BUKAREST, 15. Februar. Der rumänische Bergarbeiterführer Miron Cozma ist wegen eines 1991 von ihm angeführten Marsches auf Bukarest zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht in Bukarest befand Cozma des illegalen Waffenbesitzes, der Untergrabung der staatlichen Autorität und der Gefährdung des Eisenbahnverkehrs für schuldig. Damit wurde das bestehende Urteil von 18 Monaten erheblich ausgeweitet. Eine Begründung wurde zunächst nicht geliefert, Cozmas Anwalt sprach jedoch von einem politischen Urteil.Cozma, der bei der Urteilsverkündung nicht anwesend war, sagte bereits vor einigen Tagen, er werde sich nicht stellen, solange die rumänische Justiz den Machthabern diene. "Wenn sie mich verhaften wollen, dann sollen sie kommen", sagte der 47jährige.An dem Marsch auf Bukarest nahmen 1991 5 000 Bergarbeiter teil. Bei Zusammenstößen wurden drei Menschen getötet und fast 300 verletzt. Der damalige Ministerpräsident Petre Roman trat wenige Tage später zurück. Zuletzt hatte Cozma im Januar dieses Jahres einen weiteren Protestzug von der Kohlestadt Petrosani nach Bukarest organisiert. Bei Zusammenstößen von rund 10 000 protestierenden Bergarbeitern wurden etwa 190 Menschen verletzt, die meisten von ihnen Polizisten.Cozma hatte den Protestmarsch der streikenden Bergleute im Januar dieses Jahres erst nach persönlichen Verhandlungen mit Ministerpräsident Radu Vasile gestoppt. Cozma wurde daraufhin in Rumänien als Held gefeiert. Die Kumpel waren für Lohnerhöhungen von 35 Prozent und den Verzicht auf die Schließung unrentabler Gruben auf die Straße gegangen.Die Verurteilung des rumänischen Arbeiterführers Miron Cozma droht einen neuen Konflikt zwischen den Bergarbeitern aus Petrosani und der Regierung in Bukarest heraufzubeschwören. Innenminister Constantin Ionescu sagte am Montag nach dem Urteil, Cozma werde in jedem Fall verhaftet. Der Chef der Vereinigung arbeitsloser Bergarbeiter in Petrosani, Petre Brait, sprach von einer "politischen Entscheidung", die aus Cozma einen "Märtyrer" machen werde. Er sei als Häftling noch viel gefährlicher als in Freiheit. (AFP)