Roter Mond mit weißer Aufschrift

In der Zeit des kalten Krieges kursierte ein Witz. Der Sicherheitsberater im Weißen Haus meldet dem amerikanischen Präsidenten, dass die Russen auf dem Mond gelandet und gerade dabei seien, ihn rot anzumalen. Sehr gut, antwortet der Präsident. Schickt unsere Jungs mit weißer Farbe hoch. Mit weißer Farbe, Mister President? Ja, lasst sie einfach mit weißer Farbe Coca Cola auf den Mond schreiben.Die Botschaft war einfach und jeder hat sie verstanden. Erstens, weil das rot-weiße Logo von Coca Cola schon damals überall bekannt war. Zweitens, weil Coca Cola weltweit präsent war - außer im Osten. Aber das ließe sich ja ändern. Was für eine Vorstellung: Eine gigantische Cola-Kugel leuchtet über Moskau. Konsummacht gegen Supermacht, süße Expansion, eisgekühlt mit etwas Zitrone, so wirds gemacht!Auf dem Mond sind sie noch nicht, wahrscheinlich, weil es dort noch nichts abzusetzen gibt. Aber die Restmärkte dieser Welt, Russland und China, hat Coca Cola längst erobert. Und es ist gut vorstellbar, dass wenigstens die Raumstation der Zukunft wie eine große Cola-Dose über der Erde fliegen wird.Vorerst geht es um Irdisches. Marken wie Coca Cola besetzen unser Bewusstsein, und wer wissen will, was uns bald blühen könnte, braucht nur nach Amerika zu schauen - Naomi Klein hat es in ihrem Buch "No Logo" beschrieben. Auf den Schultoiletten hängt Werbung für Levi s. Mac-Donald s- und Burger-King-Stände stehen in Kantinen. Während der Mahlzeiten verteilt man Werbeprospekte. Über dem Schuleingang einer Kleinstadt von Otario steht: "Pepsi, offizielles Getränk des Cayuga Gymnasiums. " In den Universitäten hängen überall Werbeschilder. Abgängern mancher Hochschulen wird zum Diplom ein mit Coupons, Kreditangeboten und Werbefaltblättern voll gestopfter Umschlag überreicht.Noch ein paar Jahre, mutmaßt der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder in nebenstehendem Gespräch, und die großen Markenfirmen könnten die Rolle in der Welt ausüben, die heute, pro forma, Regierungen spielen. Beigbeder hat zehn Jahre in der Werbung gearbeitet und ein Buch geschrieben, in dem er sich mit der Branche auseinander setzt - dieser Tage kommt es auch in Deutschland in die Läden.