BERLIN. Unternehmensberatungsfirmen haben bei Arbeitnehmern und in der Öffentlichkeit ein denkbar schlechtes Image. Mitarbeiter werden nervös, wenn die dezent gekleideten Vertreter von McKinsey oder Roland Berger im Unternehmen ausschwärmen, von "konzeptionellen Ansätzen", "Best-Practice-Flow" oder "Wertkettenanalyse" sprechen. Denn nicht erst seit Rolf Hochhuths Theaterstück "McKinsey kommt" gelten die verschwiegenen Consultants vielen als Job-Killer, als rücksichtslose Kostenminimierer oder inkompetente Dampfplauderer. In diese Kerbe schlägt das Buch des Journalisten Thomas Leif "Beraten und verkauft". "Ein sehr wichtiges Buch", sagte gestern Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Präsentation in der Berliner Akademie der Künste.Consultants scheuen die Öffentlichkeit "wie der Teufel das Weihwasser", so Leif. Lange sei es der "Bluff-Branche" gelungen, durch Öffentlichkeitsarbeit, ihren strikten Dress-Code, Unmengen von Power-Point-Präsentationen und einer mit Imponier-Vokabeln gespickten Sprache sich den Nimbus "genialer Problemlöser" zu verleihen. Dies verberge jedoch nur, dass die Unternehmensberater weniger von ihrer eigenen Kreativität lebten, sondern lediglich das beim Kunden bereits vorhandene Wissen sammelten und wiederverwerteten. In Firmen und in Politik würde der "vermeintlichen Kompetenzvorsprung" der Consultants dennoch ungeprüft akzeptiert, rügt Leif. Den Unternehmensberatungen wiederum gehe es häufig weniger um die Lösung von Problemen, sondern lediglich um Folgeaufträge. Dafür würden bestimmte Fehlentwicklungen gezielt dramatisiert, um anschließend eine entsprechende Beratungsleistung anzubieten, so Leif.Viele Manager oder Politiker schätzen laut Leif gerade die Rücksichtslosigkeit externer Berater bei der Kostensenkung. Selber trauten sie sich oft nicht, harte Entscheidungen zu treffen. "Es kostet eben Mut, tausende Arbeitsplätze abzubauen", sagte Wulff. Dieser Mut fehle oft und daher werde die Verantwortung an die Consultants delegiert.Der niedersächsische Ministerpräsident rügte auch den "allzu schnellen Wechsel von Politikern in die Beraterbranche" und verwies auf den neuen Job von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) bei dem deutsch-russischen Pipeline-Projekt. Er schlug eine mehrmonatige Wartezeit für Politiker vor, bevor sie zu Unternehmen wechselten, zu denen sie in ihrer Amtszeit Kontakt hatten.Wulff verteidigte jedoch auch die Berater-Branche. "Ich habe exzellente Erfahrungen mit McKinsey gemacht", sagte er. Je komplizierter die gesellschaftlichen Umstände werden und je mehr sich der Staat auf seine Kernkompetenzen zurückzieht, um so mehr muss "externe Expertise zugekauft" werden, sagte Wulff. Weder für Verwaltungen noch für Unternehmen mache es Sinn, immer alles Wissen selber vorzuhalten. Allerdings müssten bestimmte Regeln für Beratungsverträge gelten. Ihre Vergabe müsse transparent sein, die Ratschläge dürften nicht ungeprüft übernommen werden. Notwendig sei auch eine strikte Erfolgskontrolle.Thomas Leif: Beraten und verkauft, München 2006, 448 Seiten, 19,95 Euro------------------------------"Verantwortung wird oft an externe Berater delegiert, weil es den Entscheidern an Mut fehlt."Christian Wulff (CDU)