Moskau - Man muss auch mal Nein sagen können, heißt es in sämtlichen psychologischen Ratgebern. Wem es schwer fällt, diesen Rat umzusetzen – und wem fällt das nicht schwer? –, der sollte sich ein Beispiel an Sergej Lawrow nehmen. Russlands Außenminister ist ein Meister im Neinsagen. „Mister Njet“ nennen sie ihn im Westen manchmal, so wie einst den legendären sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko. Es schwingt darin Anerkennung und Ärger zugleich mit. Sergej Lawrow ist sozusagen Russlands Veto im UN-Sicherheitsrat, verkörpert in menschlicher Gestalt – ein Nein auf zwei Beinen. Dazu trägt der hochgewachsene Diplomat stets ein passendes Gesicht, das seriösen Missmut ausdrückt.

Aber wenn Lawrow an diesem Dienstag in Genf zu den Gesprächen über das iranische Atomprogramm eintrifft, dann wird er nicht als „Mister Njet“ dastehen. Den Ruf des ewigen Neinsagers hat Lawrow nämlich abgeschüttelt. Das war vor einem Monat, ebenfalls in Genf, als er mit seinem amerikanischen Kollegen John Kerry eine Einigung zum Syrienkonflikt erzielte. Verblüfft sah die Welt damals, wie Washington unter Moskaus geschickter Hilfestellung einen abrupten Schwenk machte – weg von den als unvermeidlich angekündigten Luftschlägen gegen Assads Regime, hin zu einer gemeinsamen Initiative zur Vernichtung von Chemiewaffen. Es war ein persönlicher Triumph Lawrows.

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