eine schwarze Messe“, hat Papst Franziskus auf dem Rückflug vom Heiligen Land in einer Fragerunde mit Journalisten gesagt. Ein Verbrechen wie den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche mit den Ritualen von Satanisten zu vergleichen, erscheint merkwürdig. Aber für ein Kirchenoberhaupt sind das starke Worte. Null Toleranz gegen Missbrauch stellte Franziskus in Aussicht. Es dürfe keine Privilegien für die Täter geben. Derzeit werde gegen drei Bischöfe wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt, teilte er mit, ohne Namen zu nennen. Einer sei bereits verurteilt, über die Strafe werde noch nachgedacht.

Die katholische Kirche steht in der Kritik, zu wenig gegen Missbrauch zu unternehmen und die Täter zu verschonen. Anfang Februar hatte das UN-Komitee für Kinderrechte dem Vatikan systematische Vertuschung des Problems vorgeworfen. Die Kirche stelle die Sorge über das eigene Ansehen über das Interesse der Opfer. Sie verweigere Auskünfte, der Missbrauch gehe weiter, die Täter blieben straflos.

Auch in Deutschland sind dem UN-Komitee zufolge viele Fälle überhaupt nicht untersucht worden. Der Vatikan wies die Vorwürfe als unfair und voreingenommen zurück. Benedikt XVI. soll in den Jahren 2011 und 2012 etwa 400 Priester wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch entlassen haben. Ihm wird aber angelastet, zu lange geschwiegen zu haben.

Messe mit Missbrauchsopfern

Auch Papst Franziskus werfen Betroffenenverbände vor, er unternehme zu wenig und zeige zu wenig Anteilnahme am Schicksal der Opfer. Er hatte die von Priestern Missbrauchten kürzlich um Verzeihung gebeten und strenge Strafen für Täter gefordert. Auch eine Kommission gegen Missbrauch setzte er ein. Persönliche Gespräche mit Betroffenen hat er aber seit seinem Amtsantritt im März 2013 noch nicht geführt. Das will er nun nachholen. Anfang Juni werde er in Rom im vatikanischen Gästehaus Santa Marta eine Messe mit acht Missbrauchsopfern feiern, kündigte er am Montagabend im Flugzeug an. Danach werde er sich mit ihnen zusammensetzen.

Die Reaktionen auf die Ankündigung sind gespalten. David Clohessy, Direktor von Snap, der größten US-Interessenvertretung für von Priestern missbrauchte Menschen, nennt das geplante Treffen im Vatikan bedeutungslos: „Die simple Wahrheit ist doch, dass es eine weitere Geste ist, ein weiterer PR-Coup, ein weiteres schönes Stück Symbolismus, das keinem Kind hilft und keine echte Reform in eine skandalumwitterte Kirchenhierarchie bringt.“ Dagegen erklärte der US-Opferanwalt Mitchell Garabedia, ein direktes Treffen sei „das mächtigste Werkzeug, das ein Papst nutzen kann, um den Horror des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche zu verstehen“.

Franziskus muss vor allem dafür sorgen, dass die Mehrzahl der Täter nicht mehr wie bisher nur versetzt oder von ihren kirchlichen Vorgesetzten gedeckt wird, aus Angst vor Skandalen.