Es gibt ein paar Ähnlichkeiten zwischen Ihnen: die Erfahrungen eines großstädtischen Männerlebens. Eine auffällige Ungeniertheit. Sie sind beide bekannte Unikate - der Querdenker und der Playboy .MENGE: Ich wusste gar nicht, dass der Eden ein Querdenker ist. . Beide Lust am öffentlichen Auftritt. Beide eitel. Beide oft neben schönen Frauen. Lassen Sie uns darüber sprechen, wie man sich einen Ruf erarbeitet und wie man damit lebt. MENGE: Absoluter Unsinn. Ich habe überhaupt keine Freude an öffentlichen Auftritten. Ich scheue sie.EDEN: Bei mir stimmt alles. Wunderschön, was Sie da gesagt haben.Herr Eden, es ist jetzt morgens kurz nach zehn. Wie spät ist es gestern Abend geworden?EDEN: Halb drei. Ich habe eine junge Dame gefunden. Die schläft sich noch bei mir zu Hause aus. MENGE: Wo findet man so was denn? Ich hab noch nie was gefunden.EDEN: Sie hat bei mir im Big Eden getanzt. Da hab ich sie gefragt, ob sie noch was vorhat. Nö. Es hat gepasst.Und wann sind Sie ins Bett, Herr Menge?MENGE: Halb elf. Was machen Sie an Ihren Abenden?MENGE: Ich arbeite sehr viel. Und wenn ich erschöpft bin, was ich meistens bin, sehe ich fern und lese.Was sehen Sie?MENGE: Was Erholsames. Schrott. Paar Serien. Und sehr viel Phönix. Die ungeschnittene Wirklichkeit in live. Sehen Sie fern, Herr Eden?EDEN: Ich zappe gerne. Danach, so gegen elf, gehe ich essen, und dann gehe ich aus.Haben sich Ihre Wege schon einmal gekreuzt?EDEN: Schon oft.MENGE: Bei Talkshows. Und bei Bott in der Hundekehle. EDEN: Privat kennen wir uns leider nicht.MENGE: Aber ich war einmal bei ihm in seinem Old Eden. Etwa 1964. Ich habe den Claus Biederstaedt vor der Tür getroffen. Wir waren beide um die Vierzig. Da stand ein Mädchen und sagte, Gott sei Dank zu Biederstaedt: "Na Opa? Auch mal amüsieren?" Da bin ich nie wieder hin gegangen. Was ist denn die Hundekehle?MENGE: Also die Hundekehle war eine Kneipe, das war die volle Pulle, da traf man dann gewisse .EDEN: Anja? Die Barfrau?MENGE: Nee, an die kann ich mich nicht erinnern. Immer saß da Hans Scholz, der spätere Feuilletonchef vom "Tagesspiegel", Jurek Becker war da, Manfred Krug. Beide mit Damen. Ulrich Schamoni. Udo Jürgens. Der Wegert. Modeleute. Und Sie, Herr Eden? Mussten Sie nicht in Ihren eigenen Läden sein?EDEN: Nein, ich hatte immer gute Geschäftsführer. Mein Job ist es, mich zu zeigen. Damit sich die Leute an mich erinnern und in meine Läden kommen.Sind Sie wirklich der Erfinder des Wortes "Abschleppen"?EDEN: Ich hab ein Lied geschrieben in den Sechzigern: "Abschlepper-Twist".Wie ging das?EDEN: Ja also, die Musik spielt, und ich rede zum Publikum: "Wissen Sie, was ein Abschlepper ist? Ein Abschlepper ist einer, der den Kudamm rauf und runter mit m offenen Porsche fährt." Kennt ihr das? Nein. Weiter bitte. EDEN: "Einer, der die Damen mit viel Takt anquatscht." Waren alles Live-Aufnahmen in meinem Lokal. Frage ich: "Darf ich Sie ein Stück mitnehmen?" Und sie sagt Ja. Und dann geht s RRRRRR. Der Motor. Und dann singe ich: (er singt) "Geld ist nicht alles, aber schön musse sein, blond musse sein." War ein Riesenhit damals. "Und wenn sie küssen kann, so richtig küssen kann, dann schaff ich alles an, was ihr gefällt." Das war der "Abschlepper-Twist."MENGE: Ich habe noch nie in meinem Leben eine Dame angesprochen. Noch nie. Selbst im Flugzeug würde ich mich das nicht trauen. Sie könnte neben mir sitzen, und ich würde gern. Ich schaff das nicht.EDEN: Schade, verpasste Gelegenheit. Ist Herr Menge ein Frauentyp?EDEN: Glaube schon. Ein unwahrscheinlicher Charakterkopf. Kluge Frauen werden ihn sicher sehr verehren. Aber sie müssen schon ein bisschen in die Tiefe gehen, nicht so nach Äußerlichkeiten. Und er hat einen Namen. Ein Name hilft ja immer. Man sieht Sie ja auch mit schönen Frauen, Herr Menge.MENGE: So viele sind das nicht. Sie haben den Ruf eines Frauenhelden.MENGE: Das ist in Ordnung. Gucken Sie Frauen hinterher?MENGE: Das gerne. Aber eigentlich bin ich aus dem Alter raus. Ich fand das ja schon wahnsinnig schwierig, die eine zu finden. Haben Sie einen Frauentyp?MENGE: Die sind fast alle schmal und dunkel und nicht besonders groß. Blonde sind selten. EDEN: Meine waren meistens blond und blaue Augen und alles wunderschön. Die Maße 90, 60, 90. MENGE: Da müsste ich einen Zollstock holen.EDEN: Das sieht ein Experte sofort. Haben Sie zu Gunter Sachs, der als der andere große deutsche Playboy gilt oder zumindest galt, irgendwelche Konkurrenzgefühle? Er hatte Brigitte Bardot.EDEN: Ich habe immer gehofft, dass ich die Bardot in Saint Tropez mal auf einer Party treffe. Ich mach da immer Urlaub, zauberhaftes Städtchen. Es ergab sich aber nicht. Ich hatte keine Chance. Hätte die Bardot Ihnen auch gefallen, Herr Menge?MENGE: Nee. Sachs hat die Bardot ja nicht nur erobert. Er hat sie auch geheiratet.EDEN: Das hätte ich nicht gemacht. Dadurch, dass der Sachs immer geheiratet hat, war er eigentlich weg vom Gefecht.Also ist Sachs kein klassischer Playboy?EDEN: In Wirklichkeit nicht. Aber ein ganz toller Lebemann. Welche Rolle spielt das Alter der Frauen?EDEN: Ein leidiges Thema. Bei mir sind sie bis maximal vierzig. Jetzt. Früher waren sie natürlich jünger. Also, es muss ästhetisch sein, figurmäßig, keine Cellulitis. Normal ist heute zwischen 20 und 25. Wir lasen, die Jetzige ist 16.EDEN: Meine kleine momentane Ausnahme. Sie ist aber körperlich viel weiter. Natürlich weiß sie nicht viel, sie weiß nicht, was Hummer ist, weil sie es noch nie gegessen hat. Aber das lernt sie, ich spiele da ein bisschen Pygmalion. MENGE: Ich glaube, dass Frauen wirklich benachteiligt sind. Weil die Männer so dumm sind. Die Dietrich hat mal gesagt, sie kenne überhaupt keine Frau, die sich ihren Mann ausgesucht hat, weil er lange Beine hat. Und das tun Männer. Sie gehen viel zu sehr nach dem Aussehen. Was er vorhin über mich gesagt hat, das mit dem Charakterkopf, das würde bei einer Frau nichts bringen oder nur ausnahmsweise. Obwohl mir auffällt, dass einige Frauen mit dem Alter attraktiver werden. EDEN: Es gibt solche Ausnahmen. Ist weibliche Erfahrung auf sexuellem Gebiet kein Reiz für Sie? EDEN: Also die jungen Leute von heute sind sehr erfahren. Durch die Medien. Man kann ja heute keinen Fernseher anmachen, ohne dass da ein sexueller Akt abläuft.MENGE: Bei Phönix nicht. EDEN: Aber sogar bei Arte. MENGE: Ich glaube ja nicht, dass es in dem Bereich viel zu lernen gibt. Beim Hummer schon eher. Aber das interessiert mich jetzt mal: Muss man so viel können beim Sex?EDEN: Es gibt junge Damen, die schon viele Erfahrungen haben. Also ich wundere mich. Die kommen mit einem kleinen Koffer an, da haben sie Sexutensilien drin. Sie bringen Fesseln und so was mit - nicht, dass ich das will, aber sie bringen es gleich mit, weil sie wissen, dass die Konkurrenz groß ist. Wir vermuten, so was kennen Sie nicht, Herr Menge?MENGE: Das ist korrekt. Ich würde es auch nicht zulassen. EDEN: Wenn ich das mal so sagen darf - Herr Menge lebt mehr für die Kunst. Wo ist, Herr Eden, der Unterschied, zwischen Frauen zu gewinnen mit Champagner, gutem Leben, Hummer - und käuflichem Sex?EDEN: Ein Riesenunterschied! Das sind die Nutten, die das mechanisch machen. Ich mache den Frauen Freude, sie empfinden das nicht als Bezahlung. Da gibt s auch nichts vorher. Sie haben nie das Gefühl, dass sie käuflich sind.Haben Sie es denn mal auf die ganz ehrliche Art probiert, mit Kino, Cola und Chips? So, wie die meisten Männer mit ihren Bräuten ausgehen?EDEN: Am Anfang. Wäre Herr Eden als zeitgenössisches Phänomen für Sie, Herr Menge, ein Stoff, eine Figur für ein Drehbuch?MENGE: Ich denke nach. Im Grunde kann alles Stoff sein. EDEN: Ich bin schon sicher, dass viele Leute so einen Film gerne sehen würden. Viele Männer sagen, oh, so wie der Eden möchte ich auch leben. Das passiert mir oft auf der Straße. Männer sprechen mich an: "Sie sind mein Vorbild!" So richtig euphorisch.MENGE: Aber es müsste einem was dazu einfallen.Was bedeutet Emanzipation für Sie, Herr Eden? EDEN: Solange sie macht, was ich will, kann sie so viel emanzipiert sein, wie sie möchte. Ich bin ein guter Psychologe. Ich kann Menschen manipulieren. Aber ohne dass sie es merken. Ich bin ein dominanter Typ. Ich hätte eigentlich General werden müssen. Wie wäre es mit einem Glas Champagner?MENGE: Was ist denn das für einer? Na gut, dann ein halbes Glas. Ich dachte ja, die beiden kommen mit Rotkäppchen an. Ja, das wären wir auch, wenn der Herr Eden nicht dabei wäre. Herr Eden, wann wussten Sie, dass Sie genug Geld für den Rest Ihres Lebens haben?EDEN: 1965. Zu der Zeit hatte ich drei Läden, die sehr, sehr gut gingen. New Eden, Big Eden und der Eden-Playboy-Club. Ich wusste, ich konnte mich zur Ruhe setzen.MENGE: Mich würde interessieren, ob Sie jemals gedacht haben, was ganz Anderes zu machen. Eine neue Herausforderung. EDEN: Auf keinen Fall. Jede Sekunde hat mir gefallen. Wie wichtig ist für Sie Geld, Herr Menge?MENGE: Ich habe schon lange meine Prinzipien: Mein erstes Honorar war für ein Daviscup-Spiel in Zagreb. Für den Rundfunk habe ich nebenher ein Feature gemacht über Jugoslawien. Eine Dreiviertelstunde. Dann habe ich beim Nordwestdeutschen Rundfunk gefragt: Was zahlen Sie? Sie sagten 1 200 Mark. Ich fragte: Was kriegt Axel Eggebrecht? Na, der kriegt natürlich 1 500. Danach habe ich Radio Bremen angerufen: Was zahlt ihr? 700 Mark. Und was kriegt Eggebrecht? Auch 700 Mark. Ich hab s an Radio Bremen verkauft. So mache ich das heute noch. Wenn ich eine Lesung in einer Bibliothek habe, und die fragen mich, was ich will, dann sage ich, Sie können mir fünf Mark geben, aber ich darf nie erfahren, dass jemand für die gleiche Arbeit mehr Geld kriegt als ich. Das ist alles.Wie viel Geld braucht man?MENGE: Das hängt von den Ansprüchen ab. Und die muss man kontrollieren. Aber Geld ist nicht mein Motiv für die Arbeit, sondern Spaß. Natürlich kann es bei einer Serie von zwölf Folgen passieren, dass ich nach Teil sechs die Schnauze voll habe. Dann muss ich es eben trotzdem machen. Fast jeden Tag läuft eine Wiederholung von irgendeinem Ihrer Filme. Die Leute denken, dass Sie sehr reich sind. Von welchen Größenordnungen reden wir hier eigentlich? MENGE: Ich glaube, dass in unserem Beruf keiner wirklich reich wird. Ich sitze jetzt an einer Bastian-Kelly-Geschichte. Da habe ich ein knappes Jahr zu tun, und das Honorar beträgt 50 000 Mark. Und wenn s nicht wiederholt wird, gibt s auch nicht mehr.EDEN: Peanuts. Für ein Jahr Arbeit! Sie fragen, wann hat man genug Geld? Genug Geld hat man, wenn man nicht weiß, wie viel man hat. Ich weiß nicht, was mein Telefon kostet, was meine Elektrorechnung beträgt, was meine Krankenkasse kostet. Das macht alles mein Büro.Wir haben gelesen, für Sie bestehe die Hauptfrage darin, wie Sie Ihr Geld ausgeben sollen. Wo liegt das Problem?EDEN: Ich mache wirklich alles, was ich möchte, und schaffe es trotzdem nicht, mein Geld auszugeben.Privatjet?EDEN: Brauche ich nicht. Kann ich mieten. Eine Yacht an der Côte d Azur?EDEN: Auch.Wie ist es mit sozialem Engagement?EDEN: Auf keinen Fall. Das überlasse ich den guten Politikern oder der Kirche. Okay, Privatleuten, die ich kenne, denen helfe ich natürlich. Aber nicht bei anonymen Sachen. Ich denke, die klauen die Hälfte, und was sie nicht hier klauen, klauen sie da. Da helfe ich doch lieber jungen Damen. Neigt sehr viel Geld zur Vermehrung?EDEN: Man kann gar nichts dagegen tun. Man kann nicht teurer als erster Klasse fliegen. MENGE: Viele Dinge, für die ich viel Geld hätte bezahlen müssen, habe ich umsonst gehabt. Ich war in der ganzen Welt. Manches wäre auch gar nicht für Geld zu haben gewesen - wie ein Essen mit Mao Tsetung in der Großen Halle des Volkes. So was hatte ich als Korrespondent umsonst. Ich weiß allerdings nicht, ob ich erster Klasse fliegen würde wie Herr Eden. EDEN: Wenn ich über Geld nachdenken würde, könnte ich kein Geld verdienen. Weil ich diese Zeit brauche für neue Ideen. Mein Beruf sind ja längst Immobilien.MENGE: Muss man einen Rolls-Royce fahren? EDEN: Unbedingt. Wie die schönste Frau der Welt braucht man auch das schönste Auto der Welt.MENGE: Fahren Sie denn einen?EDEN: Natürlich. MENGE: Das hab ich nicht gewusst. Fahren würde ich mal damit, aber haben möchte ich ihn nicht. Ich fahre lieber ein Auto, das so aussieht, als würde es nur ein Drittel von dem kosten, was ich bezahlt habe. Ein Audi. Aber den Achtzylinder. 4,2 Liter. Und man sieht es nicht.Aber die Augen leuchten.MENGE: Ich habe ihn noch nicht lange. Sie leben beide in derselben Stadt. Sie, Herr Menge, sagen, Berlin ist Provinz. MENGE: Haben Sie gehört, wie ich das gesagt habe? Das hat irgendeiner einfach geschrieben. Ich bin geboren in Berlin, aber im hohen Alter von zwei Jahren aus der Stadt weggezogen worden. Ich erlebe heute Berlin als Provinz in meinem Alltag. Zum Beispiel als Posse, wenn ich versuche, für meine alten Zeitungen eine Papiertonne zu bestellen. Eine Odyssee in Telefonaten und Faxen. Sie wollten mir die Tonne wochenlang nicht geben, sie wollten sie mir Wochen später wieder wegnehmen. Bis ich am Telefon zum Mann von der Stadtreinigung sagte. "Hören Sie mir zu: Lecken Sie mich am Arsch." Und seitdem habe ich Ruhe. In Hamburg passiert so etwas nicht. Wieso werde ich immer gefragt, was ich gegen Berlin habe! Versteht sich so eine Metropole? Meinen Sie, in Paris oder London würde jemand danach fragen? Die haben aber auch keine Geranienkörbe auf dem Kudamm. Wenn ich in Tegel lande, muss ich einen Kilometer bis zum Taxi laufen und werde noch angebrüllt - nein, nein, diese Sachen sind unerträglich.Sie, Herr Eden, haben neulich eine nahezu kindliche Freude über Berlin zum Ausdruck gebracht. EDEN: Ja. Mein Herz lacht. MENGE: Wenn man es mag, ist es ja gut. Es ist sicher richtig, dass Berlin-Mitte für die jungen Leute eine tolle Stadt ist. Ich lebe da nicht. Ich bin auch nicht mehr jung. Berlin ist immer kompliziert gewesen. In dieser Stadt gibt es so viele verschiedene Lebensräume. Komme ich nach München und stehe ich vorm Franziskaner, denke ich, heute ist Montag - ich weiß, wer vorne links am Tisch sitzt. Das weiß ich hier nie. EDEN: Das ist ja das Schöne.Und woher kommt bei Ihnen die Freude?EDEN: Durch die Wiedervereinigung. Alles ist normal geworden. Haben Sie Häuser im Osten?EDEN: Vier Stück. Prenzlauer Berg, Lichtenberg, Friedrichshain und Mitte. Hab ich gleich nach der Wende gekauft. Sehr schöne Sache. Klingt nach Vorteilssuche. EDEN: Wenn man keinen Vorteil sucht, ist man ein Idiot. Aber ich habe ein Stück den Osten mit aufgebaut.MENGE: Ich sehe ihn als Trümmerfrau so richtig vor mir. Haben Sie Häuser?MENGE: Ich habe eine Wohnung in Hamburg, ein Haus auf Sylt und dieses hier. Und eine Wohnung im Osten habe ich auf Wunsch meines Sohnes Jakob gekauft, weil der da einziehen wollte. EDEN: Dass wir Geld verdienen wollten mit dem Aufbau, ist ja klar. Die Bundesregierung unter Kohl hat das sehr clever gemacht. Das wurde unter Schröder wieder annulliert, die ganzen Steuerprivilegien, die Abschreibungen. Das hat sich damals sehr gut gerechnet. Und viel wurde schnell aufgebaut. Sonst würde das alles noch in Trümmern liegen.MENGE: Mir war es peinlich, da was zu kaufen. Es war mir unheimlich und unangenehm. EDEN: Überhaupt nicht. Es war die große Chance.MENGE: Ja, ja. Was braucht Berlin noch, Herr Eden?EDEN: Die großen Miss-Wahlen. Das wäre noch ein schöner Schub. Miss Texas ist ja schon da, die Frau des Schweizer Botschafters.EDEN: Die kenne ich leider nicht.MENGE: Ich weiß gar nicht, was hier los ist. Herr Menge hat sich sein Leben lang über die Gesellschaft aufgeregt. Warum Sie nicht, Herr Eden?EDEN: Ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Ich mische mich nie in Politik ein, in Sachen, von denen ich nichts verstehe oder die mich nichts angehen. Ich rege mich nicht auf. Ich habe noch nie versucht, irgendetwas zu verändern. Um Gottes willen. Wenn s mir überhaupt nicht mehr hier gefällt, dann gehe ich nach Monte Carlo. Ich bin völlig frei.MENGE: Also ich würde nach Dänemark gehen. Ich verstehe die Sprache nicht. EDEN: Mich stört nichts. Sind Sie ein oberflächlicher Mensch?EDEN: Der Schein ist sicher so. Ich weiß, dass viele Leute das von mir denken. Ist auch gut so. Muss ich keine tiefen Gedanken sagen. Aber als Geschäftsmann kann man nicht oberflächlich sein. In Ihrem Leben soll es keinen einzigen trübsinnigen Moment gegeben haben. EDEN: Ich weiß gar nicht, was das ist. Áber eins weiß ich ganz genau: Wenn man sich belastet, wird man krank. MENGE: Wo es aussichtslos ist, würde ich mich auch nicht anstrengen. Aber ich habe zum Beispiel, verglichen mit allen anderen Autoren, die meisten Fernsehspiele zum Thema deutsch-deutsche Probleme geschrieben. Und zwar, ohne die DDR jemals gekannt zu haben. Ich kenne die heute noch nicht. Aber da hatte ich immer das Gefühl, hier ist was zu bewegen, zumindest in der Gesinnung. Das illustriert, wofür ich mich engagiere.EDEN: Ich engagiere mich überhaupt nicht. Ich will mein schönes Leben weiterleben.MENGE: Das will ich auch. Bevor ich sterbe. EDEN: Das müssen wir alle.MENGE: Ja, das weiß ich, dass mir das nicht erlassen wird, aber es ist nicht so, dass ich mir das herbeisehne. Beneiden Sie Herrn Eden um seine Unbekümmertheit und Nonchalance?MENGE: Wenn ich etwas von dem wollte, was er erreicht hat, dann hätte ich ja genügend Zeit gehabt, das auch zu tun. Ich finde das aber einen respektablen Weg zu leben.Und gibt es etwas, was Sie gerne von Herrn Menge hätten, Herr Eden?EDEN: Ich habe ihn immer sehr verehrt.MENGE: Jetzt gehe ich aufs Klo.(Menge geht.)EDEN: Aber ich würde nie tauschen. Er hat Pflichten. Er muss zwölf Dinger für eine Serie schreiben. Er muss sich mit irgendwelchen Leuten verstehen. Das brauche ich alles nicht. Solange ich keinem schade, mache ich alles, was ich will. Ich würde nie einen Job machen mit 50 000 Mark im Jahr. Das ist lächerlich. Manchmal gibt s mehr.EDEN: Und dann muss er immer gut sein, er ist immer in der Öffentlichkeit.Das sind Sie auch.EDEN: Ja, ich bin sehr eitel. Ich verkaufe mich. Aber ich muss mich nicht mehr beweisen. Bei mir ist es viel Routine. So wie der Rolls oder dieses Mädel. Schöne Sachen, die nicht stressig sind.Wie gefällt Ihnen diese öffentlich kopulierende Gesellschaft?EDEN: Furchtbar. Als ich fünfzehn war und sah einen Rock, der nur bis hier ging, also da wurde man ganz verrückt. Man stand mit dem Fernglas auf Sylt, um was zu sehen. Heute geht leider viel Spannung verloren. (Menge kommt wieder.)Sehen Sie auch in dieser indiskreten Gesellschaft ohne Tabus ein Problem?MENGE: Also ich weiß nicht, ob wir dazu gezwungen werden. Ich habe jetzt in einer Rede das Beispiel Big Brother gehabt. Und es wieder rausgestrichen. Es wäre ein schönes Beispiel gewesen, es fehlt mir richtig. Aber lieber schreibe ich gar nicht darüber, als es populär zu machen. Dass es sich die Leute angucken, verstehe ich schon. Sie sind ja auch während der Französischen Revolution zur Guillotine gerannt, um zu sehen, wie Leute geköpft werden. Für die Leute, die geköpft werden, ist es unangenehm. Sie haben es heute nur noch nicht mitgekriegt. EDEN: Das kann man nicht vergleichen.MENGE: Da bin ich sicher. Kränkt Sie das Wort Playboy, Herr Eden?EDEN: Überhaupt nicht. Wer ist mit 70 noch Playboy? Ich habe das immer als Ehre empfunden. Eine sehr alte, sehr gute Tradition, schon seit Casanova. Können Sie noch unterscheiden, ob Sie authentisch sind oder in den Fesseln eines selbst geschaffenen Produkts leben?EDEN: Bin sicher beides. Ich hab mich selbst erfunden, und ich bin durch die Medien zur Kultfigur geworden. Aber man kann nicht einfach Playboy werden. Das ist so wie bei einem guten Schriftsteller - man hat s oder man hat s nicht. Wie identisch sind Sie mit der Person, als die Sie in der Öffentlichkeit erscheinen, Herr Menge?MENGE: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn Leute mit mir ein Interview machen, Sie weniger gern das aufschreiben, was ich gesagt habe, als lieber das, was früher über mich gedruckt wurde. EDEN: Ich amüsiere mich auch, wenn ich alte Wochenschauen sehe. Es kommen heute noch dieselben Storys über mich. Kein Wunder, Sie haben doch seitdem nichts anderes gemacht. EDEN: Ist ja richtig.MENGE: Sie schreiben doch alle nur ab. Dann sagen Sie uns doch noch was Neues, Herr Menge! MENGE: Ich denke nicht daran. Das Gespräch führten Regine Sylvester und Thomas Leinkauf.Wolfgang Menge // ist auf diesem Foto von 1954 30 Jahre alt. Da war er gerade aus Ostasien wiedergekommen, wo er, mit Sitz in Tokio und Hongkong, zwei Jahre als Korrespondent für "Die Welt" gearbeitet hatte. Als erster bundesdeutscher Reporter war Menge mit der transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau gefahren. Davor, ab 1949, war er nach seinem Volontariat in London der erste Reporter beim neu gegründeten "Hamburger Abendblatt" gewesen. Er hat auch die erste Fernseh-Talkshow moderiert - "III nach 9", den ersten Krimi in der "Stahlnetz"- Straßenfegerreihe geschrieben, und wahrscheinlich fuhr er auch als erster Deutscher einen MG Roadster, weil er dieses Geschoss auf der ersten Autoausstellung nach dem Krieg gesehen hatte.Es ist sein Talent, der Erste zu sein, was auch bedeutet, dass er als Autor seiner Zeit immer weit voraus war. Er hat Fernsehlegenden geschrieben wie 1969 "Die Dubrow-Krise", 1970 "Das Millionenspiel", 1973 "Smok" und "Ein Herz und eine Seele" mit dem Ekel Alfred, 1987 "Reichshauptstadt privat" oder 1993 "Motzki". Wolfgang Menge hat Leute aufgeregt. Nach dem "Millionenspiel" riefen 1 300 Zuschauer an, einige wollten ihn "umlegen", nach "Motzki" lief der Osten Sturm. Menge ist 75 und ärgert sich gerne auf eine fröhliche Art. Seit 30 Jahren lebt er in einer stillen Ecke Berlins und fühlt sich angeblich als Hamburger.Rolf Eden // ist auf diesem Foto von 1964 34 Jahre alt. Er gilt als Erfinder der deutschen Diskotheken. Der Pianist und Jazzliebhaber gründete 1957 in West-Berlin den Eden-Saloon. Es folgten das New-Eden, der Eden-Playboy-Club, das Kabarett Schlüsselloch, 1967 das Big Eden, das es auf dem Kudamm heute noch gibt, dann das Blue Tattoo. Das 1969 gegründete Eden Theater verlor er an Peter Stein. Rita Cadillac, berühmte Striptease-Tänzerin, wurde in seinem Club von einem Pferd auf der Bühne mit dem Maul ausgezogen, während ein Löwe im Käfig dazu brüllte oder schlief. Eden veranstaltete Misswahlen: Miss Berlin, Miss Germany, Miss Filmfestspiele, Miss Busen. Die Konkurrentinnen traten aus Scham Anfangs mit einer Kapuze auf. Gäste in seinen Clubs waren unter anderen die Rolling Stones, Paul McCartney, Shirley MacLaine und Ella Fitzgerald. Eden, der als letzter deutscher Playboy gilt und sich auch gerne so bezeichnet, sieht sich in der Tradition von Casanova.Ein deutscher Playboy muss laut Eden vier Voraussetzungen erfüllen: Mindestens zwei Sprachen sprechen, einen Bootsführerschein haben, er muss tanzen können und schön und ledig sein. Rolf Eden hat nach eigenen Schätzungen zwei- bis dreitausend Frauen verführt. Er führt Buch über seine Affären. Seit 1977 ist er in der Immobilienbranche tätig, besitzt 14 Mietshäuser in Berlin."Wenn die Frau macht, was ich will, kann sie so emanzipiert sein, wie sie möchte. " Rolf Eden --- "Ich glaube, dass Frauen benachteiligt sind. Weil die Männer so dumm sind. " Wolfgang Menge Rolf Eden (rechts) und Wolfgang Menge im Garten. BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER (3), ULLSTEIN (2)