Was ham wir bloss jelacht! Sind auffa Jagd jewesen. War jar nich de Hersch – war de Treeiber!“ Finden Sie das gut? Ich jedenfalls fand’s lustig, als man mir vor vielen Jahren diesen Witz aus dem alten Ostpreußen erzählte.

Jetzt ist mir nicht mehr nach Lachen zumute. Vor wenigen Tagen ist in Neklade auf Rügen – das liegt gleich hinter Bergen – ein Traktorfahrer durch den Schuss eines Jägers schwer verletzt worden. Er war bei der Rapsernte, als ihn ein Querschläger im Bauchraum traf. An der Greifswalder Uniklinik kämpft er noch immer um sein Leben. Ich bin auf Rügen aufgewachsen, in Bergen zur Schule gegangen. Wäre ich ein paar Jahre jünger, der Mann hätte mein Banknachbar sein können.

Gegen den Schützen wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Er hatte sich auf seinem Auto eine Art Hochsitz eingerichtet und von dort aus auf eine Bache mit ihren Frischlingen gezielt. Was dann geschah, bedauert der Deutsche Jagdverband außerordentlich. „Wenn es um die Sicherheit bei der Erntejagd geht, sind die Jägerinnen und Jäger in Mecklenburg-Vorpommern vorbildlich“, erklärt der Landesverband MV. Geschossen werden dürfe nur von erhöhten Jagdständen aus. So schlage ein Geschoss, das sein Ziel nicht treffe, in den Boden ein. In Neklade hat es das nicht getan.

Jagd-Gegner geben an, pro Jahr kämen in Deutschland Dutzende Menschen durch Jagdwaffen ums Leben. Der Jagdverband protestiert: Zwischen 2001 und 2011 habe es insgesamt nur 44 tödliche Jagdunfälle gegeben. Natürlich sei jeder von ihnen einer zu viel. Aber gehört deshalb die Jagd generell verboten?

Ich kann es nicht sagen. Der Vater eines Mitschülers war Förster, bis zu einem gewissen Punkt verstehe ich seine Argumente, warum kranke Tiere abgeschossen und zu stark angewachsene Wildbestände dezimiert werden sollten. Aber hobbymäßig auf gesunde Tiere zu schießen und dabei andere Menschen in Lebensgefahr zu bringen – da hört der Spaß auf.