Seit Carl Andersen vor gut zehn Jahren die Türen seines kleinen Videoclubs in Wien geschlossen hat, wo er der Kundschaft im abgewetzten Hinterzimmer rare Horror- und Trashvideos vorführte, füttert er das Kino mit eigenen Experimenten. Die Titel seiner Filme künden noch lauthals von der anhaltenden Liebe zum Junk- und Exploitationfilm: "I was a Teenage Zabbadoing". Oder auch: "Mondo Weirdo Jungfrau am Abgrund". Inzwischen lebt Andersen in Berlin, flaniert von Zeit zu Zeit durch Filme von Lothar Lambert und erweist sich im übrigen auch weiterhin als umtriebiger, subventionsfreier Cineast."Vom Luxus der Liebe", sein jüngster Nobudget-Film, unternimmt eine Rückkehr zu "Mondo Weirdo" und dessen wüster Melange aus Kunstporno, Untergrundart und intimen Angstphantasien einer jungen Frau. Im neuen Film hat sich die Perspektive freilich verschoben. Jessica F. Manera, die "Mondo"-Hauptdarstellerin, arbeitet nun ihr junges Frauenleben weiter auf, den alten Film miteingeschlossen. Die heterogene Masse aus Spielfilmelementen, Doku-Material und spontanen Erfindungen organisiert im Hintergrund allerdings weiter der Mann Carl Andersen. Das Doku-Drama eröffnet als fragmentarisches Remake von "Mondo Weirdo". Aber dann verabschiedet sich mitten in den Dreharbeiten die Akteurin, die Jessicas Rolle übernommen hatte. Zurück bleibt Jessica mit Videokamera und Selbstzweifeln und verwandelt den Film kurzerhand in das Arbeitsjournal seiner eigenen Herstellung. Ist das nun die Simulation der Simulation oder der Eintritt der Wirklichkeit?In der Selbstbezüglichkeit erinnert das an Experimente aus den 60er Jahren, als sich das Kino der amerikanischen und europäischen Avantgarden wieder für sich selbst zu interessieren begann. "Me and My Brother" (1965) von Robert Frank war so ein halb dokumentarischer, halb fiktiver Film, der selbstreflexiv Familienbeziehungen, pornographische Lust und Filmherstellung zusammenführte. "Vom Luxus der Liebe" knüpft daran nicht an, sondern erfindet sich eine ähnliche Herangehensweise augenscheinlich neu. Das hat Charme, auch wenn die zwischenmontierten Interviews mit Andersen-Freunden (Lambert oder Ulrike S.) zum Verhältnis von Erotik und Liebe einigermaßen unverbindlich bleiben. Überhaupt fügen sich weder Leben noch Film in diesen 65 Minuten zum geschlossenen Ganzen. Aber wenn auch alles vielleicht nur Fiktion und halbe Fälschung ist: In der Unruhe, die der Film sich und seiner Heldin gönnt, ist er doch ziemlich wahrhaftig.Brotfabrik tgl. 22.15 Uhr.