GÜSTROW, 1. November. Der Weg ans Mikrophon ist Claus Gerloff sichtlich schwergefallen. "Nein", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete, er könne dem Koalitionsvertrag mit der PDS nicht zustimmen: "Die 40 Jahre DDR stekken mir noch in den Knochen." Vergeblich erinnert der designierte Kultusminister Peter Kauffold an die große inhaltliche Nähe zwischen SPD und PDS. Vergeblich fordern andere eine "nüchterne", eine "rationale" Entscheidung.An die Vergangenheit erinnertNoch einmal diskutierten die Sozialdemokraten in Mecklenburg- Vorpommern am Sonnabend in Güstrow das Bündnis mit der PDS. Anschließend stimmte die Mehrheit der Delegierten des Landesparteitages dem Koalitionsvertrag zu. Harald Ringstorff ist am Ziel, am kommenden Dienstag wird er zum SPD-Ministerpräsidenten gewählt. Aber eine überraschend starke Minderheit in seinem Landesverband, ein Drittel aller Delegierten, sperrt sich gegen die Koalition mit der PDS. Es ist die SED-Vergangenheit der PDS, die zahlreiche Sozialdemokraten nicht ruhen lassen wollen. "Wie soll ich jetzt den Angehörigen der Mauertoten in die Augen blicken", fragt der Landtagsabgeordnete Michael Körner, und die Bundestagsabgeordnete Christine Lucyga kritisiert den Verzicht auf die Regelanfrage bei der Gauck-Behörde.Der bisherige Justizminister Rolf Eggert, der nun ins Wirtschaftsministerium wechselt, verteidigt die Koalitionsvereinbarung. Die PDS bekenne sich "zum politischen Unrecht in der DDR" zitiert er aus der Präambel. Bei der Stasi-Anfrage für Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes werde in Mecklenburg-Vorpommern zukünftig so verfahren wie in den SPD-regierten Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Doch für viele Sozialdemokraten bleibt die Regelanfrage ein Symbol. Die Rostockerin Marianne Thomas beispielsweise erinnert an die für sie kräftezehrenden Debatten in der Ehrenkommission der Uni-Rostock.Auf der anderen Seite stehen Sozialdemokraten, die das Land nun "versöhnen" wollen. "Das ist unsere Aufgabe", betont Johannes Kwaschik am 7. Oktober 1989 gehörte der Schweriner Oberbürgermeister in Schwante zu den Mitbegründern der SDP in der DDR. Auch Harald Ringstorff wendet sich an die Kritiker seines PDS-Kurses, bittet sie das Vorhaben "kritisch zu begleiten". Am Ende allerdings fehlt die versöhnliche innerparteiliche Geste. Ringstorff will nun durch "gute Politik" beweisen, daß er recht hat.