Natürlich war es nicht so. Also nicht ganz. Wenn man als 13-Jähriger in der DDR ein Bild von Erich Honecker beschmutzte, musste man als Strafe nicht zwangsläufig Schnecken sammeln. Wahrscheinlich, weil es selbst so etwas wie Schnecken in der DDR nicht gab, zumindest nicht immer. Und dann ist Schnecken sammeln ja auch keine adäquate Bestrafung für die Besudelung des Genossen Staatsratsvorsitzenden. Und nie, nie, nie hätte man einen West-Fußball mit den Unterschriften von Breitner, Meier und den anderen zum Bolzen runter auf die Straße genommen. Wenn man überhaupt so einen Ball hatte.Der 13-jährige Karl (Christoph E. Oehme) hat so einen, er hat ihn mit runter genommen und das hat er nun davon. Der Ball ist vor den Wartburg des Schuldirektors gerollt und nun ziemlich platt. Karl ist auch ziemlich platt, denn dem Wartburg entsteigt nicht nur der Schuldirektor, sondern auch dessen schöne Tochter Clara. Fortan ist Karl auch ziemlich verliebt."Meine schönsten Jahre" heißt die neue RTL-Comedy, die schönsten Jahre sind die Achtziger in Ost-Berlin. Die Platte, der Trabi, das Westpaket von Omi, genüsslich holt Regisseur Ulli Baumann ("Ritas Welt") alle Klischees über die DDR hervor, ohne sich über sie lustig zu machen. Dafür lässt er die Handlung aus dem Off kommentieren, vom inzwischen ja erwachsenen Karl. Das ist ganz witzig, weil die Serie so nicht ausschließlich auf FDJ, Fahnenappell und Forumschecks abhebt, sondern diese komischen Dinge nur nutzt, um Wichtigeres zu verhandeln. Die erste Liebe. Die blöden Geschwister. Die noch blöderen Lehrer. Nur als Karl von sechs Wochen Sommerferien schwärmt, hat er wohl etwas verdrängt. In der DDR dauerten die Sommerferien sogar acht Wochen. Meine schönsten Jahre, 21.15 Uhr, RTL,------------------------------Foto: Auweia: Karl (Christoph E. Oehme) hat ein Honecker-Bild bekritzelt.