Berlin - Ein schmaler, fast unscheinbarer Mann steht am Nachmittag des 25. September 2001 vor dem Plenum des Deutschen Bundestages. Er hebt an zu sprechen, auf Russisch. Es ist Wladimir Putin, der noch junge Präsident, der als erster Repräsentant Russlands vor dem deutschen Parlament spricht. 56 Jahre, nachdem Soldaten der Roten Armee die sowjetische Fahne auf dem Dach dieses Gebäudes gehisst haben, als Zeichen des Sieges über das Deutsche Reich. Auch ihre Graffiti sind hier noch zu finden, russische Spuren im Herzen der neuen deutschen Demokratie; bewahrt zur Erinnerung an den großen Krieg, den mörderischen Tiefpunkt der Jahrhunderte alten Beziehungen zwischen diesen beiden Völkern, die doch meistens befreundet waren.

Wenn man so will, ist dieser Tag im September 2001 nun ein Höhepunkt der deutsch-russischen Beziehungen. Putin hat darum gebeten, hier sprechen zu können. Es ist eine Ehre, die nur wenigen ausländischen Politikern gewährt wird, vorzugsweise großen Persönlichkeiten wie Nelson Mandela oder guten Freunden wie François Mitterrand. Als solcher ist Putin gekommen, als guter Freund der Deutschen. Heute, mit dem Abstand von 13 Jahren und mitten in einer schweren Vertrauenskrise zwischen Deutschland, dem Westen überhaupt, und Russland, stellt sich die Frage, ob damals alle die historische Dimension dieses Auftritts erkannt haben, die Möglichkeiten, die er eröffnete – und welche Fehler seither gemacht wurden.

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