Havanna - Die kubanische Regierung hat am Dienstag zugegeben, 240 Tonnen Rüstungsgüter auf ein Zuckerschiff nach Nordkorea geladen zu haben. In einer Erklärung des Außenministeriums in Havanna hieß es, an Bord seien außer 10.000 Tonnen Zucker auch „defensive und veraltete Waffen“ aus sowjetischer Herstellung gewesen.

Darunter hätten sich neun zerlegte Raketen, zwei Mig-21-Kampfflugzeuge und 15 Flugzeugmotoren befunden, hieß es weiter. Auch seien Luftabwehrsysteme des Typs Wolga und Peschora an Bord, bestätigte das Ministerium. Alle Waffen „sollten repariert und nach Kuba zurückgebracht werden“, versicherte die Regierung in Havanna.

Die Behörden in Panama hatten am Dienstag den nordkoreanischen Frachter „Chon Chon Gang“ an der Durchfahrt durch den Panamakanal gehindert. Das Schiff kam aus Kuba. Nordkorea unterliegt einem Waffenembargo der Vereinten Nationen. Es darf Waffen oder Rüstungsteile weder exportieren noch importieren.

Panama bat die USA und Großbritannien um Hilfe. Präsident Ricardo Martinelli teilte mit, Experten aus beiden Ländern sollten klären, welche Geräte sich genau an Bord des Frachters befänden. Die gefundenen Waffenteile seien regelrecht versteckt gewesen. Nach Einschätzungen des Rüstungs-Experten Neil Ashdown von der britischen Beratungsfirma IHS spricht alles dafür, dass dies eine „verdeckte Aktion“ gewesen sei. Es sei denkbar, dass Kuba das Waffensystem in Nordkorea habe modernisieren lassen wollen und dass der Zucker auf dem Frachter Teil der Bezahlung sei.

In Berichten vom Aufbringen des Schiffes ist vom gewaltsamen Widerstand der 35 Mann starken Schiffscrew die Rede. Sie hätten sich der Durchsuchung des Schiffes und ihrer Festnahme widersetzt, teilte Panamas Sicherheitsminister Jose Raul Mulino mit. Die Mannschaft habe die Kabel der Schiffskräne zu zerschnitten, mit deren Hilfe die Ladung überprüft werden sollte. Nun müssten die 255.000 mit braunem Zucker gefüllten Säcke per Hand entladen werden. Zudem, so berichtete Präsident Martinelli, habe der Kapitän während der Auseinandersetzungen mit den panamaischen Sicherheitskräften scheinbar einen Herzanfall erlitten und anschließend versucht, sich selbst umzubringen. Die Mannschaftsmitglieder wurden nach ihrer Festnahme verhört.

In den vergangenen Jahren sind öfters nordkoreanische Schiffe aufgebracht und unter den UN-Sanktionen durchsucht worden. Im Juli 2009 stoppte die US-Marine ein aus Nordkorea kommendes Boot auf dem Weg nach Birma, weil es angeblich Waffen an Bord hatte. Experten fürchten, die Regierung in Pjöngjang könne einen nuklearen Sprengkopf entwickeln, der für Langstreckenraketen tauglich ist. Die Restriktionen wurden nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas am 12. Februar verschärft. (mit tk.)