Die Fans von Robbie Williams haben einen Ruf zu verlieren: Sie treten überall dort, wo sie ihr Idol auch nur vermuten, in größeren Gruppen auf. Und versuchen dem Meister nach einem kurzen Vorspiel, das aus dem Hochhalten von Plakaten, Sprechchören und dem Absingen seiner Hits besteht, ohne weitere Umschweife an die Wäsche zu gehen. Genau deshalb wurde der Ort, an dem Williams in der Nacht zum Montag im Rahmen der Premierenfeier von "Findet Nemo" ein Mini-Konzert geben sollte, bis kurz vor Konzertbeginn geheim gehalten.Die 1 200 Premierengäste, die schließlich im ansonsten ungenutzten U-Bahnhof Reichstag in den Genuss dieses Konzertes kamen, waren anschließend in Hochstimmung. Der frühere Take-That-Sänger hatte im aufwändig mit Fisch-Projektionen und Wasserspielen dekorierten U-Bahnhof (ein Partyveranstalter schätzte allein die Kosten dafür auf 300 000 Euro) einen richtig großen Auftritt mit üppig besetzter Band und großem Streicherblock, der komplett aus jungen Frauen bestand (von denen die meisten Williams hemmungslos anhimmelten). Der Popstar trug unter dem Nadelstreifenjackett ein ganz provokatives Mickey-Mouse-T-Shirt und bezog das Publikum immer wieder in seinen Auftritt ein. Da griff er sich mal eben die Zigarette von jemandem aus dem Publikum, zog daran und reichte sie zurück - wahrscheinlich hängt die Kippe inzwischen in einer Berliner Wohnung als Reliquie hinter Glas. Dann schnappte er sich kurzerhand das Handy eines Partygastes, ging ran und meldete sich: "Hallo, this is Robbie Williams." Ein Mädchen im Publikum baggerte er unverholen an: "Bist du mit deinem Freund hier?"Nach dem Song "Beyond the Sea", der den Abspann von "Findet Nemo" untermalt, sang Robbie Williams für das entzückte Publikum im Berliner Untergrund auch Lieder wie Brechts "Mackie Messer" und versuchte sich in der Sprache der Zuhörer: "Danke scheen, Dame und Herren. Alles gut?"Ruth Moschner, die immer sehr direkte Comedy-Nachrichtenfrau der RTL Freitagnacht News, behauptete zwar, sie sei natürlich wegen der Fische in den U-Bahnhof gekommen, meinte nach dem Konzert aber anerkennend: "Dieser Robbie Williams ist einfach eine coole Sau!" Comedian und Jungfilmer Oliver Kalkofe (seine Edgar-Wallace-Parodie "Der Wixxer" soll im April in die Kinos kommen) ist auf Williams ein wenig sauer: "Als der aus seiner Boygroup ausstieg und mit der Solokarriere anfing, war für mich völlig klar, dass das nix werden kann. Leider musste ich mich korrigieren, was ich ihm übel nehme. Aber dieser Typ ist wirklich richtig gut."Bei dem gerade einmal halbstündigen Konzert, das gegen Mitternacht endete, übertrug sich die gute Stimmung von Williams rasend schnell auf das Publikum, das anschließend ausdauernd wie selten bei Premierenfeiern tanzte. Da legte nicht nur der graubärtige "Hobbythek"-Moderator Jean Pütz (der im Film einem Rochen seine Stimme geliehen hatte) mit seiner Frau Pina Coluccia eine ganz schön flotte Sohle aufs Parkett. Auch jüngere Semester wie die Schauspielerinnen Anna Loos, Karoline Herfurth und Susan Sideropoulos ließen mal das Cool-in-der-Ecke-rumstehen bleiben und tanzten angeregt in den Montag.BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ (3) Ein Star auf dem Weg nach ganz oben. Robbie Williams versprühte Sonntagnacht auf der Premierenparty von "Findet Nemo" reichlich von seinem Charme.Anna Loos, Schauspielerin, genoss den Abend.Erkan & Stefan, komische Synchronsprecher, waren zur Premiere in den U-Bahnhof gekommen.