Ach Gott, etwas anderes war dem guten Michael Johnson nicht eingefallen, als sich nach gut zwei Dritteln der Bastard-Distanz von 150 Metern an den Schenkel zu greifen. Es war ein Reflex, der Läufer immer dann ereilt, wenn sie den Kontrahenten weit vor sich sehen und sie sich ungern die Blöße geben, als Verlierer ins Ziel zu kommen.Der Algerier Nourredine Morceli, der über Jahre als unschlagbar galt, seine beste Zeit wohl aber schon hinter sich hat, hatte am Tag zuvor beim Zwei-Meilen-Duell gegen Haile Gebrselassie in Hengelo/Holland auch keine andere Idee. Hilflos, einsam, traurig und schutzlos ist ein Läufer in diesen Momenten. Ein Griff an die Muskelbündel lindert die Not. Schon ist sich der Athlet des Mitleids jenes Teils der Zuschauer sicher, die die Sache nicht durchschauen oder es gar nicht genauer wissen wollen.Sprintmaschine Michael Johnson also, erfolgreichster und reichster Flitzer der neunziger Jahre, hat das Duell gegen Donovan Bailey, den er so sehr mag, verloren. Wenn Johnson wenigstens eine Chance gehabt hätte ausgangs der Kurve, wäre vielleicht so etwas wie Spannung entstanden, wenn es schon nicht um einen wirklichen Titel ging, sondern nur um zwei Millionen Dollar und um ein vergängliches Attribut, der schnellste Mann der Welt zu sein.Natürlich bleibt von den weltweit gepuschten "Mega-Events" nur ein fader Beigeschmack, ein bißchen Verwirrung und die rhetorische Frage, ob sie jetzt völlig übergeschnappt sind, die da auf der anderen Seite des großen Teichs? Oder: Ob das tatsächlich die Zukunft des Showsports ist, daß ein Sportartikelhersteller (adidas) seine Vertragspartner Morceli und Gebrselassie aufeinanderhetzt, den derzeit besten Läufer der Welt, den Kenianer Daniel Komen, aber nicht einlädt zu diesem Duell, weil der die Schuhe eines anderen Ausrüsters trägt? Als "Reklametrick" hat sogar Michael Johnson die beiden Unternehmen bezeichnet, die für sich in Anspruch nahmen, der Leichtathletik Überlebenshilfe zu geben.Der Zuschauer kann an den Running Gag glauben oder nicht. Er kann sich bei Bier und Snacks juchzend an dem Treiben erfreuen. Er kann ein bißchen sticheln, Scherze machen oder sich pikiert abwenden. Nur aufzuhalten ist der Zirkus nicht. Es wird noch schlimmer, das ist gewiß.