Fünf Kilometer in 25 Minuten, das ist nicht schlecht für den Beginn eines Marathons. Vor allem, wenn man 55 ist und das Laufen eher nebenher betreibt. So wie Roberto Madrazo aus Mexiko, der gestern vor einer Woche beim Berlin-Marathon mitgelaufen ist. Madrazo ist eigentlich Politiker, er ist ziemlich bekannt in seinem Land. Weil er im vergangenen Jahr Präsident werden wollte, weil er lange Gouverneur eines Bundesstaats war. Vor allem aber, weil es bei Wahlen, an denen Madrazo teilnahm, oft Probleme gab. Stimmzettel verschwanden, unerlaubt hohe Wahlkampfspenden tauchten auf. Seine Gegner sagen, Madrazo sei einer der korruptesten Politiker in Mexiko.Am Sonntag vor einer Woche kam Madrazo beim Berlin-Marathon als erster in seiner Altersklasse ins Ziel. Er hatte gewonnen, keine Wahl zwar, aber immerhin ein großes Rennen. Madrazo lief zwei Stunden, 41 Minuten und zwölf Sekunden. Haile Gebrselassie aus Äthiopien, der den Marathon in Weltrekordzeit gewann, war nur 37 Minuten schneller.Bei der Präsidentschaftswahl in Mexiko 2006 wurde Madrazo dritter, danach hatte er in der Politik wenig zu tun. Er lief Marathon, in Berlin den dritten in diesem Jahr. Seitdem ist er in Mexiko wieder in den Schlagzeilen - weil es wieder Probleme gab. Die Marathon-Organisatoren haben Madrazo am Wochenende disqualifiziert. Rennleiter Mark Milde sagt, er wolle Madrazo nichts unterstellen. Aber die Zwischenzeiten des Mexikaners stimmten nicht.Beim Marathon in Berlin tragen die Läufer einen Chip am Schuh, alle fünf Kilometer laufen sie über eine Matte, so wird ihre Zwischenzeit registriert. Madrazo brauchte anfangs für fünf Kilometer jeweils 25 Minuten. Das ist nicht schlecht, aber keine Zeit, mit der man einen Marathon gewinnt. Bei Kilometer 25 und 30 fehlen Madrazos Zeiten. Erst an der nächsten Matte wurde sein Chip wieder registriert. Er hatte von Kilometer 20 bis Kilometer 35 nur 21 Minuten gebraucht. Zwischen beiden Kontrollpunkten liegen nur ein paar hundert Meter, sagt Rennleiter Milde. Wenn man eine Abkürzung nimmt.Madrazo gehört der Partei der Institutionalisierten Revolution an, die Mexiko 71 Jahre lang allein regiert hat. Nach einer der Wahlen, die Madrazos Partei gewann, brach bei der Stimmenauszählung das Computersystem zusammen. So konnten die Ergebnisse später nicht überprüft werden. Vielleicht hat Madrazo gedacht, dass ein paar fehlende Zeiten im System niemanden stören. Vielleicht wollte er nur mal wieder gewinnen. Auf dem Zielfoto aus Berlin streckt er die Arme in die Luft. Er sieht nicht besonders müde aus, er schwitzt nicht. Er trägt eine Jacke. Die Läufer um ihn herum tragen dünne Hemden, die an ihren Körpern kleben. Madrazo lacht in die Kamera.