"Rock it!": ein deutsches Filmmusical für US-amerikanisch geschulte Jungzuschauer: Talent auf Abwegen

Es ist kaum möglich, "Rock it!" unvoreingenommen zu sehen. Die Mehrzahl der Zuschauer, für die der Film gemacht ist, hat Vergleiche im Kopf, in Bildern und Tönen. Sie heißen "High School Musical", "Hannah Montana" und "Camp Rock". Das sind überaus erfolgreiche Musikfilme und -serien aus den USA für ein junges Publikum, geliebt vor allem von Mädchen von acht bis zwölf Jahren. Das ist kein Zufall, sondern tatsächlich die Vorlage. Auch in "Rock it!" wird ausgelassen gesungen und getanzt, gibt es erste Liebe und Eifersucht, den ehrgeizigen Traum, ein Star zu sein und eine Portion Neid dagegen."Rock it!" führt an ein Musik-Internat irgendwo in der deutschen Provinz. Aus den Teilnehmern eines Sommerkurses sollen die talentiertesten Schüler ausgewählt werden, die am Internat bleiben dürfen. Julia, die bereits einen Klavierwettbewerb gewonnen hat, verliebt sich allerdings in den Sohn des Hausmeisters, der in einer Rockband spielt und möchte dort an seiner Seite das Keyboard bedienen. Ihre flippige Freundin Francesca hilft ihr, sich vor den Band-Jungs weniger brav zu geben. Ihre (blonde) Gegenspielerin (denn die Bösen sind immer blond) möchte als Geigenspielerin neben Julia reüssieren. Sie gönnt jener die Ausflüge ins Rockerleben nicht.Die Konstellation ist wenig originell, sie wirkt von den Amerikanern abgekupfert, auch wenn dort nie Mozart erklingt. Einzig die pedantische und hysterische Schulleiterin scheint sich an einem deutschen Vorbild zu orientieren - an dem ehemaligen Direktor der Eliteschule Salem, Bernhard Bueb, der mit seinem Ruf nach Strenge und Ordnung durch die Talkshows tingelt.Und doch hat der Film einen eigenen Charme. Produzenten, Drehbuch und Regie hätten den ruhig mehr betonen dürfen. Musikalisch ist "Rock it!" weniger weichgespült als das "High School Musical", er ist eindeutig rockiger. Zugleich ist die Musik technisch weniger ausgefeilt als "Hannah Montana", so dass es sich eher nach Schul- als nach Retortenband anhört. Die jungen Menschen singen durchweg auf Deutsch, was seit Tokio Hotel und Silbermond zwar keine Überraschung mehr ist, für einen Film aber gewöhnungsbedürftig. Die Texte sind keine lyrische Offenbarung, aber nicht dumm. Eltern müssen sich nicht schämen, wenn ihr zehnjähriges Kind gleich nach dem Film einige Zeilen auswendig kann. Die Massentanzszenen hat man aber anderswo schon pfiffiger gesehen.Während das blonde Biest Betty (Vivien Wulf) den ganzen Film über Karikatur bleiben muss, beweisen die drei Sympathieträger Julia (Emilia Schüle), Francesca (Maria Ehrich) und Nick (Daniel Axt) schauspielerisch einiges Talent. Sie zeigen mal ein Zögern und Zaudern, vor allem Emilia Schüle kann sowohl brav als auch aufsässig sein. Außerdem beweisen sie und Maria Ehrich komödiantisches Talent, was dem Film sehr gut bekommt. Wenn Julia cool sein will, es aber noch nicht richtig kann, wenn Francesca sanft wirken will und doch zu temperamentvoll ist, dann kommt es zu einigen komischen Momenten. Der eigene Witz ist wirklich das Beste an diesem Film. Das ist auch sehr schön zu besichtigen, während die Jungs-Band noch ihren Keyboarder sucht und verkrachte erwachsene Existenzen den Jugendlichen etwas vorjaulen. Oder wenn die versammelte Elternschaft ihre Kinder beim Abschlusskonzert nicht wiedererkennt. In diesem Alter passiert ganz viel.Rockt it! Lebe deinen Traum Dtl. 2009. Regie: Mike Marzuk, Drehbuch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings, Kamera: Bernhard Jasper, Darsteller: Emilia Schüle, Daniel Axt, Maria Ehrich, Vivien Wulf u. a.; 95 Minuten, Farbe. FSK o. A.------------------------------Foto: Die jungen Menschen singen durchweg auf Deutsch: Julia (Emilia Schüle) und Nick (Daniel Axt) rocken mit ihren Freunden.