Noch vor Beginn des Europawahlkampfes verliert die NPD ihren Parteivorsitzenden. Holger Apfel habe mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt, teilte die rechtsextreme Partei am Donnerstag mit. Als Grund gab sie eine schwere Erkrankung an. Auch von seinem Job als Fraktionschef im Dresdner Landtag tritt der 43-Jährige zurück. Apfel leidet nach Angaben aus der Fraktion an einem akuten Burn-out-Syndrom.

Durch den Rückzug ihres Vorsitzenden könnte der NPD eine Eskalation der innerparteilichen Machtkämpfe erspart bleiben, die sich erst jüngst wieder an der Frage der Spitzenkandidatur für die Europawahl entzündet hatten. Vor einem Monat erst hatte der von Apfel aus dem Amt geputschte Ex-Parteichef Udo Voigt sein politisches Comeback in der NPD angekündigt und eine Kampfkandidatur um den Platz eins auf der Europawahl-Liste angekündigt. Das wurde als Kampfansage an Apfel verstanden, der lieber seinen Parteifreund Udo Pastörs, Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern, als Spitzenkandidat gesehen hätte.

Voigt gegen Apfel

Voigt hatte bereits das ganze Jahr hindurch Front gegen Apfel gemacht, dessen vergleichsweise moderates Strategiekonzept der „seriösen Radikalität“ den Hardlinern in der Partei missfiel. Während Apfel hoffte, die NPD aus dem braunen Mief der Neonazis und Ewiggestrigen herausholen und für die Mitte der Gesellschaft wählbar zu machen, sahen Voigt und seine Anhänger darin einen Verrat an den Grundsätzen der Partei.

Seit Monaten tourt daher der alte Vorsitzende durch die Kreisverbände und baut „Freundeskreise“ auf, die ihn im Machtkampf mit Apfel unterstützen sollen. 76 sollen es inzwischen sein. Ein wichtiger Mann an Voigts Seite ist dabei der bayerische Landeschef Karl Richter, der sich Hoffnungen auf Platz 2 der Europawahl-Liste macht. Erst vor kurzem hatte er Apfel und Pastörs attackiert und ihnen Mobbing und Intrigen vorgeworfen.

Öffentlich beklagte sich Richter, dass die beiden die Spitzenkandidatur bei der Europawahl unter sich und an allen Parteigremien vorbei ausgekungelt hätten. In einer öffentlich gewordenen E-Mail an die Parteiführung zog er zudem über „unseren meist pampigen und von Konkurrenzneid zerfressenen Parteivorsitzenden“ her, der die Partei spalte, „Leistungsträger wegbeißt“ und bei Auftritten „demonstrativ abseits steht und fortwährend mit pummeligen Fingerchen auf seinem Mobiltelefon herumtippt“.

Vorerst leiten Pastörs und Richter kommissarisch die NPD. Am Wochenende wird das Präsidium in Berlin über Apfels Nachfolger beraten. Gut möglich, dass der Machtkampf dann schon entschieden wird. Bedeutung hat dies auch für die Wahl 2014 in Sachsen. Die NPD bangt um ihren Wiedereinzug in den Landtag.